"Sie ging durch die Berliner Drogenhölle""Heute lebt Petra Rüther (40) glücklich in Kassel, ihren Erlebnisbericht zeigt sie morgen im Offenen Kanal" Kassel - ihre Lebensgeschichte erinnert an die Kinder vom Bahnhof Zoo. Petra Rüther ging durch die Drogenhölle von Berlin. Das Ende schien vorprogrammiert. Heute lebt Petra Rüther glücklich und zufrieden in Kassel. Die frühe Trennung der Eltern, eine Mutter, die unbedingt wollte, dass sie Beamtin wurde, die daraus resultierende Unzufriedenheit und ein Freundeskreis, in dem der Konsum von Drogen selbstverständlich war, ebneten Petra Rüther den Weg in die Anonymität der Berliner Rauschgiftszene. Am Anfang schien alles noch ganz harmlos. Ab zu mal ein Joint, mehr nicht, schildert Rüther ihren Einstieg ins Drogenmilieu. Da war sie 16. In der berüchtigten Diskothek Sounds, wo Drogen wie Gummibärchen verteilt wurden, geriet Rüther endgültig auf die schiefe Bahn. Dort lernte sie ihre erste grosse Liebe kennen - einen heroinabhängigen Jungen. Rüther: Je näher ich ihn kennenlernte, desto mehr verlor ich die Angst vor der Heroinspritze und setzte mir den ersten Schuss. Zunächst fixte sie nur an den Wochenenden, später brauchte sie die Droge immer öfter. Sie bekam Hepatitis B, die typische Fixer-Krankheit und musste vier Monate ins Krankenhaus. Die Leber wurde punktiert. Nach der Entlassung gab sie das erste Geld, das sie von der Mutter bekam, für Heroin aus. Bald gab sie ihre Lehrstelle auf und ging auf dem Junkie-Strich anschaffen. Da war ich ganz unten, erzählt Rüther. Viele Freier waren richtig pervers, hielten mir Messer an die Kehle und quälten mich. Es gab für mich nur noch zwei Wege: In den Abgrund oder weg von der Droge. Aber selbst nach einer monatelangen Therapie in Hamburg wurde Rüther rückfällig. Wieder sass ich auf der Strasse. Ein Bediensteter der Therapie-Anstalt hatte mir noch einen Zettel zugesteckt, mit einer Adresse einer Privatfrau. Die half mir spontan. Ich wohnte bei ihr in Kellerräumen. Sie erzählte mir von Bruno Gröning, einem inzwischen verstorbenen Geistheiler und seiner Lehre. Ich ging mit zu den Sitzungen ihrer Gruppe. Wir meditierten gemeinsam. Zunächst war ich skeptisch. Irgendwann wurde ein Tonband mit den Lehren des Geistheilers vorgespielt. Ich öffnete mich von innen heraus. Irgendwann schlief ich ein. Als ich erwachte, spürte ich dieses unendliche Glücksgefühl, ein Kribbeln im Bauch, ich war in Hochstimmung. Seit diesem Tag ging es nur noch bergauf. Es klingt wie ein Wunder, aber so hat es sich in groben Zügen abgespielt. Heute lebt Petra Rüther zusammen mit ihrem Ehemann und zwei Kindern glücklich in Kassel, ist seit 13 Jahren drogenfrei. Ihre Lebensgeschichte hat sie in einem Buch niedergeschrieben. Auch einen Film hat sie gedreht. Er ist morgen, Montag, 16 Februar, ab 18.55 Uhr, im Offenen Kanal Kassel zu sehen (Wiederholung 22.55 Uhr). Am Freitag, 20. Februar 19.00 Uhr, informiert Petra Rüther zusammen mit Ärzte |