Pressespiegel, Deutschland:
"Flur und Furche" vom Mai 2008

Flur und Furche,Ausgabe Mai 2008. Kommunikation mit Tieren und Pflanzen

"Kommunikation mit Tieren und Pflanzen"

Es klingt nach einer ungewöhnlichen Idee, die aber viel Positives bewirken kann.



Legen Sie für ihre Tiere und Pflanzen ein gutes Wort ein, und sie kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Pferdeflüsterer hat es zu Weltruhm gebracht; letztes Jahr wirbelte der Bullenflüsterer durch den Blätterwald. Dabei sind die Fähigkeiten eines Monty Roberts oder eines Carl Brandenburger von jedem erlernbar; zumindest stehen Sie auf dem Lehrplan des Plantahofs im schweizerischen Landquart, an dem der Tierzuchtexperte beschäftigt ist.
Doch gute Kommunikation beschränkt sich nicht nur auf das Einfangen von Jungtieren. Wer weiss, wie die Tiere wirklich ticken, baut andere Ställe, nimmt den Tieren ihre Angst. Niemand vermag das besser nachzuvollziehen als Dr. Grandin Temple, die in den USA bereits zahlreiche Rindermastställe umgerüstet hat und Grossabnehmer wie McDonalds berät. Als Autistin geboren, konnte sie in ihrer Kindheit körperliche Nähe kaum ertragen, sich aber umso besser in die Gefühlswelt der Tiere hineindenken. Sie denkt wie diese in Bildern und nicht in abstrakten Begriffen. Später studierte sie experimentelle Psychologie, promovierte an der Fakultät für Tierwissenschaften der Universität von Illinois und gab auf diese Weise ihren ungewöhnlichen Empfindungen eine wissenschaftliche Grundlage.
Um dem Bewegungsverhalten der Rinder entgegenzukommen und den Transportstress zu lindern, baut sie in den grossen Feedlots Treibgänge mit vielen Kurven. Für alle Nutztierarten hat sie hat eine Reihe von effektiven Betäubungsverfahren entwickelt. Auf Bitte von Fleischverarbeitern überprüft sie die Schlachtpraxis in vielen Ländern der Welt; deren Ziel ist die Verbesserung der Fleischqualität, um auf diese Weise den Absatz zu fördern.
Damit auch normal fühlende Menschen die Tiere besser verstehen, sollten sie Vermenschlichungen und alle Verhaltensweisen vermeiden, die nicht dem typischen Verhaltensmuster der Tierart entsprechen. "Mit ein wenig Erfahrung kann man die Informationen, die die Tiere untereinander austauschen, verstehen und gegebenenfalls sogar darauf antworten", sagt Rachel Graves aus Ewing (US-Bundesstaat Missouri). Die 19jährige Landwirtstochter und Studentin der Agrarwissenschaften ist eine leidenschaftliche Tiervorführerin und Preisrichterin. Besonders haben es ihr die Piemonteser-Rinder angetan, von denen sie mittlerweile eine eigene Herde besitzt. Um alles über die Rasse zu erfahren, hat sie sechs Monate bei einem italienischen Züchter verbracht.
Bei einer Herde von hundert Kühen ist die direkte Kommunikation noch vorstellbar, aber wie sieht es mit tausend Mastschweinen aus? Werden da nicht die Tiere zu Sachen? Dr. Susanne Sielemann kennt die Situation aus langjähriger Praxis und stösst auf offene Ohren, wenn sie vor Landwirten über ihr Fachgebiet "Sensitive Radionik" spricht. Sie nennt ihren zweiteiligen Kurs auch "Hilfe zur Selbsthilfe im Tierbestand". Die Tierärztin aus Hannover hat das von ihrer Berufskollegin Dr. Rosina Sonnenschmidt ersonnene alternative Diagnoseverfahren weiterentwickelt. Mit der sensitiven Radionik lässt sich auf indirekte Weise der Energiezustand der Tiere ermitteln; dazu braucht der Tierhalter keine Laborgeräte. "Ich kam einmal zu einem Landwirt, dessen Jungsauen zwei Wochen zuvor bei einem Transport verunglückt waren", so Dr. Sielemann: "Das Fahrzeug war in einen Graben gekippt, was die Tiere in Panik versetzte. Ich konnte deutlich beobachten, wie deren Lebenskraft gesunken war."
In ihren Seminaren vermittelt sie den Schweineerzeugern, wie diese zu einer besseren Kommunikation mit ihren Tieren kommen können. "Ich bitte die Landwirte, die Tiere als Mitgeschöpfe zu erleben und mit anderen Gedanken in den Stall zu gehen." Viele ihrer Seminarteilnehmer berichten, dass ihnen die Arbeit anschliessend wesentlich leichter von der Hand geht, beispielsweise bei der Verladung der Tiere. Und die Leistungen steigen um durchschnittlich ein Ferkel mehr pro Sau und Jahr. Mit dem neuen Rüstzeug werden die Betriebsleiter in der Lage versetzt, den Energiezustand zugekaufter Tiere zu ermitteln. Die Tierärztin streicht heraus, dass sie diesen Weg nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zur veterinärmedizinischen Praxis ansieht.
Noch tiefer in diese Denk- und Handlungsweise führt der Weg über die Lehre Bruno Grönings. Der 1906 in Danzig geborene und 1959 in Paris verstorbene Zimmermann zeichnete sich durch aussergewöhnliche Fähigkeiten aus. In seiner Anwesenheit erlebten viele Menschen die spontane Heilung von nicht behandelbaren Krankheiten. Zu seinen Lebzeiten erklärte er den Interessierten, dass sie auch selbst diese Heilkraft, über die er in hohem Masse verfügte, aufnehmen und weitergeben können. 20 Jahre nach seinem Tod gründete Grete Häusler, die ihn fast zehn Jahre bei seinen vielen Vorträgen begleitete, einen Freundeskreis, in dem weltweit die Grundlagen über diese Heilweise vermittelt werden. Seit 1992 besteht eine medizinisch-wissenschaftliche Fachgruppe (MWF), in der Ärzte die Heilungen nach klar definierten Kriterien dokumentieren und veröffentlichen. In dem von einem Hamburger Arzt geleiteten Archiv sind über 4.000 Heilberichte erfasst. Meistens handelt es sich um Menschen, die schulmedizinisch als austherapiert galten.
Im Bruno Gröning-Freundeskreis sind auch Landwirte aus mehreren europäischen Ländern zusammengeschlossen. Egbert Wagner aus Altenkirchen musste 1986 aufgrund einer Erkrankung an Morbus Bechterew die Landwirtschaft aufgeben. Jegliche Therapien dieser rheumatischen Erkrankung schlugen fehl. 1988 liess er sich in die Lehre Bruno Grönings einführen; durch das Einstellen auf die Heilkraft verschwanden innerhalb von vier Jahren sämtliche Symptome. Die Laborwerte wiesen ebenfalls keine Abweichungen mehr auf, was seitdem so geblieben ist. Das heisst der heute 47jährige Nebenerwerbslandwirt ist beruflich wieder voll belastbar.
Viele Betriebsleiter wenden das Erlernte auf ihre Tiere und Pflanzen an. Die dabei erzielten Heilungen werden – falls möglich – von Tierärzten fachlich dokumentiert und ebenfalls in dem MWF-Archiv geführt.
Als sich das Reitpferd von Johann Breitenbrunner knapp oberhalb der rechten vorderen Hufe verletzte, konnte der Tierarzt die tiefe Schnittwunde nicht nähen. Dennoch kam es zu einer raschen Abheilung der schweren Verletzung, nachdem sich der Landwirt und seine Frau für das Tier einstellten.
Und was passiert mit den Pflanzen? Sie verfügen über keine Sinnesorgane, und doch sind ihre Reaktionen vielfältiger als wir vermuten. Giancarlo Cignozzi und Jean-Marie Zerr haben keine Erklärung für den Erfolg, den sie Jahr für Jahr in ihren Wingerten mit dem Vorspielen klassischer Musik beobachten. "Die Pflanzen sind wirklich gesünder", betont der Winzer aus Montalcino in der Toscana. Die Installationskosten für die Tonanlage in Höhe von 20.000 € lohnen sich allein durch den verringerten Pflanzenschutzaufwand.
Der Winzer aus dem elsässischen Dangolsheim beschallt seinen Weinberg mit den sogenannten "Protéodies" (zusammengesetzt aus den französischen Begriffen für Eiweiss und Melodien). Dabei handelt es sich um ein patentiertes Verfahren, das von dem Physiker Joël Sternheimer entwickelt wurde. Jeder Aminosäure kann eine bestimmte Tonhöhe zugewiesen werden, die wiederum einer Note entspricht. Somit ist es möglich, eine Partitur für jedes Protein zu erstellen. "Eine Protéodie stimuliert die Synthese des entsprechenden Moleküls um das Zwanzigfache", versichert der Physiker: "In der Praxis müssen zunächst jene Proteine identifiziert werden, die für das jeweilige Problem relevant sind. Die Komposition der passenden Melodie ist dann ein Kinderspiel. Um beispielsweise den Grauschimmel abzuwehren, muss die Produktion von Resveratrol und Flavonoiden stimuliert werden; das sind zwei Abwehrmoleküle gegen den Schimmelpilz."
Pflanzen reagieren nicht nur auf Musik sondern auch auf Berührung. Diese Fähigkeit machen sich Christa Sommerer und Laurent Mignonneau von ATR im japanischen Kyoto zu Nutze. Die beiden Wissenschaftler haben ein Verfahren entwickelt, das die Reaktionen von Pflanzen auf Berührung misst. Die Ergebnisse werden in ein Programm eingespeist, mit dem das Wachstum virtueller Pflanzen auf einem Grossbildschirm gesteuert wird. Das wirkt derart echt, dass der Betrachter für einen Augenblick seine eigene Wirklichkeit vergisst. Schöne neue Welt? Warum nicht, wenn etwas Sinnvolles und Gutes dabei herauskommt!

Stéphane Brélivet

Bildunterschriften

Für Rachel Graves ist der Umgang mit den Rindern kein Problem, weil sie weiss, wie die Tiere ticken.

Pflanzen reagieren stark auf Berührung. In diesem interaktiven Kunstwerk dient eine echte Pflanze als Joystick.

Heilung durch Kommunikation: Für die schnelle Heilung seines Reitpferdes Toppas hat sich Johann Breitenbrunner eingestellt – mit Erfolg.

Die Musik aus Lautsprechern stimuliert die Chlorophyll-Produktion der Pflanzen und steigert auf diese Weise den Ertrag.