




Scheinbar aus dem Nichts tauchte wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland ein eher kleiner, unscheinbarer Mann auf und erreichte als Wunderheiler eine zwiespältige Berühmtheit. Von den einen verehrt, von den anderen angefeindet, musste Bruno Gröning ein Wanderleben führen. Im Jahr 1959 starb er in Frankreich - an den Folgen einer Krebsoperation, wie es offiziell heißt.
Wie ist es möglich, dass ein Unbekannter durch eine einzige Heilung so bekannt wird, dass schließlich Zehntausende Menschen nicht nur aus Deutschland, sondern aus aller Welt zu ihm pilgern, selbst an Orte, wohin er sich zurückgezogen hatte? Wie kann es sein, dass seine Tätigkeit Bruno Gröning nicht nur Freunde, sondern auch viele Feinde machte? Und: Wer ist dieses Phänomen Bruno Gröning?
Um zumindest die ersten beiden dieser Fragen beantworten zu können, ist Bruno Gröning im zeitgeschichtlichen und gesellschaftlichen Kontext zu betrachten. Deutschland samt Infrastruktur lag nach dem Zweiten Weltkrieg größtenteils in Trümmern, der Krieg war verloren, das Land in verschiedene Besatzungszonen der Alliierten unterteilt. Wissenschaftler, Mediziner und Ärzte waren, wenn sie nicht vorher hatten emigrieren können oder müssen, in den Krieg eingezogen worden; es gab daher nicht mehr viele Ärzte. Den Krankenhäusern fehlte es am Nötigsten. Die Bevölkerung war medizinisch unterversorgt. Und nicht allein das: „die seelische Not der Menschen hatte überwältigende Ausmaße“, wie ein Zeitzeuge sich erinnert. Wer, außer einigen Zeitzeugen, weiß von diesem Mann und seinem Wirken? Es scheint, dass die Maßnahmen erfolgreich waren, die seinerzeit ergriffen wurden, ihn totzuschweigen. Fünfzig Jahre nach seinem Tod scheint in der breiten Öffentlichkeit niemand mehr von Bruno Gröning zu wissen.
Ein lauter Mensch schien Bruno Gröning nicht gewesen zu sein, eher einer, der ungern im Rampenlicht stand. Er stammte aus einfachen Verhältnissen; geboren wurde er am 30. Mai 1906 in Danzig, im damaligen Westpreußen. Er soll schon früh „anders“ gewesen sein als andere Kinder, heißt es. Kranke Menschen wurden in seiner Gegenwart frei von ihren Beschwerden. Das führte dazu, dass sie seine Nähe suchten, was ihn von seinen Eltern und den sechs Geschwistern entfremdete. Frieden fand Bruno Gröning schon früh im nahe gelegenen Wald: „Hier erlebte ich Gott“, erinnerte er sich, „in jedem Baum, in jedem Tier, ja selbst in den Steinen.“ Die Zeit schien ihm damals nicht zu existieren, denn er konnte überall im Wald „stundenlang sinnen, und immer war es mir, als weitete sich mein ganzes inneres Leben bis in die Unendlichkeit hinein.“ Für seine Angehörigen war der Junge jedoch ein „Spinner“, sobald er davon erzählte.
Eine abgeschlossene Ausbildung hatte Bruno Gröning nicht, denn die Firma, bei der er eine Ausbildung zum Zimmermann gemacht hatte, wurde ein Opfer der dramatischen Wirtschaftslage in der Weimarer Republik und ging pleite. Bis zum Zweiten Weltkrieg schlug Bruno Gröning sich mit diversen Arbeiten durch, wobei er Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten und deren Lebensweise kennenlernen konnte. Schon damals zeigte sich seine besondere Begabung als Heiler. Vier Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde der 37-jährige Bruno Gröning einberufen und geriet sogleich in Konflikt mit der Obrigkeit - denn er erklärte, dass er auf keinen Menschen schießen werde. Im Krieg kam er in russische Gefangenschaft, aus der er im Dezember 1945 als einer der ersten entlassen wurde. Bald holte Bruno Gröning seine Frau zu sich, die er 1927 geheiratet hatte. Doch sie wollte nichts von seiner Heilertätigkeit wissen, nicht einmal für die beiden Söhne, die beide im Alter von neun Jahren starben; sie vertraute ausschließlich der damaligen Schulmedizin. So scheiterte diese Ehe und wurde geschieden.
In den ersten Jahren nach seiner Heimkehr engagierte Bruno Gröning sich für die Heimatvertriebenen, er gründete mit anderen Flüchtlingen das „Hilfswerk der Vertriebenen“, um die Not der Heimatlosen zu lindern. Eines seiner Worte lautet: „Nur mit guten Taten kann der Mensch beweisen, dass er mit Gott lebt.“ Einige Jahre später, Ende März 1949, geriet Bruno Gröning plötzlich in die Wahrnehmung der Öffentlichkeit. In Herford, einer westfälischen Kleinstadt, sagte man ihm die Heilung eines an progressiver Muskeldystrophie leidenden Jungen nach. Der Vater des Jungen, Ingenieur Hülsmann, schrieb damals, dass Hilfe oder begleitende Behandlung auf Heilung ihm weder von einer Kinderklinik noch von „weiteren zehn befragten Professoren und Ärzten in Aussicht gestellt“ werden konnte. Eine Freundin der Familie, deren seit Jahren im Rollstuhl sitzende Schwester durch Bruno Gröning geheilt worden war, stellte den Kontakt zu dem „Wundermann“ her. Der Junge soll nach der Heilung durch das Haus und über die Treppen gerannt sein.
Ingenieur Hülsmann ging zur Presse, und so verbreitete sich die Kunde von der Heilung des Jungen in Windeseile. Tausende Menschen strömten nun nach Herford und versammelten sich vor dem Haus der Familie Hülsmann, in dem Bruno Gröning wohnte. Der dankbare Vater des Jungen hatte die Absicht, Gröning dabei zu unterstützen, möglichst vielen Menschen zu helfen. Bruno Gröning erinnerte sich: „Ich hatte nie die Absicht gehabt, dort sesshaft zu werden, Herr Hülsmann bat mich dringend, dort zu bleiben, als ich sagte, ich wollte zu anderen Kranken weiterfahren.“ In Herford zeichnete sich schon ab, was später Bruno Gröning begleiten sollte: neben aller Begeisterung auch Widerstand. Es bildete, wie in einem Hologramm, seinen weiteren Weg ab und die Schwierigkeiten, die ihm von Ärztekammern, Behörden und Gerichten noch bereitet werden sollten.
Bruno Gröning suchte in Herford schon das Gespräch mit den Behörden, da er mit den Ärzten zusammenarbeiten wollte. Er sagte: „Ich wollte alle Unannehmlichkeiten von vornherein vermeiden. Die Behörden lehnten jedoch ab, im Gegenteil, mir wurde ein schriftlich ausgefertigtes Heilverbot ausgehändigt.“ Ein Heilverbot für das ganze Land Nordrhein-Westfalen. Doch man hatte die Rechnung ohne die Heilungssuchenden gemacht, sie veranstalteten während der Abwesenheit des Heilers eine Demonstration und stürmten das Herforder Rathaus. „Der Bürgermeister sah sich dadurch gezwungen, mich rufen zu lassen und mir mindestens weitere fünf Tage für Heilungen freizustellen“, so Bruno Gröning. Da er im Norden Deutschlands war, reiste Bruno Gröning auch nach Hamburg, Schleswig und an andere Orte, die er nicht näher benannte, „zu Ärzten, von denen ich eingeladen wurde, um gelegentlich dieser meiner Besuche Kranken zu helfen. In Hamburg kam es so weit, dass ich vom dortigen Oberbürgermeister ein Redeverbot deshalb erhielt, weil die Hamburger alles vorbereitet hatten, um mir zu ermöglichen, vor Tausenden von Hilfesuchenden zu sprechen.“
Ein Zeitzeuge aus Herford schildert die Zustände: „Arme Menschen, ob sie nun in Luxuswagen sitzen oder sich mühsam auf ihren Krücken fortbewegen. Hoffnungslose und Hoffende, Müde und Verzweifelte, hundert- und tausendfältig ist nur der eine Wunsch: Heilung zu finden! Sie fragen ja alle nicht danach, ob das, was hier geschieht, den Genehmigungsvermerk einer Dienststelle, einer Behörde oder eines Ministeriums trägt, ob die Wissenschaft dafür oder dagegen ist, ob der, der sie heilen soll, ein Messias oder ein Schriftgelehrter ist, sie wollen geheilt werden... Zwischen diesem menschlichen Elend und dem entstandenen Streit um Bruno Gröning klafft ein Abgrund menschlicher Unzulänglichkeit.“ Über die Kritiker Bruno Grönings sagt er, diese „glauben, etwas dazu sagen zu müssen, das Recht und das Gesetz zu vertreten, die öffentliche Ordnung und die Sicherheit zu beschützen. Angesichts dieses Elends (...) sollten sie aber alle schweigen und sehen und sich stumm abwenden. Wenn ein Mensch, der 20 Jahre lang gelähmt im Stuhle lag, ein lebendiger Leichnam, sich plötzlich erhebt und unsicheren Schrittes seines Weges geht, dann ist etwas Unerhörtes geschehen, das jenseits des Alltäglichen liegt.“
Der damalige evangelische Superintendent von Herford, Pastor Dr. Hermann Kunst, unterzog Bruno Gröning einer Prüfung, um herauszufinden, wes Geistes Kind dieser war: „Glauben sie, dass Jesus Christus Sohn Gottes ist?“ Die Antwort darauf erfreute den Geistlichen, denn der Heiler bejahte. Andere Wundertätige, denen Kunst dieselbe Frage gestellt hatte, waren verlegen geworden - für den Pastor Anlass genug, an deren göttlicher Legitimation zu zweifeln. Nicht so bei Bruno Gröning; Kunst war überzeugt, dass diesem besondere Gaben Gottes zu eigen waren. Bruno Gröning blieb bis zum 18. Juni 1949 in Herford, ehe er nach Bayern weiterzog zum „Traberhof“, in die Nähe Rosenheims, auch dies organisiert von Ingenieur Hülsmann.
Bruno Gröning nahm für seine Heilungen kein Geld. Dafür wollten andere an ihm verdienen: Ärzte, die einen Deal mit ihm aushandeln wollten, wie Prof. Dr. Fischer in Heidelberg oder selbsternannte „Manager“, wie Otto Meckelburg, der ihn vom Traberhof in Bayern quer durchs Land bis an die nordfriesische Küste brachte. Sobald Bruno Gröning sich aber diesem entzog bzw. Meckelburg seine Mitarbeit aufkündigte (als er erfuhr, dass dieser Geld von den Hilfesuchenden nahm), fielen die ihn an, die zuvor von ihm profitieren wollten. Der begehrte Heiler wurde zum Scharlatan erklärt.
Aufgrund der Intervention der Zeitschrift Revue, die eine wissenschaftliche Klärung der Heilungen anstrebte, kam durch Prof. Dr. Fischer der Kontakt zwischen Bruno Gröning und der Heidelberger Ludolf- Krehl-Klinik zustande. Bruno Gröning war erfreut, schien es doch so, als könne er nun frei und ärztlich anerkannt arbeiten. Ärzte aus Herford hatten kein Interesse an ihm gezeigt, es sogar abgelehnt, ihre als austherapiert geltenden Fälle an ihn weiterzuleiten. Das Heidelberger Angebot seriöser wissenschaftlicher Überprüfung seiner Heilungen schien fast zu schön, um wahr zu sein, zumal ihm ein Gutachten ausgestellt werden sollte. Einer der ärztlich dokumentierten Fälle wurde in der Revue geschildert: der „Fall Strobel“, ein Fabrikarbeiter, der 1944 einen schweren Unfall erlitten hatte und seitdem so aussah, als sei ihm das Genick gebrochen. Das war nicht der Fall, doch im Sommer 1945 „treten Beschwerden bei Halsbewegungen auf, dann Leistenschmerzen, schließlich Gehstörungen. Völlige Versteifung der Wirbelsäule,“ so die Revue, „Bruno Gröning unterhält sich nur mit dem Kranken, fragt ihn, was er spürt, und fordert ihn auf, seinen Körper zu beobachten. Und dabei verschwindet innerhalb von Minuten ein Leiden, das bisher von ärztlicher Seite erfolglos behandelt wurde und noch heute als unheilbar gilt.“ Die ärztliche Nachuntersuchung ergab völlige Beschwerdefreiheit des Patienten, bei dem zuvor Morbus Bechterew diagnostiziert worden war.
Berührt hatte Bruno Gröning den Mann nicht, sondern nur mit ihm geredet. Überhaupt schien dies seine Art zu sein: er sprach zu den Menschen, doch er behandelte sie nicht. Er stellte keine Diagnosen. Zudem gab es Fälle, die selbst Bruno Gröning nicht heilen konnte. Später sollte man versuchen, ihm einen Strick daraus zu drehen. Die Beobachtung der Heidelberger Kranken, von der Schulmedizin erfolglos behandelt und von Bruno Gröning geheilt, führte die Revue zu folgendem Fazit: „Bruno Gröning ist kein Scharlatan“, sondern „ein begabter, nichtärztlicher Psychotherapeut.“
Eine neue Methode der Psychotherapie schien in Heidelberg gefunden worden zu sein, so dass Prof. Dr. Fischer zu dem Entschluss kam, man solle „im Interesse der Wissenschaft und der Kranken Grönings Methode exakt erforschen und anderen Psychotherapeuten zugänglich machen.“ Gänzlich ignoriert wurden hier die Bemühungen Bruno Grönings, den Menschen zu erklären, dass nicht erlernbar sei, wie er heile, sondern dass dies eine Gabe Gottes sei. Prof. Dr. Fischer stellte sich die Zusammenarbeit mit Bruno Gröning so vor, dass dieser ihm ein „Gehalt von monatlich über DM 3000,-“ zahle. Außerdem sollte er ein Drittel aller Betten an Fischer abtreten, damit der Professor „30% aller Geheilten als von ihm geheilt“ propagieren könne, sie „auf seinen Namen und auf die Wirkung der Psychotherapie“ zu verbuchen, wie Bruno Gröning sich erinnert. Er lehnte ab. Prompt deklarierte der Mediziner in der Revue vom 9. August 1949 Grönings Heilungen als auf Suggestion beruhend; und solche könne jeder Arzt oder Psychotherapeut bewirken.
Bruno Gröning blieb bis zum 18. Juni 1949 in Herford, ehe er nach Bayern weiterzog zum „Traberhof“, in die Nähe Rosenheims, auch dies organisiert von Ingenieur Hülsmann. Im Traberhof geschah das Gleiche wie in Herford, nur um einige Dimensionen größer: Die Menschen kamen aus vielen Teilen der Welt, sogar aus Amerika. Der einsetzende Presserummel sorgte für einen Ansturm von Hilfesuchenden: an manchen Tagen waren bis zu 30.000 Menschen auf dem Gelände des Trabergestüts. Ein Dokumentarfilm wurde gedreht und später in vielen Kinos bundesweit ausgestrahlt. Doch auch hier wurde von Seiten seiner Gegner gegen die Aufführungen solange protestiert, bis dieser Film durch den Verleiher abgesetzt wurde. Indes war es so, dass, selbst wer als Skeptiker zum Traberhof kam, feststellen konnte, dass er geheilt wurde oder jemand neben ihm; viele Menschen hinterließen stichwortartige, eidesstattliche Erklärungen, in denen vermerkt war, woran sie gelitten hatten und dass dieses Leiden nun verschwunden war.
Bruno Gröning tat nichts, als zu den Menschen sprechen. Er stand auf dem Balkon des Traberhofs und redete zu der unübersehbar großen Menge, die sich unten drängte und auf ihn hoffte. „Jeder Mensch muss erst zu einem Menschen werden“, sagte er. „Wenn er den Glauben an unseren Herrgott verloren hat, muss er ihn erst wieder gewinnen und mit ihm leben.“ „Ohne unseren Herrgott gibt es kein Glück und keinen Segen!“ Er wünschte „geordnete Verhältnisse“, um in Ruhe arbeiten zu können. Er müsse helfen, er könne nicht mehr leben, ohne einem Menschen zu helfen.
Es kam sogar zu Fernheilungen bei Menschen, die keine Ahnung hatten, dass es Bruno Gröning gab - einer ihrer Angehörigen war auf dem Traberhof und bat für diesen Menschen um Heilung. Die meisten Ärzte lehnten Bruno Gröning ab und bezeichneten die Phänomene um ihn als „Massenpsychose.“ Es gab aber auch einzelne Ärzte, die ihm positiv gegenüberstanden und ihre Patienten zu Bruno Gröning schickten. Ein angehender Priester aus Italien, selbst krank und um Hilfe nach Bayern gekommen, erkannte in ihm gar „einen Mann Gottes“ und sagte auf dem Traberhof zu der Menge, es sei gut, dass die „Mediziner eine Voruntersuchung und eine Nachuntersuchung machen“, letztlich beweise dies, dass Bruno Grönings Kräfte von Gott seien.
Eine objektive Berichterstattung um Bruno Gröning schien es nicht zu geben. Wer nicht für ihn war, war gegen ihn. Seine Gegner bekamen Aufwind durch Skandale, die von Menschen verursacht wurden, die hofften, an ihm verdienen zu können. Otto Meckelburg war so jemand. Er bezeichnete sich als „Manager“ Bruno Grönings, gab den Kranken Heilungsversprechen und nahm Geld von ihnen. Als Gröning die Zusammenarbeit mit ihm aufkündigte, brachte dieser ihn vor Gericht. Es ging um den Fall eines an TBC erkrankten und gestorbenen Mädchens, dem Bruno Gröning angeblich ein Heilungsversprechen gegeben haben sollte, zugleich mit dem Verbot, zum Arzt zu gehen und Medikamente einzunehmen. Dies jedoch stand der Praxis Bruno Grönings diametral entgegen. Schließlich sprach das Gericht ihn vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung frei, erlegte ihm jedoch wegen des Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz eine hohe Geldstrafe auf.
Das war eins von mehreren Gerichtsverfahren gegen Bruno Gröning. Als er daraufhin Heilpraktiker werden wollte, damit er arbeiten könne, urteilte man, ihm fehle „infolge Schwäche seiner geistig-seelischen Kräfte die für die Berufsausübung erforderliche Eignung“ und er stelle somit eine „Gefahr für die Volksgesundheit dar.“ Die Behörden versuchten mit allen Mitteln, ihn kaltzustellen; als es über das Heilpraktikergesetz nicht ging, suchte man andere Wege. Einen Intelligenztest musste Bruno Gröning ablegen, damit seine geistige Zurechnungsfähigkeit herausgefunden werden könne. Der Test verlief positiv für ihn. Bruno Gröning schrieb seinerzeit: „Wer gibt wem das Recht, mir zu verbieten, kranke Menschen, die tatsächlich von ärztlicher Seite (...) aufgegeben sind, zu heilen?... Ich klage diejenigen an, im Namen aller Kranken, die es verbieten, Kranke zu heilen.“ Er fragte, ob der Mensch für den Staat da sei oder der Staat für den Menschen. Er wandte sich sogar an den Bundeskanzler Adenauer - ohne eine Antwort zu bekommen.
Die Anfeindungen und immer wiederkehrenden Gerichtsprozesse, das Verbot, zu heilen, das alles hinterließ Spuren bei Bruno Gröning. Sein Gesundheitszu stand verschlechterte sich zusehends, so dass seine zweite Frau, eine Französin, ihn im Herbst 1958 drängte, nach Paris zu fahren, zu einem befreundeten Arzt und Krebsforscher. Dieser diagnostizierte Magenkrebs.
Bruno Grönings Wirken basierte auf einer einfachen Glaubenslehre, mittels derer er zu erklären versuchte, warum Menschen krank werden und wieder die Gesundheit erlangen können: „Wir alle leben in einer bestimmten Weltordnung. Ihr oberstes Gesetz ist Gott. Wenn wir diese Ordnung, verlassen, verlieren wir unsere Grundlage. Unsere Gesundheit leidet, wir werden krank. Nur wenn wir wieder in uns Ordnung schaffen, kann die Gesundheit zurückkehren.“ Seiner Überzeugung nach hatten somit die Menschen vergessen, dass sie ein Geschöpf Gottes sind. Sobald sie jedoch zu Gott strebten, nach der Gemeinschaft mit Gott verlangten und in dieser lebten, würden sie gesund. Ganz und gar.
Bruno Grönings eigene Erkrankung, unheilbarer Magenkrebs, wurde nicht geheilt. Er starb am 26. Januar 1959 in Paris. Der ihn operierende Arzt sagte später, Bruno Grönings Erkrankung könne als „totale innere Verbrennungen“ bezeichnet werden.
Wie ist aber die eigene, von ihm nicht heilbare Erkrankung Bruno Grönings zu erklären? Er selbst hat es versucht. Unübersehbar war ein riesiger Kropf an seinem Hals. Dieser sei eine Drüse, erklärte Bruno Gröning, die jedesmal anschwelle, wenn er die göttliche Heilkraft weitergebe. Krank sei er geworden, weil man ihn daran hinderte, die Kraft zu spenden, sie habe sich in ihm gestaut und sich schließlich gegen ihn gewandt.
Auch heute ist Bruno Gröning eine kontrovers diskutierte Person der Zeitgeschichte. Die von ihm Geheilten werden nach wie vor an einen Segen glauben, die anderen ihn für einen „Scharlatan“ halten. Bedenkt man aber die Worte Jesu, seinerzeit selbst als „Wunderheiler“ angefeindet: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“, wird die Frage nach der einen, allgemeingültigen Wahrheit über Bruno Gröning unerheblich. Und letztlich lässt sich auch nicht herausfinden, ob es „Heilströme“ waren, die von Bruno Gröning ausgingen und die Menschen beeinflussten oder ob er die Gabe besaß, die Menschen an die Quelle ihrer eigenen, innersten Kraft zu führen, so dass sie imstande waren, sich selbst zu heilen.
Der Bruno Gröning-Freundeskreis wurde 1979 gegründet von Grete Häusler (1922-2007). Sie erlebte an sich selbst drei Heilungen und wurde eine enge Mitarbeiterin Bruno Grönings. Der Freundeskreis hat sich zur Aufgabe gemacht, das Erbe Bruno Grönings für die Nachwelt zu erhalten und den Menschen die Möglichkeit von Hilfe und Heilung zu bieten. Zunächst war es nur eine Handvoll Gleichgesinnter um Grete Häusler, doch seit seinem Wachstum Ende der 1980er Jahre ist der Bruno Gröning-Freundeskreis eine der größten weltweit tätigen Vereinigungen zur geistigen Heilung und wird von Dieter Häusler, dem Sohn Grete Häuslers, geleitet. Fast überall auf der Welt gibt es örtliche Gemeinschaften, deren Freunde sich alle drei Wochen zu „Gemeinschaftsstunden“ treffen. Für Ärzte, Heilpraktiker und andere Heilberufe gibt es die Medizinisch- Wissenschaftliche Fachgruppe (MWF) sowie Ärztegemeinschaften. Alle Helfer arbeiten ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Der überkonfessionelle und an keine Religion gebundene Freundeskreis finanziert sich ausschließlich auf der Basis freiwilliger Spenden. Bindungen finanzieller oder rechtlicher Art bestehen nicht. Auch heutzutage geschehen noch Hilfen und Heilungen auf dem geistigen Weg durch die Lehre Bruno Grönings. Mehrere Tausend dieser Heilungen wurden mittlerweile in einem umfangreichen Archiv gesammelt und von Ärzten analysiert und dokumentiert. Heilungsberichte und Interviews mit Geheilten sind jederzeit möglich, Ärzte stehen für Rückfragen zur Verfügung.
Weitere Infos:
Dieter Häusler
93107 Thalmassing, Haidauer Strasse 6
Tel.: (09453) 998626
E-Mail: info@bruno-groening.org
www.bruno-groening.org
Randbemerkungen:
Fotos: Bruno Gröning-Freundeskreis
Wir danken Herrn Block, dem Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Bruno Gröning-Freundeskreis, für die freundliche Unterstützung bei der Erstellung des Artikels.
Zur Autorin: May Winter praktiziert Reiki seit 1996; sie ist Diplom-Theologin und Journalistin. Kontakt: May.Winter@web.de
In diesem Jahr jährt sich das öffentliche Wirken Bruno Grönings zum 60. Mal (1949- 2009). Zudem jährt sich 2009 sein Sterbetag zum 50. Mal (1959-2009) sowie der Tag der Gründung des Bruno Gröning- Freundeskreises zum 30. Mal (1979-2009).
Bildunterschriften
Bruno Gröning in Herford, auf dem Balkon des Hauses der Familie Hülsmann.
Ein Briefträger bringt große Mengen an Briefen für Bruno Gröning.
Der Traberhof bei Rosenheim, 1949 - täglich kamen bis zu 30.000 Menschen.
Bruno Gröning