"Heilender Kraftstrom"Bei einem kleinen Jungen aus dem hessischen Ort Hedemünden ist ein lebensgefährliches Darmleiden verschwunden, das Ärzte für "unheilbar" erklärt hatten. Die Genesung setzte schlagartig ein, nachdem eine Heilgruppe ihm "Kraftstrom" aus der Ferne zugeleitet hatte. Als Christel Schreiber im September 1983 ihren Sohn Raimund zur Welt brachte, schien er kerngesund. "Fünf Monate lang ging es sehr gut, solange ich ihn stillen konnte", erinnert sich die Mutter. "Aber danach fing es an: Die Augenlider waren voll Wasser, er hatte zuviel Stuhl, der weiss und übelriechend war." In einem Krankenhaus in Kassel stellten Ärzte im März 1984 eine angeborene Missbildung des Lymphgefässsystems im Darm fest. Ihre Diagnose lautete auf intestinale Lymphangiektasie: ein Krankheitsbild, bei dem es zu einem ausgeprägten Eiweissverlust durch den Darm kommt. Im Blut verringern sich Immunglobuline, wichtige Eiweissstoffe, die bei der Infektabwehr mitspielen. Wasser lagert sich im Gewebe ein (Ödeme). In welch bedrohlichem Zustand der Junge war, machte eine Laboranalyse am Pathologischen Institut der Universität Göttingen deutlich: Das Gesamteiweiss lag mit 2,6 g/dl (Gramm pro Deziliter) weit unter dem Normalwert von 5,6 bis 7,4 g/dl; das Immunglobulin G (lgG) war auf 34,1 mg/dl (Milligramm pro Deziliter) abgesunken - normal sind 190 bis 860 mg/dl. Im sogenannten Chrom-Albumin-Test verlor Raimund innerhalb von vier Tagen 52 Prozent des Eiweisses Albumin, das ihm zuvor intravenös verabreicht worden war; der Normalwert liegt unter einem Prozent. "Mit einer Gesundung ist nicht zu rechnen", wurde der verzweifelten Mutter von einem Professor der Göttinger Universitätsklinik eröffnet. "Um überhaupt lebensfähig zu sein, wird Raimund bis ans Ende seines Lebens eine strenge Diät einhalten müssen." Doch Christel Schreiber konnte und wollte sich damit nicht abfinden: "Ich hoffte auf ein Wunder." Eine Bekannte, bei der sie sich ausweinte, gehörte einer Heilgruppe des "Bruno Gröning-Freundeskreises" an, eines 1977 gegründeten losen Zusammenschlusses von örtlichen Gemeinschaften, die nach der Lehre Bruno Grönings (1906 - 1959), des gefeiertsten, aber auch umstrittensten deutschen Geistheilers der 50er Jahre, für Kranke bei regelmässigen Zusammenkünften einen göttlichen "Heilstrom" aufzunehmen und weiterzugeben versuchen. Dieser Heilkreis begann nun mit Raimund auf Distanz zu arbeiten - zunächst ohne Wissen der Mutter und ihres Sohnes. Und beinahe schlagartig erholte sich der Kleine. Alle Krankheitssymptome verschwanden. Bereits zwei Wochen nach Raimunds Entlassung aus der Klinik konnte Frau Schreiber die Diät absetzen und gab ihrem Kind Nahrungsmittel, die nach ärztlicher Verordnung streng verboten waren. Ein klarer Beweis für die HeilungEin unverantwortliches Risiko? Zwei Jahr lang brachte Christel Schreiber ihren Sohn zu ambulanten Nachkontrollen. Dadurch lässt sich der Verlauf der Bluteiweisswerte und der Immunglobuline zweifelsfrei belegen. Der Arzt Dr. Hartmut Gloy aus Rüthen, der Raimunds Fall eingehend untersuchte und jetzt auf einer Pressekonferenz des "Dachverbandes Geistiges Heilen" (DHG) in Frankfurt vorstellte, erklärt: "Medizinischerseits wäre zwingend zu erwarten gewesen, dass die normale Ernährung die morphologischen Veränderungen des Lymphgefässsystems wieder hätte zum Tragen bringen müssen. Doch der Eiweisswert blieb bis zur letzten Kontrolle, nach mehr als zwei Jahren ohne Diät, im Normalbereich." Das Gesamteiweiss war mit 7,4 g/dl unauffällig, ebenso die Elektrophorese und die Immunglobuline (IgG 642 mg/dl). "Bis heute sind keine Beschwerden mehr aufgetreten - ein klarer Beweis für die anhaltende Heilung des Kindes." Innerhalb des "Bruno Gröning-Freundeskreises" entstand 1992 eine "Medizinisch-Wissenschaftliche Fachgruppe", die unter Leitung des Hamburger Arztes Matthias Kamp solche rätselhaften Heilungsverläufe in mittlerweile rund 350 Gröning-Gemeinschaften erfasst, diskutiert und veröffentlicht. Dieser Gruppe gehören inzwischen mehr als 1800 Vertreter verschiedener Heilberufe an. Auch 400 Ärzte zählen dazu. 33 von ihnen, unter ihnen Dr. Gloy, bilden eine "Ärztegruppe", die Prüfungen und Nachuntersuchungen von eingehenden Heilungsberichten vornimmt. Ihre Vorarbeit will der neu gegründete "Dachverband Geistiges Heilen" (DHG), dem sich der "Bruno Gröning-Freundeskreis" angeschlossen hat, im zweiten Halbjahr 1995 zu einer umfassenden wissenschaftlichen Dokumentation und Überprüfung von Erfolgen aller Formen geistigen Heilens erweitern. |