(Ins Deutsche übersetzt, Auszug)
"Gesundheit die von oben kommt""Leider nichts zu machen." Diesen Befund bekam die Patientin - wir können sie Frau Meyer nennen -, als sie sich an einen Spezialisten für Ohrenkrankheiten wandte. Seit mehr als 30 Jahren hatte sie an einer Schwerhörigkeit im Innenohr gelitten. Auf beiden Seiten. "In einer solchen Situation wird jeder Arzt in der Welt Unheilbarkeit konstatieren", sagt Ingeborg Hardin, selbst Fachärztin für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten. "Aber Frau Meyer gab nicht auf. Sie wandte sich an den Bruno Gröning-Freundeskreis. Dort lernte sie, Heilung auf geistigem Weg kennen." Heilung auf geistigem Weg? Das klingt schwammig. Aber Tatsache ist, dass Frau Meyer, Ingeborg Hardin zufolge, nach drei Jahren auf einem Ohr zu hören begann. Sie ging zu demselben Arzt, der Taubheit diagnostiziert hatte, und siehe da: er stellte "Sensationen" fest, wie das auf medizinisch heisst. Damit nicht genug. Zwei Wochen später begann Frau Meyer, auch auf dem anderen Ohr zu hören. Das Ganze glich einer Sensation - auch im gewöhnlichen Sinn. "Ich kenne den Arzt sehr gut", sagt Ingeborg Hardin, die selbst im Bruno Gröning-Freundeskreis engagiert ist. "Er ist fest in der Schulmedizin verankert und von jeder Schwammigkeit so weit entfernt, wie man sich nur wünschen kann. Aber er dokumentierte den Fall, natürlich ohne erklären zu können, was geschehen war." Frau Meyers Fall ist keine Einzelerscheinung. Die Gruppierung, die sich "Bruno Gröning-Freundeskreis" nennt, wächst rasch. Eine mystische Sekte? Naive Leichtgläubigkeit? Oder eine seriöse Ergänzung zur klassischen Medizin? Jedenfalls scheint es an der Zeit, sich selbst ein Urteil zu bilden. Die Bewegung hat nun nämlich auch in Schweden die Arbeit aufgenommen. Dem Pressematerial des Freundeskreises zufolge gibt es in der Welt etwa 32000 Menschen, die sich in 679 lokalen Gruppen zusammengeschlossen haben, die sich Gemeinschaften nennen. In diesen Gruppen trifft man einander regelmässig, um die Lehre Bruno Grönings kennen zu lernen. Wer war nun Bruno Gröning? Er wurde 1906 in dem Teil Deutschlands geboren, der heute zu Polen gehört. Äusserlich unterschied sich sein Leben kaum von demjenigen zahlreicher Generationsgenossen. Er erlernte mehrere handwerkliche Berufe, wurde von der enormen Arbeitslosigkeit jener Zeit betroffen, wurde zum Kriegsdienst einberufen und geriet in russische Gefangenschaft. Er starb 1959, kaum 53 Jahre alt. Bereits als Kind bemerkte er, dass sich kranke Menschen in seiner Gegenwart besser fühlten, dass streitende Erwachsene sich beruhigten, wenn er auftauchte. Zehn Jahre vor seinem Tod verbreitete eine dankbare Familie die Nachricht von seinen heilenden Fähigkeiten, und über Nacht wurde er berühmt. Biblische Szenen spielten sich ab. Menschen wallfahrteten zu ihm. Es heisst, dass Blinde sehen, Lahme gehen konnten. In zerbombten Nachkriegsstädten kam es zu Massenheilungen auf Strassen und Plätzen. Bis die Behörden reagierten. Bruno Gröning musste seine Tätigkeit einstellen. Die Gerichtsverhandlungen wurden erst durch seinen Tod abgebrochen. Einige Ärzte waren an einer Zusammenarbeit mit ihm interessiert: seine Erfolge konnten ja nicht verleugnet werden. Viele beendeten jedoch die Zusammenarbeit, als sich zeigte, dass Bruno Gröning sich weigerte, aus seiner Fähigkeit Gewinn zu ziehen. "Gesundheit lässt sich nicht kaufen, sie ist ein Geschenk Gottes", hat er gesagt. Seine Lehre scheint fast kindlich einfach. Sie läuft darauf hinaus, dass es eine geistige Kraft gibt, einen "Heilstrom", den jeder empfangen kann. Vor allem durch "den Glauben an das Gute und den Willen zur Gesundheit." Der Mensch wird mit einer Batterie verglichen, die täglich mit neuer Lebensenergie aufgeladen werden muss. Vielleicht kein besonders schönes Bild in geistigem Zusammenhang, aber möglicherweise passend in materialistischen Zeiten. Und die Erfolge dürfen kaum zu leugnen sein: massenweise verblüffende Heilungen zeugen davon, dass das Ganze funktioniert. "Auch wir Ärzte bekommen Hilfe durch diese Methode", sagt Ingeborg Hardin. "Im beruflichen Alltag stossen wir ja ständig an unsere Grenzen. Das schafft Frustrationen, und viele Kollegen brauchen daher Unterstützung in Form von neuen, ergänzenden Gedanken." Dass sie selbst sowohl die Schulmedizin als auch eine Reihe alternativer Methoden zur Verfügung hat, empfindet sie als eine grosse Bereicherung. "Kollegen, denen nur eine Methode zur Verfügung steht, sind begrenzter, auch wenn sie versuchen, mit der wissenschaftlichen Entwicklung Schritt zu halten. Ich selbst kann zwischen verschiedenen Methoden wählen, und das kommt letztlich den Patienten zugute." Dennoch fehlt es nicht an Gegnern. Vor einiger Zeit sendete eine Radiostation in Norddeutschland halbstündlich ein Programm, in dem vor dem Bruno Gröning-Freundeskreis, der "gefährlichen Sekte", gewarnt wurde. Daher ist dem Freundeskreis besonders daran gelegen, die Punkte zu betonen, die die Bewegung von einer gängigen Sekte unterscheiden: Jeder kann jederzeit den Freundeskreis verlassen. Es gibt keinerlei finanzielle oder rechtliche Bindungen. Alle Aktivitäten sind kostenlos. Und man unternimmt keine medizinische Beratung und gibt weder Diagnosen noch Behandlungen. "Hier gibt es alle Sorten Menschen", sagt Ingeborg Hardin. "Jedes Alter und alle sozialen Schichten. Das gibt mir, die ich noch nicht so lange dabei bin, ein sehr solides Gefühl." Wie macht man es nun eigentlich, wenn man den "geistigen Heilstrom" empfangen will? Die Anhänger Bruno Grönings setzten sich aufrecht auf einen Stuhl. Die Beine dürfen nicht gekreuzt werden - "sonst wird der Strom unterbrochen." Man wendet die Handflächen nach oben, gleichsam in einer empfangenden Geste. "Einstellung" nennt man diese Haltung. Das Geschehen wird mit dem Suchen nach dem richtigen Kanal im Radio verglichen. (...) Das Gebet und die Rede von einer göttlichen Kraft deuten darauf hin, dass es sich um eine religiöse Gruppierung handelt. Aber man betont ausdrücklich, dass man konfessionell vollständig ungebunden ist. Niemand soll die Kirche verlassen, der er vielleicht angehört. Im Gegenteil: der eigene Glaube soll durch das Erlebnis einer konkreten physischen Wirkung gestärkt werden. Es gibt Zeugen, die meinen, bereits bei der ersten "Einstellung" diese Wirkung gespürt zu haben. Andere brauchen bedeutend längere Zeit, ehe sie etwas bemerken. Handelt es sich um Autosuggestion? Vielleicht. Aber es ist schwierig, nicht von den tausenden von Fällen beeindruckt zu werden, in denen "geistige Heilung" dokumentiert ist. Für die Dokumentation sorgen Ärzte in der Medizinisch-Wissenschaftlichen Fachgruppe. Der Pressinformation des Freundeskreises zufolge handelt es sich dabei um einen internationen Zusammenschluss von 4300 Ärzten und anderen Repräsentanten medizinischer Berufe. Sie sammeln Fallbeschreibungen, häufig von unabhängigen Ärzten betätigt, mit deren Hilfe man versuchen will, die Wissenschaftlichkeit von Bruno Grönings Lehre zu beweisen. Man gibt eine Zeitschrift heraus und führt regelmässige Tagungen in verschiedenen Ländern durch. "Das Ganze gibt mir ein äusserst 'geerdetes' Gefühl", sagt Ingeborg Hardin. "Ich stehe mit beiden Beinen auf der Erde und empfinde Sicherheit, auch wenn ich gerade nicht mit meinem Arztköfferchen herumlaufe." Sie meint, die Wirkung des "geistigen Stroms" in unmittelbarer Nähe erlebt zu haben: "Meine eigene Mutter ist 85 Jahre, ein Alter, von dem die meisten glauben, dass es physisch nur noch abwärts ginge. Aber meine Mutter ist immer munterer geworden, seit sie Kontakt zum Bruno Gröning-Freundeskreis gefunden hat." Stockholm nächste Station für den Aufbau des FreundeskreisesDer Saal im "Hälsans hus" ist recht spärlich besetzt, als die Ärztin Ingeborg Hardin nach Stockholm kommt, um einen Einführungsvortrag über Bruno Grönings Lehre zu halten. Aber sie verzagt nicht. Derartige Vorträge werden ja in der ganzen Welt gehalten, sagt sie, und da sei es nicht so schlimm, wenn es mal an einem Ort etwas träger geht. In Schweden hat der Bruno Gröning-Freundeskreis lokale Arbeitsgruppen, "Gemeinschaften", in Göteborg, Jönköping, Helsingborg und Malmö gegründet. (...) Ingeborg Hardins Darstellung ist wohltuend sachlich. Hier gibt es keine Schwärmerei. Und bei ihren Fallbeschreibungen fehlt es weder an Overhead-Projektor noch an Video-Apparat. Sie erzählt von längeren Heilprozessen, aber auch von spontanen Heilungen beim ersten Kontakt mit dem "Heilstrom." Und dann ist es soweit: das Publikum darf eine "Einstellung" probieren. In entspannter Haltung, mit den Handflächen nach oben hört man schöne Musik. Anschliessend kann es lehrreich sein, eigene Beobachtungen zu formulieren. Daher soll jeder erzählen, was man erlebt hat. Die Reaktionen sind unterschiedlich und reichen von angenehmer Ruhe und behaglicher Wärme bis zu unregelmässigem Herzschlag und leichtem Unwohlsein. Seien Sie auch für die unbehaglichen Empfindungen dankbar, fordert Ingeborg Hardin auf: sie zeigen, dass der Strom wirkt. Für den gefühlsbetonteren Teil des Abends steht Gisela Laurus. Nach den Fallbeschreibungen der Ärztin schildert sie ihr eigenes, höchst lebendiges Schicksal. Sie will sich auch etwas ausführlicher vorstellen, weil sie in nächster Zeit die Arbeit der Stockholmer Gruppe des Freundeskreises leiten wird. Gisela Laurus ist 54 Jahre alt und wohnt in Norddeutschland. Als junge Frau erlitt sie einen Bandscheibenvorfall. Zwei Jahrzehnte lang folgte eine erschütternde Odyssee, in deren Verlauf sie mit einigen der schlimmsten Seiten des traditionellen Krankenbetriebes konfrontiert wurde: Fehldiagnosen, falsche Behandlungen, notwendige, unnötige und missglückte Operationen. Zuletzt bereitete man sie auf ein Leben mit ständigen Schmerzen vor und wollte sie steifoperieren. In dieser Situation stiess sie auf den Bruno Gröning-Freundeskreis. Autosuggestion oder nicht - jedenfalls war sie nach neun Monaten völlig gesund. Gelenkig demonstriert sie, wie sie sich nun wieder beugen, wie sie hüpfen und gehen kann. |