Pressespiegel, Schweiz:
"Wassermann-Zeitalter", Ausgabe Juni/Juli 1998

"Mein Weg über den Abgrund"

"Heilung von schwerer Drogensucht"

Von Eberhard Poellath, 2. Folge

In der Berliner Drogenszene war Petra eine der vielen Jugendlichen, die der unbekümmerte Umgang mit Rauschmitteln in eine schwere Heroinsucht geführt hatte. Eigene Versuche, sich daraus zu befreien, scheiterten jedesmal kläglich. Von Drogenberatern liess sie sich, körperlich und seelisch ein Wrack, zu einer Langzeittherapie überreden. Den dafür notwendigen klinischen Entzug schaffte sie unter grossen Qualen. Dann war es soweit: Petra reiste nach Hamburg, wo sie die Therapie antreten sollte. Doch dort erlebte sie bald etwas recht Seltsames…

Das grosse Fressen

"Suchtverlagerung! Ich stopfte alles in mich hinein, und ich hatte Hunger, Hunger, Hunger. Nach drei bis vier Monaten hatte ich mein Gewicht fast verdoppelt. Ich wurde dick wie eine Nudel und immer frustrierter. Von dem vielen Reden und Herumstochern in meiner Vergangenheit ging es mir nicht besser - im Gegenteil!"

Da war es tröstlich, dass nach einiger Zeit Buba, ihr alter Freund aus Berlin, auftauchte, der sich gerade auch einer Therapie unterzog. Gemeinsam würden sie es schaffen. Aber dieser Traum endete jäh, als Petra gewahren musste, wie Buba sie mit ihrer besten Freundin hinterging und keine Anstalten machte, damit aufzuhören. Nach einem - streng verbotenen - Alkoholgenuss war dann sogar der Therapieplatz verloren: Petra stand mit nichts, ohne Wohnung, ohne Arbeit, ohne Bekannte in einer fremden Stadt auf der Strasse. Sie war gerade zwanzig Jahre alt.

Illusionen

Ein Zimmer und ein Job waren rasch gefunden, und da sie die Einsamkeit am wenigsten aushielt, heiratete Petra bald auch einen jungen Mann, den sie in der Disco kennengelernt hatte. Ein Baby kam zur Welt und wieder schien es, als würde sich das Leben ordnen.

"Aber es war doch wirklich eigenartig, wie penetrant uns das Unglück verfolgte. Wir lernten ein Pärchen kennen, das sich als Heroinhändler entpuppte. Das Gift kam ins Haus und natürlich auch in unsere Venen. Nach sechs Wochen hatte ich Entzugserscheinungen, und unser Geld war wieder alle. Unser Kind musste ja etwas zu essen haben, und wir ja auch mal, und so plünderten wir etliche Supermärkte. Wir gingen dabei sehr dreist ans Werk, indem einer von uns die Kassiererin ablenkte, einen Schokoriegel kaufte und sie in ein Gespräch verwickelte, während der andere einen total gefüllten Einkaufswagen unter der Barriere am Eingang durchschob."

Die Vergangenheit hatte Petra eingeholt und es dauerte nicht lange, dann brach die Ehe, die diesen Namen wohl auch nicht verdiente, auseinander. Kaum war die Scheidung eingereicht, da stellte Petra mit Schrecken fest, dass sie erneut schwanger war.

"Aber diesmal wollte ich das Kind nicht. Ich wollte alles, was mit diesem Mann zu tun hatte, von mir werfen. Und so war es nicht schwer, in meiner Situation eine soziale Indikation für eine Abtreibung zu bekommen."

Und es sollte nicht lange dauern, bis Petra diese furchtbare Prozedur ein zweites Mal an sich vornehmen liess. Immer getrieben von der tiefen Sehnsucht nach Geborgenheit und sicherem Halt in einer liebevollen Beziehung, fand sie doch stets das pure Gegenteil, wenn sie von ihren ja nicht minder vom Rauschgift geknechteten Partnern am Ende immer nur verachtet, geschlagen und betrogen wurde.

Das ganz alltägliche Leben stellte für Petra und ihre kleine Tochter, die inzwischen vier Jahre alt war, eine einzige Mühsal dar. Häufiges Umziehen, unregelmässiges Essen, Geld, das oft nur erbettelt oder geborgt war - und natürlich eine unablässige Jagd nach irgendeinem Betäubungsmittel. Müdigkeit und Abgeschlagenheit wechselten mit hochgradiger Nervosität und Angstzuständen, begleitet von ständigen Schmerzen in der Lebergegend. Keine Nacht verging ohne zermürbende Alpträume.

Was konnte Petra von ihrem Leben überhaupt noch erwarten? Wo war ein Weg über den Abgrund der Sucht und der Hoffnungslosigkeit, davon jemals frei zu werden?

Bruno Gröning

In dem Haus, in dem Petra zuletzt eine kleine düstere Kellerwohnung gefunden hatte, lernte sie Anne kennen, eine junge Mitbewohnerin, die weiter oben wohnte. Dort fiel eines Tages ihr Blick auf das Photo eines Mannes mit ernsten und ausdrucksvollen Gesichtszügen. Auf ihre Frage, wer das denn sei, antwortete Anne: "Bruno Gröning." Es dauerte eine Weile, bis das Gespräch wieder auf das Bild kam und Petra sich mit Neugier, aber auch unverhohlener Skepsis anhörte, was Anne ihr über Bruno Gröning erzählte. Am meisten erstaunte sie, dass dieser Mann, der so wunderbar heilen konnte, schon lange nicht mehr lebte. Nachdenklich betrachtete sie das Photo an der Wand. Würde Bruno Gröning etwa auch ihr aus dem Elend heraushelfen können? Aber wie sollte das wohl gehen? Da schien es ihr, als lächelte das sonst so ernste Gesicht sie auf einmal voller Liebe an.

Petra zögerte lange, bis sie Anne zu einem Einführungsvortrag begleitete, den Grete Häusler, die langjährige Mitarbeiterin Bruno Grönings, persönlich hielt. Sie hörte von dem "Heilstrom", jener universellen göttlichen Kraft, die Gröning in so hohem Masse aufnehmen und an Hilfesuchende, Kranke und Unglückliche weitergeben konnte, und sie vernahm die Worte, die er einmal zu seinen Zuhörern gesagt hatte:

"Ich führe Sie von dem Leidensweg über eine Brücke auf den guten, göttlichen Weg. Da gibt es kein Unglück, kein Unheilbar, keine Krankheiten und kein Leid. Da ist alles gut!"

Das klang wie ein schönes Märchen. In Petra meldeten sich Zweifel:

"Galt dieser Ausspruch Bruno Grönings auch mir, einer Drogenabhängigen, einer Gestrandeten, einer Rabenmutter und Abtreiberin und ehemaligen Hure?"

Müde vom langen Sitzen, mit Kopfschmerzen, doch im Inneren sehr berührt, fuhr sie zurück.

Die Befreiung

Als die Gemeinschaft der Bruno Gröning-Freunde 1985 eine Weihnachtsfeier veranstaltete, waren auch Petra und Anne eingeladen. Wieder war Frau Häusler da und hatte dieses Mal das Tonband eines Vortrages mitgebracht, den Bruno Gröning selbst in den Jahren seines öffentlichen Wirkens gehalten hatte. Gespannt erwartete sie seine Stimme und war bereit, sich auf jedes seiner Worte zu konzentrieren. Aber das misslang. Petra war auf einmal so müde geworden, dass sie einschlief und erst wieder zu sich kam, als der Vortrag geendet hatte.

Doch spürte sie plötzlich eine grosse innere Ruhe, und ein noch nie erlebtes Gefühl der Leichtigkeit, ja Glückseligkeit durchfloss sie.

"Es rieselte und kribbelte durch meinen Körper, es rauschte und strömte durch meine Adern. Ich dachte nur: Das muss er sein, der Heilstrom - wie das Wasser des Lebens. Und mein Kopf war frei und klar, und ich konnte sagen: Das war beglückender als eine Heroinspritze. Es war einfach wunderbar!"

Wieder zu Hause, überkam sie eine unerwartete und sehr heftige körperliche Reaktion:

"Ich hatte alles auf einmal: Gliederschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Kreislaufbeschwerden, Depressionen, Nasenlaufen und Gähnen in einem fort. Ich konnte kaum aufstehen. Manchmal kam ich nicht mehr rechtzeitig auf die Toilette, so ein Durchfall, und wieder schwitzte und fror ich abwechselnd, und das Gift kam aus allen Poren."

Das konnten nur die "Regelungen" sein, von denen sie gehört hatte - also der Prozess der Reinigung, dem Seele und Körper unterzogen werden, wenn sie von der Heilungswelle durchflutet worden sind. Und dann geschah das Unfassbare.

Petra hatte jegliches Verlangen nach Drogen verloren. Die schweren Ketten der Sucht waren für immer von ihr abgefallen.

Die Arbeit mit den Hilfsbedürftigsten

Seit sie selbst durch die Lehre Bruno Grönings von ihrer langjährigen schweren Drogensucht geheilt worden ist, kümmert sich Petra Rüther (40) mit grossem persönlichen Einsatz um Aufklärung in der Drogenszene. In der von ihr geleiteten Gemeinschaft der Hilfsbedürftigsten finden Suchtkranke Hilfe und erfahren, wie sie den Heilstrom nach Bruno Grönings Lehre für sich nutzen können. Es folgen einige kurzgefasste Erfolgsberichte von Petra Rüther.

Andreas P. (34), Gem. Hamburg

Andreas P. litt seit 1989 unter Heroin-, Kokain- und Alkoholabhängigkeit sowie Depressionen. Am 4.12.1993 Einführung in die Lehre Bruno Grönings. In der zweiten Stunde begann er sehr stark am ganzen Körper zu schwitzen, so dass der Schweiss nur so tropfte. Nach der Stunde fühlte er sich völlig befreit, und sämtliche Entzugserscheinungen waren weg. Danach ging es stetig bergauf. Er fing wieder an zu arbeiten und besucht ziemlich regelmässig die Gemeinschaft.

Ingo K. (30), Gem. Hamburg

Bis zur Einführung am 8.4.1994 war Ingo K. ca. sechs Jahre abhängig von Heroin, Kokain, Barbituraten und Benzodiazepinen gewesen. Er kam etwa ein halbes Jahr regelmässig zu den Gemeinschaftsstunden und wurde in dieser Zeit von allen Belastungen frei. Er spürte sofort den Heilstrom und schwitzte in den Stunden oft sehr stark. Nach steten Auf und Ab kam er schliesslich in eine Therapiemassnahme und ist seitdem dauerhaft frei von Drogen. Er stellt sich auch heute noch regelmässig auf den Heilstrom ein.

Boris L. (23), Gem. Berlin

Boris H. war seit seinem 11. Lebensjahr drogenabhängig, als er am 11.1.1997 in die Lehre Bruno Grönings eingeführt wurde. Zu dieser Zeit war er heroinsüchtig. Er wirkte dünn und sehr blass und kam eigentlich nur, um etwas Warmes zu trinken. Bereits drei Wochen später, am 1.2.1997, kam er frisch und kraftvoll in die Stunde, hatte 6 kg zugenommen und war jetzt ein vor Lebenskraft sprühender junger Mann. Er berichtete, dass er sich täglich zusammen mit seiner Mutter auf den Heilstrom einstellte und es ihm jetzt sehr gut gehe. Er hätte seit seinem 11. Lebensjahr noch nie ein drogenfreies Intervall von drei Wochen gehabt.

Thomas D. (40), Gem. Bremen

Thomas D. spürte bei seiner Einführung am 27.8.1994 sofort den Heilstrom. Nach stetigem Auf und Ab - im Sinne von Regelungen - ist er bis jetzt ganz clean. Er lebt wieder mit seiner Familie zusammen, steht in festem Arbeitsverhältnis und ist ein glücklicher und zufriedener Mensch.

Unter ihrem früheren Namen Petra Kruse hat Petra Rüther ein Buch mit dem Titel "Mein Weg über den Abgrund" geschrieben. Es ist im Grete Häusler-Verlag erschienen (2. Aufl. 1993). ISBN 3-927685-40-2. Erhältlich im Grete Häusler GmbH-Verlag, Rheindahlener Strasse 78, D-41189 Mönchengladbach (Deutschland).