1. Kindheit und Jugend
In Oliva, einem Vorort Danzigs, in der Nähe des Meeres und der
grossen Wälder, lebte die Familie Gröning. Bruno Gröning schrieb
1956 in seinem Lebenslauf über seine Kindheit:
"Ich (...) wurde als 4. Kind von 7 Geschwistern des Ehepaares
August Gröning und Margarethe am 31.5.1906 in Danzig Oliva geboren. Mein
Vater war Maurerpolier. (...) Während meiner Kindheit und Jugendzeit,
die ich im Elternhaus verbrachte, machte ich mehr und mehr die
Feststellung von sonderbaren Fähigkeiten, die - von mir ausgehend - dazu
angetan waren, beruhigenden oder heilenden Einfluss auf Menschen und
Tiere auszuüben. Bereits als Kleinkind wurden in meinem Beisein kranke
Menschen von ihren Beschwerden frei und Kinder wie auch Erwachsene
wurden bei Aufregung oder Streit durch einige Worte von mir völlig
ruhig. Ich habe auch als Kind die Feststellung machen können, dass
Tiere, die für gewöhnlich als scheu oder auch als bösartig galten, sich
mir gegenüber gutmütig und zahm zeigten. Mein Verhältnis zum Elternhaus
war daher sonderbar und gespannt. Ich strebte bald nach völliger
Selbständigkeit, um aus der Umgebung des ‚Missverstandenseins’ meiner
Familie herauszukommen."
Schon als kleines Kind lief er oft von zu Hause fort. Was er dabei
erlebte, beschrieb er in einem handschriftlichen Text aus dem Jahre
1949:
"Ich ging weiter und weiter und habe hierbei ein ganz klares
Bild. Die Natur, die Tiere, mich und die Menschen sah
ich als ein göttliches Wesen auf dieser Erde, die ich auch als
göttlich empfand. Hierbei erhielt ich den Gedanken: Gott -
und sagte so vor mir hin: Gott, wie ist es doch gut bei Dir,
hier will ich immer bleiben. Zu Hause bei meinen Eltern wie
auch bei den anderen Menschen ist es nicht so schön, auch
nicht so ruhig. Die meisten Menschen sind sehr böse. Hier
will ich bleiben und brauch’ mich vor den bösen Menschen
nicht mehr zu fürchten. Darauf wurde mir klar, dass die Tiere sich
auch der bösen
Menschen wegen hier im Wald aufhalten. Es dauerte nicht
lange, und ich fühlte mich geborgen, besser als bei den
Eltern im Hause, denn hier war ich nicht so alleine. Die
Tiere haben plötzlich alle Scheu vor mir verloren, wurden
sehr zutraulich, kamen zu mir, liessen sich streicheln. Ich
sprach zu allen Tieren. Kurz, wir haben uns sehr gut verstanden,
sie begleiteten mich durch den Wald, und wir wurden
immer grössere Freunde. So verblieb ich einige Tage und Nächte in dem
Wald, bis
ich von Menschen aufgegriffen und zu den Eltern gebracht
wurde. Hier erhielt ich sehr viel grobe Schläge und wurde zu
alledem in ein Zimmer eingesperrt. Der Schläge wegen habe
ich niemals weinen können, da ich die Schläge nicht als
Schmerz empfand, obwohl der Körper manchmal blau und
grün geschlagen wurde. Jedenfalls dauerte die Gefangenschaft
im Elternhause nicht lange, da ich sehr schnell
und oft mich aus dieser befreite. Der Wald und meine Freunde,
die Tiere, waren so stark, dass sie mich immer wieder zu
sich anzogen. Zwischendurch erhielt ich öfters den Gedanken im Walde:
"Sind die Menschen nicht auch deine Freunde? Ja, warum
laufe ich denn immer von den Menschen?" Wieder eine
Erkenntnis: "Die Tiere fürchten das Böse in den Menschen,
aber ich fürchte mich nicht, denn ich bin stärker als das
Böse. Dass ich stärker bin, will ich allen Menschen zeigen:."
So klein auch noch mein Körper war, aber ich fühlte mich
einfach stärker als alle Menschen. Von hier ab, mein Körper war gut
zweieinhalb Jahre alt,
zog es mich zu den Menschen, die von dem Bösen überwältigt
waren. Das Böse hatte den Körper, was Menschen Krankheit nennen,
abgebaut und wieder kam ein Gedanke,
als ich vor einem kranken Menschenkörper stand: Aus dem
Körper einiger Tiere ist doch die Krankheit verschwunden,
als ich leise vor mir sagte: ‚Liebes Tierlein, du wirst bald wieder
einen gesunden Körper haben.’ Und so geschah es auch. Beim Menschen ist
es doch nichts anderes. Als der Gedanke bei mir festlag, wurde der
Körper des Menschen frei von allen Beschwerden. So wurde ich laufend von
Kranken direkt angezogen, denn in allen Wohnungen, wo ich plötzlich
auftauchte, waren kranke Menschen, zu denen ich immer wieder nur sagte:
‚Du bist doch nicht mehr krank’. Oder aber, wenn einige von diesen
sagten: ‚Er wird sterben’, da sagte ich kurz: ‚Nein, der stirbt noch
lange nicht, gesund wird er werden!’ Bei jedem Kranken war ich nur ganz
kurz, indem ich mich dem Kranken näherte und das schon Erwähnte kurz und
leise dem Kranken sagte, worauf ich jedes Mal blitzschnell verschwand." In einem Zeitungsinterview für
"Das Neue Blatt" 1957 erzählte er: "Schon als Kind sperrte ich mich
gegen alle Bösartigkeiten.
Ich konnte sie einfach nicht erdulden. Alles wehrte sich
in mir dagegen. Man nannte mich wohl auch damals bereits
einen Eigenbrötler, der starrköpfig seinen Willen durchsetzen
wollte. Seltsamerweise zogen mich schon damals immer wieder
Krankheiten und leidende Menschen an. Es war ein eigenartiger
Sog, der mich zu ihnen führte. Seltsamerweise fühlten
sich diese kranken Menschen aber in meiner Gegenwart
wohler. Und mehr als einmal musste ich hören: ‚Bleib hier,
mein Junge, du lässt mich meine Schmerzen vergessen.’
Damals geschah es dann auch, dass ich vorlaut Bekannten
und Ärzten gegenüber äusserte: ‚Der wird wieder gesund!
Der andere aber schafft es nicht!’ Man schüttelte den Kopf
und fragte mich, wie ich zu dieser Ansicht käme. Aber darauf konnte ich
keine Antwort geben. Ich fühlte es eben so in
mir. Dieses Gefühl war es auch, das mich während des ersten
Weltkrieges immer wieder zu den Verwundeten in den Danziger
Lazaretten trieb. Ich war bald ein überall bekannter
Gast. In der Schule wurden mir diese Ausflüge sehr übel
genommen. Ja, man drohte sogar, weil ich dabei mal den
Unterricht schwänzte, mich in eine Erziehungsanstalt zu
stecken. Das alles hat meinen Drang zu helfen nicht gehemmt. Die
Not war damals Anfang der 20er Jahre in Danzig sehr gross. Mit wenigen
Kameraden habe ich da einen Jugendring gegründet, um durch Sammlung von
Bekleidungsstücken und Nahrungsmitteln und Geldspenden den Ärmsten zu
helfen." In seinem Lebenslauf von 1956 fährt er fort: "Ich besuchte
die Volksschule. Nach der Entlassung aus
dieser ging ich in die kaufmännische Lehre. Hier war ich
zweieinhalb Jahre. Diese Lehrstelle musste ich aber auf Verlangen
meines Vaters deshalb aufgeben, weil es meines
Vaters Wunsch war, dass ich ein Bauhandwerk erlernen sollte.
Ich folgte dem Wunsche meines Vaters und erlernte den
Zimmererberuf. Zu einem Abschluss durch eine Prüfung
kam es jedoch nicht, da zur damaligen Zeit in Danzig grosse
Arbeitslosigkeit herrschte. Aus diesem Grunde musste ich
1/4 Jahr vor Beendigung der Lehrzeit ohne Abschlussprüfung
meine Lehrstelle aufgeben, denn die Firma, bei der
ich lernte, musste wegen Mangel an Aufträgen schliessen."
2. Das
Lebenspraktikum
Bruno Gröning schreibt weiter: "Im Jahre 1925 gelang es mir, eine
Bau- und Möbeltischlerei zu errichten und mich selbständig zu machen.
Nach fast zwei Jahren stellte ich diese Tätigkeit ein und schaffte als
Fabrik- und Gelegenheitsarbeiter bis zum Jahre 1943. So arbeitete ich in
einer Schokoladenfabrik, beim Postamt Danzig, auch als
Telegrammbesteller ca. neun Monate und bei der Firma Siemens und Halske
als Schwachstrommonteur. Hier habe ich die meisten Arbeiten selbständig
ausgeführt. Alle diese Arbeiten habe ich mit Interesse verrichtet, und
besonders lag es mir daran, ein Praktikum durchzumachen, wobei ich das
Wissen und Können der Menschen in allen Lebenslagen und allen
Volksschichten studieren konnte und erfuhr, wie die Menschen ihr Leben
gestalteten. Ich suchte nicht nur die Ärmsten der Armen, sondern auch
die Reichsten der Reichen, um kennen zu lernen, wie sie lebten. Ein
Privatleben, wie man es im gewöhnlichen Sinne versteht (Kinobesuch,
Aufsuchen von Wirtshäusern, Kartenspiel usw.) interessierte mich nicht." An anderer Stelle beschrieb er es wie
folgt: "Ich habe in der Folgezeit in Danzig nicht nur als Zimmermann
gearbeitet, sondern auch als Tischler, Maler und
Schlosser. Zeitweilig arbeitete ich auch bei der Firma Siemens
und bei der Post. Es war mir auch ein Anliegen, meinen
Mitmenschen in einigen Fällen in Rechtsangelegenheiten
beizustehen. Zum Nationalsozialismus hatte ich
keine Berührungspunkte. Ich wurde einmal kurz in den NSBO aufgenommen.
Wegen meiner Ansichten wurde ich darauf aber wieder nach kurzer Zeit
entlassen."
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"Besonders lag es mir daran, ein Praktikum durchzumachen,
wobei ich das Wissen und Können der Menschen in allen
Lebenslagen und allen Volksschichten studieren konnte."
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In seinem Lebenslauf
von 1956 fährt er fort: "Im Alter von 21 Jahren verheiratete ich mich
mit Gertrud Cohn aus Danzig. Dieser Ehe sind zwei Kinder entsprossen,
die zwischenzeitlich gestorben sind." In einem Lebenslauf aus dem Jahre
1952 beschrieb er, was diese
Ehe für ihn bedeutete: "Es erwies sich leider schnell, dass meine Frau
keinerlei
Beziehung hatte zu den Besonderheiten und dem Streben,
das ausserhalb meines Broterwerbs lag. Sie versuchte, mich zu hindern an
meiner freien Tätigkeit, anderen Menschen zu helfen bzw. sie zu heilen,
und somit trat auch hier wieder die Spannung auf wie früher im
Elternhaus, weil ich in eine primitive kleinbürgerliche Bahn gedrängt
werden sollte." Im Lebenslauf von 1956
kommt er wieder auf seine besondere
Gabe zu sprechen: "Schon sehr früh zeigte sich bei mir eine besondere
Anlage,
auf Mensch und Tier beruhigend und heilend einwirken
zu können, wie dies bei manchen Menschen seit urdenklichen Zeiten oft
der Fall ist. Diese Wirkung war bei entsprechend veranlagten Personen so
stark, dass psychische und körperliche Störungen, die durch andere
Heilmethoden nicht mehr beeinflussbar waren, ausheilten oder sich
wesentlich besserten." Aus dieser Zeit liegen bereits erste Berichte über Heilungen vor.
So erklärte z. B. Charlotte Adam 1949 an Eides statt: "Herrn Gröning kenne ich seit 1928 aus Danzig, welche
meine Heimatstadt ist. Herr Gröning hat sich schon damals
für geistige Dinge interessiert und Menschen geholfen und
geheilt. Mir sind ungefähr 20 Fälle bekannt, die auch Erfolg
hatten. (…) Auch kann ich viele Beweise geben, wo Herr Gröning Kindern
geholfen hat, z. B. bei Lähmungen und [bei solchen,] die nicht hören und
sehen konnten. In allen Fällen hat es geklappt. Wir selbst und die
Leute, denen er geholfen hat, stehen auch heute noch vor einem Rätsel.
Wir haben früher uns immer den Kopf zerbrochen, wie so etwas sein kann."
Max Bruhn war in Danzig ein Freund und Nachbar Bruno Grönings.
Er schrieb 1955 einen ausführlichen Bericht über diese Zeit.
Hier ein kleiner Auszug: "Bruno Gröning hat schon damals nie an sich gedacht,
sondern sein oberstes Gebot galt seinen Mitmenschen,
ihnen zu helfen und neue Kraft zu geben. Es war ihm ganz
gleich, ob jemand ein Anliegen auf Gesundung hatte oder
andere Hilfe brauchte, oder ob er unschuldig mit den bestehenden
Gesetzen in Konflikt geraten war. So manches Mal hat er auf seinen Schlaf, auf seinen Verdienst
verzichtet. Es gab für ihn nur das eine: Helfen.
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"Bruno Gröning hat schon damals nie an sich gedacht."
Max Bruhn 1955 |
Oft wurde er schon damals zu Kranken gebeten, die ihn,
ja sogar nachts, um Hilfe anflehten. Aber nie hat er, ganz
gleich was es war, auch nur einen Pfennig dafür genommen.
Im Gegenteil, er hat sogar noch sein letztes Geld, was er
besass, diesen Menschen gegeben. Selbst wenn jemand sich
für irgendeine Tat bedankte, wies Bruno Gröning den Dank
zurück und sagte u. a., dass dieser diesen Dank dadurch
anbringen möge, indem er auch bei seinen Mitmenschen
Gutes tue. In vielen Fällen durfte ich sein Begleiter sein und
mich von seinen Taten überzeugen. (...) Somit möchte ich nachfolgend
nur zwei Fälle von ebenfalls
vielen schildern. Im ersten Falle handelte es sich um
seine Schwester Maria. Sie erkrankte an Brustkrebs und nach
Feststellung der Ärzte gab es nur eine Lösung: die Brust zu
entfernen. Diese Operation sahen die Ärzte als sehr dringend
an und sollte in spätestens drei Tagen vollzogen werden. Was aber ging
nun im Inneren, in der Seele seiner
Schwester vor sich? Sie rang mit sich selbst. Ihre Umgebung,
dazu das viele Böse hielt sie ab, zu ihrem Bruder zu gehen.
Und doch kam sie eines Tages zu ihm. Sie wollte mit ihm
sprechen. Dieses war zwar der erste Schritt, sich von all dem
Bösen loszutrennen, aber sie konnte sich nicht ganz freimachen.
Sie sagte, dass sie doch noch einmal zum Arzt gehen
möchte. Ihr Bruder, Bruno Gröning, sagte nur, sie möge es
tun, aber er sei fest überzeugt, dass sie doch den Weg zu ihm
zurückfinden werde. Und so geschah es. Am Tage vor der
bereits festgesetzten Operation kam die Schwester, Maria,
zur späten Abendstunde wiedermals zu ihrem Bruder,
Bruno, und bat ihn um seine Hilfe. Er, der Bruder Bruno,
sagte in meiner Gegenwart lächelnd: ‚Ich finde nichts Böses
mehr in deiner Brust, du kannst morgen ruhig zum Arzt
bzw. zu den Ärzten gehen und bittest um eine gründliche
Untersuchung, ehe sie zu einer Operation schreiten. Diese
Ärzte werden nach einer gründlichen Untersuchung genau
das feststellen, was ich dir soeben gesagt habe.’ Bereits nachmittags
des folgenden Tages kam die Schwester,
Maria, zu ihrem Bruder Bruno und bestätigte, wie es
Bruno Gröning am Tage vorher gesagt hatte. Die Ärzte standen
vor einem grossen Rätsel, indem sie sagten, dass hier ein
grosses Wunder geschehen sei. Sie haben lange darüber
gesprochen und brachten immer wieder diese Bewunderung
zum Ausdruck, indem sie sagten: ‚Hier ist etwas vor sich
gegangen, was wir uns nicht erklären können. Es gibt Dinge
zwischen Himmel und Erde, die wir Menschen nicht erklären
können.’ (...) Auch möchte ich jetzt einen anderen Fall wiedergeben,
der
sich bei meiner ersten Frau zutrug. Es geschah im gleichen
Hause bei Bruno Gröning, denn wir wohnten ja bei ihm.
Meine erste Frau erkrankte an einer Halsentzündung. Es traten
hohes Fieber, innere starke Schwellungen ein und es drohte der
Erstickungstod. Seit einigen Tagen war sie in
Behandlung bei Dr. Hollatz. Der Zustand verschlechterte
sich immer mehr, so dass der Arzt ernstlich Bedenken
bekam. Meine Frau wusste, dass Bruno Gröning helfen
konnte, wenn der Glaube vorhanden sei. Ich habe sie gebeten,
ob ich Bruno Gröning um seine Hilfe bitten darf. Aber
sie lehnte es ab, denn den wahren Glauben hatte sie noch
nicht erreicht. Im Gegenteil, sie hoffte immer noch auf die
Hilfe des Arztes. Ich habe aber doch mit Bruno Gröning
gesprochen und er sagte mir, dass er sofort komme, wenn
meine Frau den Glauben gefunden hat und sie selbst um
seine Hilfe ihn ansprechen würde. Und auch hier geschah es. Ich selbst
musste an dem fraglichen Tage vom Hause entfernt
sein. Während dieser Zeit nahm die innere Schwellung
derart zu, dass der Erstickungstod bevorstand. In ihrer letzten
Stunde, wenn ich so sage, fand sie den Glauben. Es war die
Todesangst, und sie fühlte, dass doch ein Bruno Gröning helfen
würde. Da sie nicht mehr sprechen konnte, klopfte sie mit
ihrer letzten Kraft an die Zimmerwand, denn sie wusste, dass
Bruno Gröning an dem Tage zu Hause war. Zur gleichen
Minute schaltete sich dann auch Bruno Gröning ein, betrat
das Zimmer und fand meine Frau im Stadium des Erstickungstodes.
Ihr Gesicht war inzwischen blau geworden. Sie
konnte nur noch durch schwaches Zeigen auf die Halsgegend
hinweisen. Und das Wunder geschah. Schon nach einigen
Sekunden war ein Rückgang der inneren Schwellung zu verzeichnen,
und es setzte sofort neues Leben ein. Am nächsten Tage stand sie auf
und ging zu Dr. Hollatz.
Der Arzt, der ja den Zustand meiner Frau kannte, konnte
sich kaum fassen. Nach der Untersuchung sagte er nur, dass
für ihn hier etwas Unerklärliches geschehen sei, denn aufgrund
des Krankheitszustandes wäre es unmöglich, dass sie
mit den Worten gesagt, gesund sei. Es blieb für ihn ein Rätsel und es
wäre hier ein grosses Wunder geschehen, was er sich nicht erklären
könne." In einem Schriftsatz von 1950 beschrieb
Bruno Gröning sein
Wirken in Danzig: "Dass mein öffentliches Wirken ab März 1949 viele
Menschen
in Erstaunen versetzte, ist mir klar. Viele fragten sich:
Warum ist Gröning nicht schon früher aufgetaucht? Meine Antwort ist,
dass ich ja schon 43 Jahre lebe und dass
ich das, was ich jetzt öffentlich wirke, schon seit meiner
Kindheit getan habe. Nur habe ich von jeher alles getan, um
nicht in die Öffentlichkeit gezerrt zu werden. Ich hatte
schon viel früher versucht, jeweils in einem kleinen Kreis,
die Menschen dahin aufzuklären, dass ich einen Menschen
kenne (ich sprach damals nicht davon, dass ich dies sei, sondern
schob meine Fähigkeit einem unbekannten Dritten zu),
der, ohne Medizin erlernt zu haben, aus eigener Kraft, fast
alle Kranken heilen könne. Meine Zuhörer hielten mich aber
immer für einen Spinner, nur ganz wenige haben mich
damals verstehen können. Von Zeit zu Zeit hatte ich die Gelegenheit,
einen Kranken
anzutreffen und diesem, ohne dass er etwas davon merkte,
durch Worte, Berühren eines kranken Körperteiles oder
Gliedes oder einem ihm von mir übergebenen Gegenstand,
die Krankheit zu nehmen. Später merkte ich, dass ich zur
gleichen Zeit nicht nur einem einzelnen, sondern auch mehreren
Kranken zu helfen imstande war und dass diese, sagen
wir Behandlungsart[1], für mich gar nicht schwierig war. In
aller Stille arbeitete ich laufend weiter und kaum einer meiner
Versuche blieb erfolglos. Der kleine Kreis von Menschen,
zu denen ich damals kam, war natürlich verblüfft und
konnte es nicht fassen, was hier vor sich ging. Verstandesgemäss
ist es auch nicht zu erfassen. Kranke, die Hilfe von mir erhalten
hatten, erkannten und
bezeugten die Tatsache, ohne eine Erklärung geben zu können.
Die Zeit und mit ihr die Häufung der Heilungen machten
mich zu einem ‚Grosssender’. Immer mehr Menschen
empfingen die Heilwelle. Ich glaube von mir aus behaupten zu
können, dass jeder eine Empfangsstation für diese Welle
besitzt, nur muss der Mensch wissen, was er empfangen will.
Sicher gab es auch früher kleine Heilsender, nur waren sie
meines Erachtens in ihrer Kraft beschränkt, wurden nicht entfaltet,
sondern infolge ihrer Schwäche verdrängt und bauten
auch ab. Um mich kurz zu fassen, möchte ich vergleichsweise sagen,
dass ich das Empfangsgerät beim Menschen ausfindig gemacht habe und
imstande bin, den menschlichen Organismus sozusagen zu überholen. Für
Menschen, die von mir geheilt wurden, ist dies eine
Selbstverständlichkeit wie das Radio." 3. Krieg und Vertreibung
In seinem Lebenslauf von 1956 fährt Bruno Gröning fort: "1943, im
Alter von 37 Jahren, wurde ich zur Wehrmacht
einberufen. Wegen meiner Auffassung kam es zu Reibungen.
So wurde mir z. B. das Kriegsgericht in Aussicht gestellt,
denn ich hatte die Äusserung getan: ‚Ob ihr mich an die
Front stellt oder nicht, ich erschiesse doch keinen Menschen.’
Ich kam aber schliesslich doch an die Front. 1944 wurde ich durch
Granatsplitter am rechten Oberschenkel
verwundet. Dieserhalb kam ich ins Heimatlazarett,
wurde jedoch als Ungeheilter auf deutschem Boden wieder
in den Kampf gegen die Russen eingesetzt und geriet im März 1945 in
russische Kriegsgefangenschaft. Dezember
1945 wurde ich aus der russischen Kriegsgefangenschaft
nach Westdeutschland entlassen. In den russischen Gefangenenlagern
habe ich mich in
jeder Weise für die gefangenen Kameraden eingesetzt, wofür
ich dreimal zur russischen Kommandantur zum Verhör
geführt wurde; in einem Fall wurde mir mit dem Erschiessen gedroht. U.
a. verlangte ich auch, dass unsere deutschen Gefangenen wenigstens so
wie das Vieh behandelt werden sollten, denn die Behandlung der
Gefangenen war damals weit schlechter als die des Viehs. Auch hier war
es mir wiederholt vergönnt, kranken Kameraden in scheinbar
hoffnungslosem Zustand Hilfe und Linderung zu verschaffen." An anderer Stelle
beschrieb er es so: "Sowohl während meiner Dienstzeit wie auch in der
Gefangenschaft erzielte ich an kranken Kameraden Heilerfolge,
doch war natürlich durch die äusseren Gegebenheiten
systematische Arbeit und Vertiefung unmöglich."
Im Interview mit der Zeitschrift "Das Neue Blatt" 1957 beschrieb
er seine Bemühungen, den Kameraden zu helfen: "Den Ärmsten zu helfen,
war auch mein Ziel, als ich nach
dem Zusammenbruch mit vielen Landsern in einem russischen
Gefangenenlager sass. Es war eine harte Zeit, denn es
fehlte uns am Notdürftigsten. Meine Kameraden aber werden
Ihnen bestätigen, dass ich damals keine Mühe gescheut
habe, ihr und unser aller Los zu bessern. So habe ich es nicht nur
durchgesetzt, dass wir damals im Lager die Schösslinge von jungen
Pflanzen sammelten und daraus einen Tee mit vielen Wirkstoffen kochten,
sondern ich habe auch mitgeholfen, alle Möglichkeiten zu organisieren -
mit und ohne Zulassung der Russen -, um unsere handwerklichen
Fähigkeiten zur Besserung unserer Lage einzusetzen." In seinem
Lebenslauf von 1956 fährt er fort: "Nach meiner Entlassung aus der
Kriegsgefangenschaft
im Jahre 1945 nahm ich in Dillenburg Wohnung und holte
meine Frau, die als Flüchtling in Schleswig untergekommen
war, zu mir. Um unseren Lebensunterhalt zu verdienen,
nahm ich jede Arbeit an, die mir in der Nachkriegszeit geboten
wurde. In Westdeutschland habe ich zusammen mit Flüchtlingen aus dem
Sudetengau das Hilfswerk der Vertriebenen ins Leben gerufen. Auch
gehörte ich der Wohnungskommission an, denn ich fühlte mich wieder
verpflichtet, den Menschen zu helfen." Auch dazu äusserte er sich in dem Interview mit dem
"Neuen
Blatt": "Das [er zeigt dem Reporter seinen Ausweis, der ihn als
Flüchtlingshelfer ausweist] war dann die nächste Station nach der
Gefangenschaft. Trotz Verbot der Amerikaner organisierte ich damals mit
wenigen Helfern in vielen, vielen Gemeinden Hessens ein Hilfswerk für
Vertriebene. Ich glaube, dass diese notdürftig improvisierten
Hilfeleistungen damals für viele Flüchtlingsfamilien der erste
Lichtblick nach einer harten und erbarmungslosen Zeit war." In seinem Lebenslauf von
1952 beschreibt er, wie es auch in
Westdeutschland wieder zu Heilungen kam: "Nach der Währungsreform, als
sich alles mehr beruhigte und stabilisierte, wandte ich mich wieder
meiner Aufgabe zu, kranke Menschen zu heilen; diesmal in der Absicht,
nicht mehr von meiner Mission zu lassen und alles daranzusetzen, ein
legales Betätigungsfeld für meine Aufgabe zu finden. Ich machte mir
anfangs weniger Kopfzerbrechen über den theoretischen und behördlichen
Teil, der hiermit verknüpft war, und fuhr fort, mich meiner Sache voll
zu widmen." Auch aus dieser Zeit
liegen bereits Erfolgsberichte vor, so z. B.
von Elisabeth Janssen aus Duisburg (Februar 1949): "Bei der Pflege
meiner nervengelähmten Nachbarin lernte
ich Herrn Gröning kennen. Dr. med. Wink machte uns auf
Herrn Gröning aufmerksam. Bei seinem zweiten Besuch bei
meiner Nachbarin am 24.02.1949 klagte ich ihm, dass meine
Tochter in Ruhrort an Grippe erkrankt sei und zeigte ihm
auch mein Enkelchen, das ebenfalls mit der Grippe anfing.
Durch eine kurze Behandlung[1] bei dem Kind wich sofort das
Fieber und der Husten liess am selben Abend noch nach. Von
meiner Tochter hatte ich nur ein Foto bei mir. Herr Gröning
behandelte[1] meine Tochter nach diesem Foto und versicherte
mir, um 20 Uhr würde das Fieber sie verlassen. Als ich am
25.02. zu meiner Tochter kam, war sie vollständig fieberfrei
und zwar seit dem Abend vorher. Wir sind Herrn Gröning sehr dankbar und
hoffen noch öfter auf seine Hilfe." Bei einem
weiteren Bericht aus dieser Zeit ist die Unterschrift
unleserlich: "Ich war Zeuge folgenden Vorganges: Meine Schwester,
Frau Heise, Brackwede, ist seit 17 Jahren krank. Sie leidet an
Basedow’scher Krankheit, woran sie auch schon operiert
wurde. Durch diese Krankheit und vieles Einnehmen ist der
Körper ganz vergiftet und zog mehrere Krankheiten nach
sich. Sie leidet an Nervenentzündungen im Rücken und in
den Beinen, schwerem Herzfehler, Magen-, Leber- und Gallenerkrankung
und dauernden Gehirnschmerzen und Angstgefühl
im Halse. Seit 17 Jahren ist sie in dauernder ärztlicher
Behandlung, bisher aber ohne Erfolg. Nun lernte ich durch
Bekannte Herrn Gröning kennen. Mit ihm fuhr ich zu meiner Schwester. Er
erkannte sofort, ohne vorherige Informierung, die Krankheiten meiner
Schwester und nannte ihr die schmerzenden Körperstellen und übertrug
sogar die Schmerzen auf meinen daneben sitzenden Vater und einen anderen
Zeugen. Am Ende der Behandlung[1] fühlte sich meine Schwester frei von
Schmerzen und konnte sogar ohne Schmerzen die Treppe herauf und herunter
gehen, was ihr vorher sehr beschwerlich war. Es grenzte fast an ein
Wunder, ist für uns unfassbar, wie so etwas möglich sein kann." Ein weiterer
Bericht aus der Zeit, wieder aus Duisburg: "Hatte das grosse Glück, am
30.01.49 Herrn Gröning kennen
zu lernen. Meine Tochter, die durch Kinderlähmung
schon neun Jahre am rechten Bein gelähmt ist, wurde von ihm
behandelt[1]. Bis heute ist meine Tochter sechsmal von Herrn Gröning behandelt[1] worden. Sichtbare Zeichen einer Heilung
sind vorhanden. Es war mir vergönnt, Zeuge verschiedener
schwerer Fälle zu sein. Einen besonderen Fall möchte ich herausgreifen.
Ein junger Mann, der von Herrn Gröning in meiner
Wohnung behandelt[1] wurde, zeigte ihm das Bild seines
Schwiegervaters, der an offener TB leidet. Von meiner Wohnung
aus behandelte[1] Herr Gröning anhand des Bildes den
TB-Kranken. Er sagte dem jungen Mann, er möchte seinem
Vater sagen, dass er seinen Körper beobachten solle. Nachdem
der junge Mann meine Wohnung verlassen hatte, sagte
Herr Gröning mir, was mit dem Kranken geschehen würde.
Am anderen Morgen nach 12 Stunden kam der junge Mann
zu mir und sagte alles genau so, wie Herr Gröning es mir am Abend vorher
gesagt hatte. Bin gerne bereit, jeden von mir mit beigewohnten Fall zu
schildern. Alles dies niedergeschrieben: erkläre ich an Eides statt,
gez. Winkels." Bei solchen Geschehnissen
war es nur eine Frage der Zeit, bis die
Öffentlichkeit auf ein Phänomen wie Bruno Gröning aufmerksam wurde. Im
März 1949 war es dann so weit.
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"Wer das hohe Glück hatte, seine Gesundheit durch
mich wiederzuerlangen, der danke GOTT jederzeit aus tiefstem Herzen,
ich bin nur Sein Werkzeug und Diener." |
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[1] siehe zu den Begriffen Behandlung, Patient etc. das
Kapitel "Patienten, Behandlung, Experiment", II. Teil,
Kapitel 7 |