Vollständige Buchausgabe

Bruno Gröning: Ich lebe, damit die Menschheit wird weiterleben können

Eine Kurzbiografie von Grete Häusler / Thomas Eich

7. völlig neu bearbeitete Auflage  

 

I. Teil:

Jahre der Vorbereitung

Bruno Gröning wurde im Mai 1906 in Danzig geboren. Hier erlebte er seine Kindheit, Jugend und sein frühes Mannesalter. Hier schöpfte er die Eindrücke, die ihn für seine spätere Aufgabe vorbereiteten.

Ein Gedicht von Martin Damss beschreibt die Stadt Danzig und in übertragenem Sinne auch das Wesen Bruno Grönings:

"Felsiges Tor aus Ziegel und Holz, Wiege der Schiffe und Waage der Lasten, Mächtiger Nacken, in dienendem Stolz, Duldsam geneigt über Borde und Masten.

Turmhaupt, gerammt in das feurige Licht, Helmüberdacht und beschattet die Stirne, Schultergebeugt von der Kette der Pflicht, Himmlisch umleuchtet vom Glanz der Gestirne.

Wappen der Kraft aus Eiche und Stein, Irdischen Daseins Sinnbild als Zeichen: Dulder und Träger der Bürden zu sein, Allem zu dienen - und keinem zu gleichen."

Das Stadtwappen von Danzig

Das Stadtwappen von Danzig

1. Kindheit und Jugend

In Oliva, einem Vorort Danzigs, in der Nähe des Meeres und der grossen Wälder, lebte die Familie Gröning. Bruno Gröning schrieb 1956 in seinem Lebenslauf über seine Kindheit:

"Ich (...) wurde als 4. Kind von 7 Geschwistern des Ehepaares August Gröning und Margarethe am 31.5.1906 in Danzig Oliva geboren. Mein Vater war Maurerpolier. (...) Während meiner Kindheit und Jugendzeit, die ich im Elternhaus verbrachte, machte ich mehr und mehr die Feststellung von sonderbaren Fähigkeiten, die - von mir ausgehend - dazu angetan waren, beruhigenden oder heilenden Einfluss auf Menschen und Tiere auszuüben. Bereits als Kleinkind wurden in meinem Beisein kranke Menschen von ihren Beschwerden frei und Kinder wie auch Erwachsene wurden bei Aufregung oder Streit durch einige Worte von mir völlig ruhig. Ich habe auch als Kind die Feststellung machen können, dass Tiere, die für gewöhnlich als scheu oder auch als bösartig galten, sich mir gegenüber gutmütig und zahm zeigten. Mein Verhältnis zum Elternhaus war daher sonderbar und gespannt. Ich strebte bald nach völliger Selbständigkeit, um aus der Umgebung des ‚Missverstandenseins’ meiner Familie herauszukommen."

Schon als kleines Kind lief er oft von zu Hause fort. Was er dabei erlebte, beschrieb er in einem handschriftlichen Text aus dem Jahre 1949:

"Ich ging weiter und weiter und habe hierbei ein ganz klares Bild. Die Natur, die Tiere, mich und die Menschen sah ich als ein göttliches Wesen auf dieser Erde, die ich auch als göttlich empfand. Hierbei erhielt ich den Gedanken: Gott - und sagte so vor mir hin: Gott, wie ist es doch gut bei Dir, hier will ich immer bleiben. Zu Hause bei meinen Eltern wie auch bei den anderen Menschen ist es nicht so schön, auch nicht so ruhig. Die meisten Menschen sind sehr böse. Hier will ich bleiben und brauch’ mich vor den bösen Menschen nicht mehr zu fürchten.

Darauf wurde mir klar, dass die Tiere sich auch der bösen Menschen wegen hier im Wald aufhalten. Es dauerte nicht lange, und ich fühlte mich geborgen, besser als bei den Eltern im Hause, denn hier war ich nicht so alleine. Die Tiere haben plötzlich alle Scheu vor mir verloren, wurden sehr zutraulich, kamen zu mir, liessen sich streicheln. Ich sprach zu allen Tieren. Kurz, wir haben uns sehr gut verstanden, sie begleiteten mich durch den Wald, und wir wurden immer grössere Freunde.

So verblieb ich einige Tage und Nächte in dem Wald, bis ich von Menschen aufgegriffen und zu den Eltern gebracht wurde. Hier erhielt ich sehr viel grobe Schläge und wurde zu alledem in ein Zimmer eingesperrt. Der Schläge wegen habe ich niemals weinen können, da ich die Schläge nicht als Schmerz empfand, obwohl der Körper manchmal blau und grün geschlagen wurde. Jedenfalls dauerte die Gefangenschaft im Elternhause nicht lange, da ich sehr schnell und oft mich aus dieser befreite. Der Wald und meine Freunde, die Tiere, waren so stark, dass sie mich immer wieder zu sich anzogen.

Zwischendurch erhielt ich öfters den Gedanken im Walde: "Sind die Menschen nicht auch deine Freunde? Ja, warum laufe ich denn immer von den Menschen?" Wieder eine Erkenntnis: "Die Tiere fürchten das Böse in den Menschen, aber ich fürchte mich nicht, denn ich bin stärker als das Böse. Dass ich stärker bin, will ich allen Menschen zeigen:." So klein auch noch mein Körper war, aber ich fühlte mich einfach stärker als alle Menschen.

Von hier ab, mein Körper war gut zweieinhalb Jahre alt, zog es mich zu den Menschen, die von dem Bösen überwältigt waren. Das Böse hatte den Körper, was Menschen Krankheit nennen, abgebaut und wieder kam ein Gedanke, als ich vor einem kranken Menschenkörper stand: Aus dem Körper einiger Tiere ist doch die Krankheit verschwunden, als ich leise vor mir sagte: ‚Liebes Tierlein, du wirst bald wieder einen gesunden Körper haben.’ Und so geschah es auch. Beim Menschen ist es doch nichts anderes. Als der Gedanke bei mir festlag, wurde der Körper des Menschen frei von allen Beschwerden. So wurde ich laufend von Kranken direkt angezogen, denn in allen Wohnungen, wo ich plötzlich auftauchte, waren kranke Menschen, zu denen ich immer wieder nur sagte: ‚Du bist doch nicht mehr krank’. Oder aber, wenn einige von diesen sagten: ‚Er wird sterben’, da sagte ich kurz: ‚Nein, der stirbt noch lange nicht, gesund wird er werden!’ Bei jedem Kranken war ich nur ganz kurz, indem ich mich dem Kranken näherte und das schon Erwähnte kurz und leise dem Kranken sagte, worauf ich jedes Mal blitzschnell verschwand."

In einem Zeitungsinterview für "Das Neue Blatt" 1957 erzählte er:

"Schon als Kind sperrte ich mich gegen alle Bösartigkeiten. Ich konnte sie einfach nicht erdulden. Alles wehrte sich in mir dagegen. Man nannte mich wohl auch damals bereits einen Eigenbrötler, der starrköpfig seinen Willen durchsetzen wollte.

Seltsamerweise zogen mich schon damals immer wieder Krankheiten und leidende Menschen an. Es war ein eigenartiger Sog, der mich zu ihnen führte. Seltsamerweise fühlten sich diese kranken Menschen aber in meiner Gegenwart wohler. Und mehr als einmal musste ich hören: ‚Bleib hier, mein Junge, du lässt mich meine Schmerzen vergessen.’ Damals geschah es dann auch, dass ich vorlaut Bekannten und Ärzten gegenüber äusserte: ‚Der wird wieder gesund! Der andere aber schafft es nicht!’ Man schüttelte den Kopf und fragte mich, wie ich zu dieser Ansicht käme. Aber darauf konnte ich keine Antwort geben. Ich fühlte es eben so in mir.

Dieses Gefühl war es auch, das mich während des ersten Weltkrieges immer wieder zu den Verwundeten in den Danziger Lazaretten trieb. Ich war bald ein überall bekannter Gast. In der Schule wurden mir diese Ausflüge sehr übel genommen. Ja, man drohte sogar, weil ich dabei mal den Unterricht schwänzte, mich in eine Erziehungsanstalt zu stecken.

Das alles hat meinen Drang zu helfen nicht gehemmt. Die Not war damals Anfang der 20er Jahre in Danzig sehr gross. Mit wenigen Kameraden habe ich da einen Jugendring gegründet, um durch Sammlung von Bekleidungsstücken und Nahrungsmitteln und Geldspenden den Ärmsten zu helfen."

In seinem Lebenslauf von 1956 fährt er fort:

"Ich besuchte die Volksschule. Nach der Entlassung aus dieser ging ich in die kaufmännische Lehre. Hier war ich zweieinhalb Jahre. Diese Lehrstelle musste ich aber auf Verlangen meines Vaters deshalb aufgeben, weil es meines Vaters Wunsch war, dass ich ein Bauhandwerk erlernen sollte. Ich folgte dem Wunsche meines Vaters und erlernte den Zimmererberuf. Zu einem Abschluss durch eine Prüfung kam es jedoch nicht, da zur damaligen Zeit in Danzig grosse Arbeitslosigkeit herrschte. Aus diesem Grunde musste ich 1/4 Jahr vor Beendigung der Lehrzeit ohne Abschlussprüfung meine Lehrstelle aufgeben, denn die Firma, bei der ich lernte, musste wegen Mangel an Aufträgen schliessen."

2. Das Lebenspraktikum

Bruno Gröning schreibt weiter:

"Im Jahre 1925 gelang es mir, eine Bau- und Möbeltischlerei zu errichten und mich selbständig zu machen. Nach fast zwei Jahren stellte ich diese Tätigkeit ein und schaffte als Fabrik- und Gelegenheitsarbeiter bis zum Jahre 1943. So arbeitete ich in einer Schokoladenfabrik, beim Postamt Danzig, auch als Telegrammbesteller ca. neun Monate und bei der Firma Siemens und Halske als Schwachstrommonteur. Hier habe ich die meisten Arbeiten selbständig ausgeführt. Alle diese Arbeiten habe ich mit Interesse verrichtet, und besonders lag es mir daran, ein Praktikum durchzumachen, wobei ich das Wissen und Können der Menschen in allen Lebenslagen und allen Volksschichten studieren konnte und erfuhr, wie die Menschen ihr Leben gestalteten. Ich suchte nicht nur die Ärmsten der Armen, sondern auch die Reichsten der Reichen, um kennen zu lernen, wie sie lebten. Ein Privatleben, wie man es im gewöhnlichen Sinne versteht (Kinobesuch, Aufsuchen von Wirtshäusern, Kartenspiel usw.) interessierte mich nicht."

An anderer Stelle beschrieb er es wie folgt:

"Ich habe in der Folgezeit in Danzig nicht nur als Zimmermann gearbeitet, sondern auch als Tischler, Maler und Schlosser. Zeitweilig arbeitete ich auch bei der Firma Siemens und bei der Post. Es war mir auch ein Anliegen, meinen Mitmenschen in einigen Fällen in Rechtsangelegenheiten beizustehen. Zum Nationalsozialismus hatte ich keine Berührungspunkte. Ich wurde einmal kurz in den NSBO aufgenommen. Wegen meiner Ansichten wurde ich darauf aber wieder nach kurzer Zeit entlassen."

'Besonders lag es mir daran, ein Praktikum durchzumachen, wobei ich das Wissen und Können der Menschen in allen Lebenslagen und allen Volksschichten studieren konnte.'

"Besonders lag es mir daran, ein Praktikum durchzumachen, wobei ich das Wissen und Können der Menschen in allen Lebenslagen und allen Volksschichten studieren konnte."  

In seinem Lebenslauf von 1956 fährt er fort:

"Im Alter von 21 Jahren verheiratete ich mich mit Gertrud Cohn aus Danzig. Dieser Ehe sind zwei Kinder entsprossen, die zwischenzeitlich gestorben sind."

In einem Lebenslauf aus dem Jahre 1952 beschrieb er, was diese Ehe für ihn bedeutete:

"Es erwies sich leider schnell, dass meine Frau keinerlei Beziehung hatte zu den Besonderheiten und dem Streben, das ausserhalb meines Broterwerbs lag. Sie versuchte, mich zu hindern an meiner freien Tätigkeit, anderen Menschen zu helfen bzw. sie zu heilen, und somit trat auch hier wieder die Spannung auf wie früher im Elternhaus, weil ich in eine primitive kleinbürgerliche Bahn gedrängt werden sollte."

Im Lebenslauf von 1956 kommt er wieder auf seine besondere Gabe zu sprechen:

"Schon sehr früh zeigte sich bei mir eine besondere Anlage, auf Mensch und Tier beruhigend und heilend einwirken zu können, wie dies bei manchen Menschen seit urdenklichen Zeiten oft der Fall ist. Diese Wirkung war bei entsprechend veranlagten Personen so stark, dass psychische und körperliche Störungen, die durch andere Heilmethoden nicht mehr beeinflussbar waren, ausheilten oder sich wesentlich besserten."

Aus dieser Zeit liegen bereits erste Berichte über Heilungen vor. So erklärte z. B. Charlotte Adam 1949 an Eides statt:

"Herrn Gröning kenne ich seit 1928 aus Danzig, welche meine Heimatstadt ist. Herr Gröning hat sich schon damals für geistige Dinge interessiert und Menschen geholfen und geheilt. Mir sind ungefähr 20 Fälle bekannt, die auch Erfolg hatten. (…) Auch kann ich viele Beweise geben, wo Herr Gröning Kindern geholfen hat, z. B. bei Lähmungen und [bei solchen,] die nicht hören und sehen konnten. In allen Fällen hat es geklappt. Wir selbst und die Leute, denen er geholfen hat, stehen auch heute noch vor einem Rätsel. Wir haben früher uns immer den Kopf zerbrochen, wie so etwas sein kann."

Max Bruhn war in Danzig ein Freund und Nachbar Bruno Grönings. Er schrieb 1955 einen ausführlichen Bericht über diese Zeit. Hier ein kleiner Auszug:

"Bruno Gröning hat schon damals nie an sich gedacht, sondern sein oberstes Gebot galt seinen Mitmenschen, ihnen zu helfen und neue Kraft zu geben. Es war ihm ganz gleich, ob jemand ein Anliegen auf Gesundung hatte oder andere Hilfe brauchte, oder ob er unschuldig mit den bestehenden Gesetzen in Konflikt geraten war.

So manches Mal hat er auf seinen Schlaf, auf seinen Verdienst verzichtet. Es gab für ihn nur das eine: Helfen.

'Bruno Gröning hat schon damals nie an sich gedacht.' Max Bruhn 1955

"Bruno Gröning hat schon damals nie an sich gedacht." Max Bruhn 1955

Oft wurde er schon damals zu Kranken gebeten, die ihn, ja sogar nachts, um Hilfe anflehten. Aber nie hat er, ganz gleich was es war, auch nur einen Pfennig dafür genommen. Im Gegenteil, er hat sogar noch sein letztes Geld, was er besass, diesen Menschen gegeben. Selbst wenn jemand sich für irgendeine Tat bedankte, wies Bruno Gröning den Dank zurück und sagte u. a., dass dieser diesen Dank dadurch anbringen möge, indem er auch bei seinen Mitmenschen Gutes tue. In vielen Fällen durfte ich sein Begleiter sein und mich von seinen Taten überzeugen. (...)

Somit möchte ich nachfolgend nur zwei Fälle von ebenfalls vielen schildern. Im ersten Falle handelte es sich um seine Schwester Maria. Sie erkrankte an Brustkrebs und nach Feststellung der Ärzte gab es nur eine Lösung: die Brust zu entfernen. Diese Operation sahen die Ärzte als sehr dringend an und sollte in spätestens drei Tagen vollzogen werden. Was aber ging nun im Inneren, in der Seele seiner Schwester vor sich? Sie rang mit sich selbst. Ihre Umgebung, dazu das viele Böse hielt sie ab, zu ihrem Bruder zu gehen. Und doch kam sie eines Tages zu ihm. Sie wollte mit ihm sprechen. Dieses war zwar der erste Schritt, sich von all dem Bösen loszutrennen, aber sie konnte sich nicht ganz freimachen. Sie sagte, dass sie doch noch einmal zum Arzt gehen möchte. Ihr Bruder, Bruno Gröning, sagte nur, sie möge es tun, aber er sei fest überzeugt, dass sie doch den Weg zu ihm zurückfinden werde. Und so geschah es. Am Tage vor der bereits festgesetzten Operation kam die Schwester, Maria, zur späten Abendstunde wiedermals zu ihrem Bruder, Bruno, und bat ihn um seine Hilfe. Er, der Bruder Bruno, sagte in meiner Gegenwart lächelnd: ‚Ich finde nichts Böses mehr in deiner Brust, du kannst morgen ruhig zum Arzt bzw. zu den Ärzten gehen und bittest um eine gründliche Untersuchung, ehe sie zu einer Operation schreiten. Diese Ärzte werden nach einer gründlichen Untersuchung genau das feststellen, was ich dir soeben gesagt habe.’

Bereits nachmittags des folgenden Tages kam die Schwester, Maria, zu ihrem Bruder Bruno und bestätigte, wie es Bruno Gröning am Tage vorher gesagt hatte. Die Ärzte standen vor einem grossen Rätsel, indem sie sagten, dass hier ein grosses Wunder geschehen sei. Sie haben lange darüber gesprochen und brachten immer wieder diese Bewunderung zum Ausdruck, indem sie sagten: ‚Hier ist etwas vor sich gegangen, was wir uns nicht erklären können. Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die wir Menschen nicht erklären können.’ (...)

Auch möchte ich jetzt einen anderen Fall wiedergeben, der sich bei meiner ersten Frau zutrug. Es geschah im gleichen Hause bei Bruno Gröning, denn wir wohnten ja bei ihm. Meine erste Frau erkrankte an einer Halsentzündung. Es traten hohes Fieber, innere starke Schwellungen ein und es drohte der Erstickungstod. Seit einigen Tagen war sie in Behandlung bei Dr. Hollatz. Der Zustand verschlechterte sich immer mehr, so dass der Arzt ernstlich Bedenken bekam. Meine Frau wusste, dass Bruno Gröning helfen konnte, wenn der Glaube vorhanden sei. Ich habe sie gebeten, ob ich Bruno Gröning um seine Hilfe bitten darf. Aber sie lehnte es ab, denn den wahren Glauben hatte sie noch nicht erreicht. Im Gegenteil, sie hoffte immer noch auf die Hilfe des Arztes. Ich habe aber doch mit Bruno Gröning gesprochen und er sagte mir, dass er sofort komme, wenn meine Frau den Glauben gefunden hat und sie selbst um seine Hilfe ihn ansprechen würde. Und auch hier geschah es.

Ich selbst musste an dem fraglichen Tage vom Hause entfernt sein. Während dieser Zeit nahm die innere Schwellung derart zu, dass der Erstickungstod bevorstand. In ihrer letzten Stunde, wenn ich so sage, fand sie den Glauben. Es war die Todesangst, und sie fühlte, dass doch ein Bruno Gröning helfen würde. Da sie nicht mehr sprechen konnte, klopfte sie mit ihrer letzten Kraft an die Zimmerwand, denn sie wusste, dass Bruno Gröning an dem Tage zu Hause war. Zur gleichen Minute schaltete sich dann auch Bruno Gröning ein, betrat das Zimmer und fand meine Frau im Stadium des Erstickungstodes. Ihr Gesicht war inzwischen blau geworden. Sie konnte nur noch durch schwaches Zeigen auf die Halsgegend hinweisen. Und das Wunder geschah. Schon nach einigen Sekunden war ein Rückgang der inneren Schwellung zu verzeichnen, und es setzte sofort neues Leben ein.

Am nächsten Tage stand sie auf und ging zu Dr. Hollatz. Der Arzt, der ja den Zustand meiner Frau kannte, konnte sich kaum fassen. Nach der Untersuchung sagte er nur, dass für ihn hier etwas Unerklärliches geschehen sei, denn aufgrund des Krankheitszustandes wäre es unmöglich, dass sie mit den Worten gesagt, gesund sei. Es blieb für ihn ein Rätsel und es wäre hier ein grosses Wunder geschehen, was er sich nicht erklären könne."

In einem Schriftsatz von 1950 beschrieb Bruno Gröning sein Wirken in Danzig:

"Dass mein öffentliches Wirken ab März 1949 viele Menschen in Erstaunen versetzte, ist mir klar. Viele fragten sich: Warum ist Gröning nicht schon früher aufgetaucht?

Meine Antwort ist, dass ich ja schon 43 Jahre lebe und dass ich das, was ich jetzt öffentlich wirke, schon seit meiner Kindheit getan habe. Nur habe ich von jeher alles getan, um nicht in die Öffentlichkeit gezerrt zu werden. Ich hatte schon viel früher versucht, jeweils in einem kleinen Kreis, die Menschen dahin aufzuklären, dass ich einen Menschen kenne (ich sprach damals nicht davon, dass ich dies sei, sondern schob meine Fähigkeit einem unbekannten Dritten zu), der, ohne Medizin erlernt zu haben, aus eigener Kraft, fast alle Kranken heilen könne. Meine Zuhörer hielten mich aber immer für einen Spinner, nur ganz wenige haben mich damals verstehen können.

Von Zeit zu Zeit hatte ich die Gelegenheit, einen Kranken anzutreffen und diesem, ohne dass er etwas davon merkte, durch Worte, Berühren eines kranken Körperteiles oder Gliedes oder einem ihm von mir übergebenen Gegenstand, die Krankheit zu nehmen. Später merkte ich, dass ich zur gleichen Zeit nicht nur einem einzelnen, sondern auch mehreren Kranken zu helfen imstande war und dass diese, sagen wir Behandlungsart[1], für mich gar nicht schwierig war. In aller Stille arbeitete ich laufend weiter und kaum einer meiner Versuche blieb erfolglos. Der kleine Kreis von Menschen, zu denen ich damals kam, war natürlich verblüfft und konnte es nicht fassen, was hier vor sich ging. Verstandesgemäss ist es auch nicht zu erfassen.

Kranke, die Hilfe von mir erhalten hatten, erkannten und bezeugten die Tatsache, ohne eine Erklärung geben zu können. Die Zeit und mit ihr die Häufung der Heilungen machten mich zu einem ‚Grosssender’. Immer mehr Menschen empfingen die Heilwelle. Ich glaube von mir aus behaupten zu können, dass jeder eine Empfangsstation für diese Welle besitzt, nur muss der Mensch wissen, was er empfangen will. Sicher gab es auch früher kleine Heilsender, nur waren sie meines Erachtens in ihrer Kraft beschränkt, wurden nicht entfaltet, sondern infolge ihrer Schwäche verdrängt und bauten auch ab.

Um mich kurz zu fassen, möchte ich vergleichsweise sagen, dass ich das Empfangsgerät beim Menschen ausfindig gemacht habe und imstande bin, den menschlichen Organismus sozusagen zu überholen. Für Menschen, die von mir geheilt wurden, ist dies eine Selbstverständlichkeit wie das Radio."

3. Krieg und Vertreibung

In seinem Lebenslauf von 1956 fährt Bruno Gröning fort:

"1943, im Alter von 37 Jahren, wurde ich zur Wehrmacht einberufen. Wegen meiner Auffassung kam es zu Reibungen. So wurde mir z. B. das Kriegsgericht in Aussicht gestellt, denn ich hatte die Äusserung getan: ‚Ob ihr mich an die Front stellt oder nicht, ich erschiesse doch keinen Menschen.’ Ich kam aber schliesslich doch an die Front.

1944 wurde ich durch Granatsplitter am rechten Oberschenkel verwundet. Dieserhalb kam ich ins Heimatlazarett, wurde jedoch als Ungeheilter auf deutschem Boden wieder in den Kampf gegen die Russen eingesetzt und geriet im März 1945 in russische Kriegsgefangenschaft. Dezember 1945 wurde ich aus der russischen Kriegsgefangenschaft nach Westdeutschland entlassen.

In den russischen Gefangenenlagern habe ich mich in jeder Weise für die gefangenen Kameraden eingesetzt, wofür ich dreimal zur russischen Kommandantur zum Verhör geführt wurde; in einem Fall wurde mir mit dem Erschiessen gedroht. U. a. verlangte ich auch, dass unsere deutschen Gefangenen wenigstens so wie das Vieh behandelt werden sollten, denn die Behandlung der Gefangenen war damals weit schlechter als die des Viehs. Auch hier war es mir wiederholt vergönnt, kranken Kameraden in scheinbar hoffnungslosem Zustand Hilfe und Linderung zu verschaffen."

An anderer Stelle beschrieb er es so:

"Sowohl während meiner Dienstzeit wie auch in der Gefangenschaft erzielte ich an kranken Kameraden Heilerfolge, doch war natürlich durch die äusseren Gegebenheiten systematische Arbeit und Vertiefung unmöglich." Im Interview mit der Zeitschrift "Das Neue Blatt" 1957 beschrieb er seine Bemühungen, den Kameraden zu helfen:

"Den Ärmsten zu helfen, war auch mein Ziel, als ich nach dem Zusammenbruch mit vielen Landsern in einem russischen Gefangenenlager sass. Es war eine harte Zeit, denn es fehlte uns am Notdürftigsten. Meine Kameraden aber werden Ihnen bestätigen, dass ich damals keine Mühe gescheut habe, ihr und unser aller Los zu bessern.

So habe ich es nicht nur durchgesetzt, dass wir damals im Lager die Schösslinge von jungen Pflanzen sammelten und daraus einen Tee mit vielen Wirkstoffen kochten, sondern ich habe auch mitgeholfen, alle Möglichkeiten zu organisieren - mit und ohne Zulassung der Russen -, um unsere handwerklichen Fähigkeiten zur Besserung unserer Lage einzusetzen."

In seinem Lebenslauf von 1956 fährt er fort:

"Nach meiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft im Jahre 1945 nahm ich in Dillenburg Wohnung und holte meine Frau, die als Flüchtling in Schleswig untergekommen war, zu mir. Um unseren Lebensunterhalt zu verdienen, nahm ich jede Arbeit an, die mir in der Nachkriegszeit geboten wurde.

In Westdeutschland habe ich zusammen mit Flüchtlingen aus dem Sudetengau das Hilfswerk der Vertriebenen ins Leben gerufen. Auch gehörte ich der Wohnungskommission an, denn ich fühlte mich wieder verpflichtet, den Menschen zu helfen."

Auch dazu äusserte er sich in dem Interview mit dem "Neuen Blatt":

"Das [er zeigt dem Reporter seinen Ausweis, der ihn als Flüchtlingshelfer ausweist] war dann die nächste Station nach der Gefangenschaft. Trotz Verbot der Amerikaner organisierte ich damals mit wenigen Helfern in vielen, vielen Gemeinden Hessens ein Hilfswerk für Vertriebene. Ich glaube, dass diese notdürftig improvisierten Hilfeleistungen damals für viele Flüchtlingsfamilien der erste Lichtblick nach einer harten und erbarmungslosen Zeit war."

In seinem Lebenslauf von 1952 beschreibt er, wie es auch in Westdeutschland wieder zu Heilungen kam:

"Nach der Währungsreform, als sich alles mehr beruhigte und stabilisierte, wandte ich mich wieder meiner Aufgabe zu, kranke Menschen zu heilen; diesmal in der Absicht, nicht mehr von meiner Mission zu lassen und alles daranzusetzen, ein legales Betätigungsfeld für meine Aufgabe zu finden. Ich machte mir anfangs weniger Kopfzerbrechen über den theoretischen und behördlichen Teil, der hiermit verknüpft war, und fuhr fort, mich meiner Sache voll zu widmen."

Auch aus dieser Zeit liegen bereits Erfolgsberichte vor, so z. B. von Elisabeth Janssen aus Duisburg (Februar 1949):

"Bei der Pflege meiner nervengelähmten Nachbarin lernte ich Herrn Gröning kennen. Dr. med. Wink machte uns auf Herrn Gröning aufmerksam. Bei seinem zweiten Besuch bei meiner Nachbarin am 24.02.1949 klagte ich ihm, dass meine Tochter in Ruhrort an Grippe erkrankt sei und zeigte ihm auch mein Enkelchen, das ebenfalls mit der Grippe anfing. Durch eine kurze Behandlung[1] bei dem Kind wich sofort das Fieber und der Husten liess am selben Abend noch nach. Von meiner Tochter hatte ich nur ein Foto bei mir. Herr Gröning behandelte[1] meine Tochter nach diesem Foto und versicherte mir, um 20 Uhr würde das Fieber sie verlassen. Als ich am 25.02. zu meiner Tochter kam, war sie vollständig fieberfrei und zwar seit dem Abend vorher. Wir sind Herrn Gröning sehr dankbar und hoffen noch öfter auf seine Hilfe."

Bei einem weiteren Bericht aus dieser Zeit ist die Unterschrift unleserlich:

"Ich war Zeuge folgenden Vorganges: Meine Schwester, Frau Heise, Brackwede, ist seit 17 Jahren krank. Sie leidet an Basedow’scher Krankheit, woran sie auch schon operiert wurde. Durch diese Krankheit und vieles Einnehmen ist der Körper ganz vergiftet und zog mehrere Krankheiten nach sich. Sie leidet an Nervenentzündungen im Rücken und in den Beinen, schwerem Herzfehler, Magen-, Leber- und Gallenerkrankung und dauernden Gehirnschmerzen und Angstgefühl im Halse. Seit 17 Jahren ist sie in dauernder ärztlicher Behandlung, bisher aber ohne Erfolg. Nun lernte ich durch Bekannte Herrn Gröning kennen. Mit ihm fuhr ich zu meiner Schwester. Er erkannte sofort, ohne vorherige Informierung, die Krankheiten meiner Schwester und nannte ihr die schmerzenden Körperstellen und übertrug sogar die Schmerzen auf meinen daneben sitzenden Vater und einen anderen Zeugen. Am Ende der Behandlung[1] fühlte sich meine Schwester frei von Schmerzen und konnte sogar ohne Schmerzen die Treppe herauf und herunter gehen, was ihr vorher sehr beschwerlich war. Es grenzte fast an ein Wunder, ist für uns unfassbar, wie so etwas möglich sein kann."

Ein weiterer Bericht aus der Zeit, wieder aus Duisburg:

"Hatte das grosse Glück, am 30.01.49 Herrn Gröning kennen zu lernen. Meine Tochter, die durch Kinderlähmung schon neun Jahre am rechten Bein gelähmt ist, wurde von ihm behandelt[1]. Bis heute ist meine Tochter sechsmal von Herrn Gröning behandelt[1] worden. Sichtbare Zeichen einer Heilung sind vorhanden. Es war mir vergönnt, Zeuge verschiedener schwerer Fälle zu sein. Einen besonderen Fall möchte ich herausgreifen. Ein junger Mann, der von Herrn Gröning in meiner Wohnung behandelt[1] wurde, zeigte ihm das Bild seines Schwiegervaters, der an offener TB leidet. Von meiner Wohnung aus behandelte[1] Herr Gröning anhand des Bildes den TB-Kranken. Er sagte dem jungen Mann, er möchte seinem Vater sagen, dass er seinen Körper beobachten solle. Nachdem der junge Mann meine Wohnung verlassen hatte, sagte Herr Gröning mir, was mit dem Kranken geschehen würde. Am anderen Morgen nach 12 Stunden kam der junge Mann zu mir und sagte alles genau so, wie Herr Gröning es mir am Abend vorher gesagt hatte. Bin gerne bereit, jeden von mir mit beigewohnten Fall zu schildern. Alles dies niedergeschrieben: erkläre ich an Eides statt, gez. Winkels."

Bei solchen Geschehnissen war es nur eine Frage der Zeit, bis die Öffentlichkeit auf ein Phänomen wie Bruno Gröning aufmerksam wurde. Im März 1949 war es dann so weit.  

"Wer das hohe Glück hatte, seine Gesundheit durch mich wiederzuerlangen, der danke GOTT jederzeit aus tiefstem Herzen, ich bin nur Sein Werkzeug und Diener."

Bruno Gröning

[1] siehe zu den Begriffen Behandlung, Patient etc. das Kapitel "Patienten, Behandlung, Experiment", II. Teil, Kapitel 7