Pressespiegel, Schweiz:
"Wassermann-Zeitalter", Ausgabe Juni/Juli 1996

"Bruno Grönings Vermächtnis der geistigen Heilung: 'Gott ist der grösste Arzt'"

Von Eberhard Poellath, 1. Folge

Unser Gesundheitswesen lässt in vielem zu wünschen übrig und nicht besser steht es um die medizinische Wissenschaft. So verlautete auf dem Deutschen Ärztetag 1995, dass zwei Drittel der etwa 30 000 bekannten Krankheiten ursächlich noch nicht heilbar seien. Ein deprimierendes Resultat angesichts des hohen finanziellen und technologischen Einstzes auf diesem Gebiet. Oder ist dieses Defizit vielleicht gerade dadurch verursacht, dass der "Sieg über die Krankheit" so vehemment auf der materiellen Ebene gesucht wird? "Ich glaube, dass Heilen auf nicht materiellem Weg, durch geistige Methoden, eine Zukunft ungeahnter Möglichkeiten hat. Und ich glaube, dass ihr Bereich allmählich über das, was wir heute als funktionell bezeichnen, hinauswachsen und auch alles Organische umschliessen wird." Diese vorausschauenden Worte C.G. Jungs sind längst Wirklichkeit geworden, wenngleich die Mehrheit in Medizin und Wissenschaft sich den inzwischen reichlich vorliegenden Beweisen für das Wirken einer geistigen Heilkraft immer noch verschliesst. Dass heute ein Archiv besteht, in dem eine grosse Zahl dokumentierter Heilungsberichte zur Einsicht bereitstehen, dass Ärzte ein Forum gegründet haben, in dem sie über die Erfolge der geistigen Heilweise regelmässig berichten, ist das Vermächtnis eines schlichten Mannes, Bruno Gröning (1906-1959), der durch sein heilerisches Wirken in der Nachkriegszeit diese fruchtbare Arbeit ausgelöst hat.

Das "Wunder von Herford"

Herford im Frühsommer 1949. An manchen Tagen versammelten sich auf dem Wilhelmsplatz bis zu 5 000 Menschen, ein "Elendsheer", wie berichtet wird, aus "Kriegsversehrten, Krüppeln und Kranken", die alle eine Hoffnung hierhergeführt hatte: durch Bruno Gröning auf ebenso wunderbare Weise geheilt zu werden, wie kurz zuvor der neunjährige Dieter Hülsmann. Der Junge, der seit Jahren an fortschreitendem Muskelschwund gelitten hatte und bereits bettlägerig geworden war, konnte schon nach einer kurzen Begegnung mit Gröning aufstehen und wieder selbständig gehen.

Das "Wunder von Herford" verbreitete sich damals wie ein Lauffeuer durch Deutschland und zog eine rasch wachsende Zahl von Heilungssuchenden zuerst nach Herford und dann nach Rosenheim, wo auf einem weitläufigen Gestütsgelände noch wesentlich grössere Menschenmengen auf Bruno Gröning warteten. Und oft genug wiederholten sich "das Wunder", verloren Gelähmte, Erblindete, Kriegsverletzte, Schmerzgeplagte oder von Geburt an Behinderte ihre Beschwerden und wurden häufig sogar vor den Augen der Umstehenden spontan geheilt.

Wunderheiler oder Scharlatan?

Bruno Gröning in Herford, Frühjahr 1949Angesichts dieser aussergewöhnlichen Ereignisse blieb es nicht aus, dass sich Gesundheitsbehörden und Ärzteschaft mit dem Phänomen Gröning beschäftigten, meist jedoch nicht in wohlwollender Absicht, sondern mit Befremden und unverhohlener Gegnerschaft. Dies fand seinen Widerhall in einer erregt geführten Auseinandersetzung in den Medien, wo die Person Bruno Grönings von den einen als "Wunderheiler" gepriesen, von den anderen als "Scharlatan" abgetan wurde.

"Dies verschleierte sein eigentliches und sehr differenziertes Wesen: den Christen, den Künder und Verkünder", schrieb damals die Ärztin und Publizistin Hella Emrich und fuhr fort: "Der Kern seines Lebensinhalts und seines Strebens war nur wenigen, allzu wenigen bekannt." Deren Stimme fand in dem Presserummel wie auch vor Gericht, wo Gröning sich gegen den Vorwurf der unerlaubten Heilbehandlung erwehren musste, nur geringes Gehör. Nicht einmal Ärzte, die als Sachverständige für ihn eintraten, konnten eine gerechte Beurteilung dieses Mannes erreichen, der sich in ganz uneigenütziger Weise für das Wohl seiner Mitmenschen einsetzte und sich immer strikt weigerte, Geld für sein Wirken anzunehmen. So blieb Bruno Gröning, obwohl er eine geistige Kraft demonstrierte, wie kaum ein anderer Heiler vor ihm, dennoch bis zu seinem Ableben im Jahre 1959 ein von der offiziellen Medizin Verfemter, und es sollte erst in unserer Zeit eine Gruppe von Ärzten mutig genug sein, seine Person und sein Lebenswerk zu rehabilitieren.

Die verkannte Mission

Schon zu Grönings Lebzeiten fand eine lebhafte Diskussion um die Wirkweise der vielen wundersamen Heilungen statt, deren Zustandekommen den meisten Medizinern und Psychologen unerklärlich sein musste. Wer die Heilerfolge nicht ohnehin grundsätzlich bezweifelte, der sah in ihnen bestenfalls das gelungene Ergebnis von Autosuggestion und Hypnose. Zu dieser Einschätzung gelangte auch eine Ärztekommission der Heidelberger Universität, die Gröning zu Heilungsexperimenten eingeladen hatte. Die Wissenschaftler sahen mit eigenen Augen, wie Patienten ohne erkennbare äussere Einwirkung durch Gröning geheilt wurden und boten deshalb sogar eine Zusammenarbeit an. Weil damit aber ein gewinnträchtiges Klinikprojekt verwirklicht werden sollte, lehnte Gröning ab. Er sah sich in seiner Aufgabe, die geistige Heilung allen Menschen bedingungslos zugänglich zu machen, gründlich missverstanden. In einer Ansprache vor Heilungssuchenden beschrieb Bruno Gröning diesen Auftrag so: "Ich bin bereit, Ihnen das zu vermitteln, wie mir die Kraft gegeben ist, nicht vom Menschen, sondern tatsächlich vom Herrgott, um Menschen helfen und heilen zu können. Sagen Sie bitte niemals, dass ich Sie geheilt habe. Nein! Der Glaube an Gott, die Verbindung zum Herrgott, das ist die Heilwelle, die Sie empfangen haben, die über meinen oder durch meinen Körper geht. Ich bin nur ein kleiner Vermittler, mehr nicht..."

Hier äussert sich nicht ein Heilbehandler, es spricht vielmehr der Priester, der sich wie Franziskus als ein Werkzeug Gottes versteht und sich in den Dienst der Menschen stellt. Über das verlorengegangene Selbstverständnis des Priesters, ein "Brückenbauer" (Lat. pontifex) zu sein zwischen dem leidenden Menschen und dem heilbringenden Gott, schreibt Stefan Zweig in seinem Buch "Heilung durch den Geist": "Kampf um die Gesundheit bedeutete in der Urzeit der Menschheit nicht Kämpfen gegen die einzelne Krankheit, sonder ein Ringen um Gott. Dem körperlichen Leiden wird nicht eine technische Handreichung, sondern ein religiöser Akt dawidergesetzt. Man untersucht die Krankheit nicht, man sucht Gott." In diesem Sinne mahnte Bruno Gröning: "Gott besitzt alles das, was der Mensch braucht. Das hat der Mensch vergessen."

"Vertraue und glaube"

Bruno Gröning hat nicht nur in den zehn Jahren seines öffentlichen Wirkens ungezählten Menschen Hilfe und Heilung übermittelt, sondern ein über seine Lebenszeit hinausweisendes Vermächtnis hinterlassen, denn die Heilungen traten nach seinem Ableben auch weiterhin auf und geschehen in grossem Umfang bis auf den heutigen Tag.

"Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft", diese Worte hat er seinen Zuhörern immer wieder mit Nachdruck ans Herz gelegt und erklärt, dass jeder Mensch dazu in der Lage sei, sich, wie er es nannte, "auf den Heilstrom einzustellen".

Hier wird der kranke Mensch für mündig erklärt und aufgefordert, selbst die Verantwortung für den Prozess seiner Genesung zu übernehmen und sich für den Empfang der heilenden Kräfte zu öffnen. Denn der Mensch steht nach Überzeugung Grönings im Spannungsfeld zweier Kraftquellen - negativ-abbauenden und positiv-aufbauenden Kräften - oder anders gesagt, in der Polarität von Gut und Böse, zwischen denen er sich entscheiden kann und muss... Welchen Energien er sich öffnet, hängt von seiner geistigen Ausrichtung, von seinen Gedanken ab. Während negative Gedanken einen Menschen stets an das negative Potential anschliessen, das ihn seiner Kräfte beraubt und dadurch krank werden lässt, verbinden ihn positive Gedanken mit der guten, der göttlichen Kraftquelle, aus der ihm stärkende und heilende Energien zufliessen.

Das erfordert vom kranken Menschen freilich eine Neubesinnung. Ist er doch geneigt, sich eher angstvoll-besorgt dem Krankheitsgeschehen hinzugeben und sich dadurch nur noch fester an das Übel, das er gerade loswerden möchte, zu binden. Bruno Gröning: "Wer sich mit der Krankheit beschäftigt, hält sie fest und versperrt der göttlichen Kraft den Weg." Der wichtigste Schritt für den Heilungssuchenden besteht also darin, geistig eine ganz bewusste Trennung von der Krankheit zu vollziehen.

Hat der kranke Mensch sich in dieser Weise innerlich richtig "eingestellt", darf er das Einfliessen der heilenden Kräfte zuversichtlich erwarten. "Wenn Sie glauben, dass Sie das Heil erfahren werden", ermutigt Bruno Gröning, dann ist Ihnen schon geholfen. Glauben Sie nur!" - Bis hierher hat der Heilungssuchende das getan, was ihm möglich ist ("Vertraue und glaube... "). Alles weitere liegt bei Gott, durch dessen Gnade die Heilung bewirkt werden kann ("... es hilft, es heilt die göttliche Kraft").

Die heilsame Krise

Nun gilt es, auf körperliche Reaktionen zu achten. Sehr häufig wird ein deutliches Kribbeln, zuweilen auch ein stärkeres Fliessen oder Strömen durch die Glieder wahrgenommen sowie Wärme empfunden.

Allerdings können auch unangenehme Empfindungen oder Schmerzen auftreten, die der Symptomatik des Krankheitsbildes oft ähnlich sind. Das ist ein positives Signal, zeigt es doch den beginnenden Heilungsprozess an. Die "Heilungskrise" hat schon Paracelsus mit den Worten beschrieben: "Der gesund werden will, der muss daran denken, dass es ohne Schmerzen nicht geschieht", und aus der Homöopathie ist die Phase der "Erstverschlimmerung" nach Einnahme des Heilmittels bekannt. Bruno Gröning spricht in diesem Zusammenhang von "Regelungen" und erklärt: "Der Regelungsschmerz muss sein. Es passiert nichts Schlimmes, sondern nur, dass der Mensch gesund wird."

Dass das menschliche Leben in eine höhere Ordnung eingebunden ist und sich nur darin verwirklichen kann, ist eine Erkenntnis, die der aufgeklärten Wissenschaft und Medizin schon lange verloren gegangen ist. Bruno Gröning sah seine Aufgabe vor allem darin, die heutigen Menschen wieder an dieses Wissen zu erinnern und die Heilslehre Jesu neu zu beleben. Aus gläubiger Demut wollte er aber keineswegs eine neue Lehre verkünden, sondern lediglich das zu wissen geben, "was jeden Menschen durch die Lehre Christi, die wir Menschen selbst in die Tat umzusetzen haben, zu Gott führt".