Pressespiegel, Schweiz:
"Wassermann-Zeitalter", Ausgabe Aug./Sept. 1996

"Bruno Grönings Vermächtnis der geistigen Heilung: 'Gott ist der grösste Arzt'"

Von Eberhard Poellath, 2. Folge

In diesem Jahr wäre Bruno Gröning 90 Jahre alt geworden. Doch schon 1959, erst 52jährig, stirbt der "erste und berühmteste Heiler der Bundesrepublik" (Anita Höhne). Es lohnt sich, den Spuren dieses in jeder Hinsicht aussergewöhnlichen Mannes zu folgen und einzudringen in seine Lebensgeschichte, die durch eine Fülle ergreifender Zeitberichte vor uns lebendig wird.

Der junge Asket

Bruno Gröning wird am 30. Mai 1906 als viertes von sieben Kindern im Danziger Arbeiterviertel Oliva geboren. Schon seine Geburt ist Bruno Gröning 1906 - 1959ein besonderes Ereignis, verläuft sie doch nicht beschwerlich wie bei den übrigen Geschwistern, sondern derart leicht und unkompliziert, dass die Mutter schon gleich nach der Entbindung aufstehen kann, um zu ihrem Mann zu gehen und ihm die frohe Nachricht sogleich selbst mitzuteilen.

In der Kinderschar fällt Bruno früh durch sein ruhiges und friedfertiges Wesen auf, das ihn häufig nicht nur zum Gespött, sondern auch zum Opfer seiner rauflustigen Spielkameraden werden lässt. Doch nie wird beobachtet, dass er die kränkenden Worte oder gar die Schläge, die er oft einstecken muss, zurückgibt. Eher weicht er den Umtrieben der anderen aus, indem er sich in die Geborgenheit des nahen Waldes zurückzieht.

"Er tauchte in ihm unter wie in einer riesigen geheimnisvollen Welt. Eines hatte er von seiner Mutter gelernt: beten! Und den einfachen kindlichen Glauben an die heilige Mutter Gottes und an die Schöpfung nahm er mit in den Wald, der zu seiner Welt wurde. Manchmal sahen ihn Bekannte unter einem Strauch liegen und sorgfältig Gräser und Blätter beobachten. Gelegentlich sahen sie auch, dass er ein merkwürdig enges Verhältnis zu Eichhörnchen und anderen Tieren gewonnen hatte."

Aber nicht nur Tiere fühlen sich angezogen, auch Menschen spüren, dass ihnen die Nähe des sanftmütigen Kindes gut tut, und so ergeht nicht selten die Bitte, der kleine Bruno möge doch seine Eltern begleiten, wenn diese einen Krankenbesuch machen. Den Kranken spricht der Junge Mut zu oder redet ihnen das Kranksein einfach aus. Auf diese Weise bringt Bruno Gröning schon von Kind an etlichen Menschen Heilung, was zu jener Zeit allerdings nur wenigen bekannt wird.

Als er mit neun Jahren selbst schwer an Ruhr erkrankt und die ärztlichen Bemühungen ohne Erfolg bleiben, besteht der Junge darauf, trotz Fieber und zunehmender Auszehrung das Bett zu verlassen und sich auf dem Fussboden zu kauern. Der Arzt gibt ihn auf, keiner der Angehörigen wagt mehr an einen guten Ausgang zu glauben. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod. Und dann geschieht das Unerwartete: Nach vielen Wochen des qualvollen Ausharrens fällt die Krankheit ab und ist der Junge vollständig genesen.

Krankheiten im Kindesalter, das wissen Heilkundige von jeher, sind "Einweihungen in das Leben". In ihnen rüstet sich nicht nur die körperliche Abwehr, um in künftigen Fällen Schutz bieten zu können, sondern es wird zugleich die Seele geläutert und der Charakter des heranwachsenden Menschen erhält prägende Eigenschaften.

Wird man demnach nicht auch jenes merkwürdig asketische Verhalten des um sein Leben ringenden jungen Bruno in diesem Sinne verstehen müssen? Hat hier nicht, bis zum Äussersten, eine Auseinandersetzung mit der Krankheit schlechthin, dem negativen Pol, stattgefunden, und ist Bruno Gröning womöglich in "die Haut des Drachen" geschlüpft, um ihn so zu überwinden und sich für seine spätere grosse Aufgabe vorzubereiten?

Der Helfer in der Not

Bis dahin ist freilich noch ein langer, entbehrungsreicher Weg zurückzulegen. Bruno Gröning muss, wie so viele Menschen seiner Zeit, die wirtschaftliche Not der Jahre zwischen den Weltkriegen miterleben. Er kann weder die von ihm gewünschte kaufmännische Ausbildung noch die vom Vater verlangte Zimmermannslehre beenden und geht deshalb den Tätigkeiten nach , die ihm angeboten werden. Doch was er auch tut, so heisst es, geschieht immer sehr gewissenhaft und mit grossem Geschick.

Sein erster Biograph und späterer Mitarbeiter, der Heidelberger Journalist Egon Arthur Schmidt, schreibt über den Arbeiter Bruno Gröning:

"Er hat sich nie gescheut, die gröbsten und körperlich schwersten Arbeiten zu verrichten. Als Hafenarbeiter hat er genau so seinen Strang gezogen, wie jeder andere seiner Kumpels. Es liegen genügend Zeugnisse früherer Weggenossen vor, wovon es in einem ohne Vorbehalte schlicht und einfach heisst, dass dem Berichter Bruno Gröning aus einer einjährigen Zusammenarbeit als der denkbar beste und anständigste Kamerad, den er je gehabt hätte, in gutem Andenken sei."

Als E.A. Schmidt im Jahre 1949 selbst zum erstenmal auf Bruno Gröning trifft, schildert er ihn so:

"Ein Mann von kräftiger, etwas gedrungener Gestalt, knapp 1,70 Meter gross, sehr einfach gekleidet, ohne Jackett, im dunkelblauen Hemd und dunkelblauer langer Hose. Ein braungebranntes stark gezeichnetes Antlitz, langes naturgewelltes Haar. In dieses Gesicht hatte das Schicksal seine Runen gegraben; dieser Mensch musste durch alle Täler gegangen sein. Ganz offen lag es vor mir, kein Bart gab ihm ein fremdartiges oder gar mystisches Aussehen, wovon Zeitungsmeldungen berichtet hatten. Klar waren seine Augen auf mich gerichtet. Sie strahlten Güte und tiefes menschliches Verständnis aus. Sein ganzes Wesen atmete ungewöhnliche, in wohltuende Ruhe eingebettete Selbstsicherheit. So offen und klar wie sein Wesen war auch sein Händedruck. Eine kräftige Hand, die die meine fest umschloss, so als wären wir bereits gute Freunde."

Blicken wir aber noch einmal zurück. Bruno Gröning wird 1943 zur Wehrmacht eingezogen und gerät bei Kriegsende in russische Gefangenschaft. Dort erleben ihn viele als wahren Nothelfer: Nicht nur, dass er eine grosse Zahl von Mitgefangenen, die durch die Aushungerung an schlimmer Wassersucht leiden, auf rätselhafte Weise heilt, er setzt sich auch immer wieder mutig für bessere Lebensbedingungen ein. Über seine grosse Hilfsbereitschaft, die er ruhig und unermüdlich, nicht selten sogar unter Einsatz des eigenen Lebens, jedem zuteil werden lässt, den er in Not oder körperlichem Elend antrifft, wissen nicht nur seine Kameraden, sondern auch die früheren Kriegsgegner zu berichten: So soll es Bruno Gröning gelungen sein, den vom Hungertod bedrohten Bewohnern eines russischen Dorfes Zugang zu Lebensmittelvorräten der Armee zu verschaffen.

Aus der Gefangenschaft entlassen, gelangt Bruno Gröning, nun auch heimatlos geworden, nach Westdeutschland. Im nordhessischen Dillenburg muss er sich ein zweites Mal in der Not einer Nachkriegszeit zurechtfinden und tut dies mit der ihm eigenen Bescheidenheit. Die Arbeit, die er findet, nimmt er bereitwillig an und auch jetzt ist es wieder sein geschickter Umgang mit Werkzeug und Material, der Staunen und Respekt auslöst. Gemeinsam mit anderen Flüchtlingen baut er ein "Hilfswerk der Vertriebenen" auf und hilft bei Beschaffung von Arbeit und Wohnraum. Er selbst bezieht mit seiner Familie einen notdürftig ausgebauten Dachboden. Ein Zeitzeuge erinnert sich:

"Der Mann hat mich einfach fasziniert. Man konnte mit ihm Dinge besprechen, die man mit keinem anderen besprechen konnte. Es war immer etwas eigenartig bei ihm. Obwohl es nichts gab, jeder, der zu ihm kam, bekam einen Teller Suppe - das war etwas Typisches."

Von neuem geschehen Heilungen. Auf unerklärliche Weise vermag Bruno Gröning Kranke von ihren Beschwerden zu befreien und wird bald von Haus zu Haus, von einem Krankenlager zum anderen gerufen. Die Ereignisse nehmen von nun an ihren Lauf und im Frühjahr 1949 erhält Bruno Gröning jene schicksalshafte Einladung in das Haus des Herforder Ingenieurs Helmut Hülsmann, die ihn mit einem Schlag in der ganzen Nation bekannt werden lässt. Was ist in diesen Tagen im Haus Wilhelmsplatz 7 im westfälischen Herford geschehen?

Herford, Wilhelmsplatz 7

Am 15. März 1949 trifft Bruno Gröning im Hause Hülsmann ein. Eine Freundin der Familie hatte miterlebt, wie ihre Schwester von einer Lähmung geheilt wurde und das erhoffen sich nun alle auch für den neunjährigen Dieter Hülsmann, der seit Jahren an fortschreitendem Muskelschwund leidet. Alle konsultierten Ärzte hatten eine Aussicht auf Besserung oder gar Heilung verneint. In einer Niederschrift des Vaters aus jenen Tagen lesen wir:

"Dieter ist seit zehn Wochen fest bettlägerig. Er kann weder stehen noch gehen. Selbst beim Versuch zu stehen, knickt er im Kreuz wie ein Taschenmesser zusammen. Die Beine und Füsse sind immer eiskalt und vollkommen gefühllos, da keine Durchblutung, trotz zweimaliger Massage pro Woche, stattfindet."Wilhelmsplatz 7, Herford, September 1949

Bruno Gröning lässt sich zu dem Jungen führen, spricht zu ihm. Was er sagt, ist nicht überliefert, doch wird es sich wohl so zugetragen haben, wie oft berichtet, dass er in einiger Entfernung von dem Hilfesuchenden stehen bleibt und die feierlichen Worte spricht:

"Ich verwandle das alte Blut in neues, und dies geschieht im Namen Gottes."

Dann wartet er einige Augenblicke, bevor er den Kranken fragt, was er jetzt im Körper spürt. Wie Helmut Hülsmann nun beobachtet,

"... setzte sofort die Durchblutung der Beine von den Oberschenkeln an beginnend ein. Mein Sohn zeigte genau den ruckweise vordringenden Blutstrom an, der sich nun wieder den Weg durch die verengten Adern bahnte. Danach hatte mein Sohn vollkommen warme Beine und Füsse."

Drei Tage später, am 18. März, hält der Vater fest:

"14.00 Uhr: Dieter steht zum 1. Mal auf und geht allein."

Die Genesung des Jungen macht nun von Tag zu Tag Fortschritte. Bruno Gröning wird gebeten zu bleiben, und damit kommt eine Lawine in Gang, die wohl niemand erwartet hat. Denn "das Wunder" hat sich schnell herumgesprochen und es dauert nicht lange, da strömen die Menschen zum Haus Hülsmann am Wilhelmsplatz 7. Zuerst sind es kleinere Gruppen, dann werden es immer mehr und schliesslich kommen die Menschen zu hunderten von überall her.

Ein engagierter Beobachter der damaligen Ereignisse ist der Superintendent des Kirchenkreises Herford, Prälat Kunst. Er berichtet:

"Die Verhältnisse wurden von Woche zu Woche tumultartiger. Es kamen Tausende von Menschen aus der Bundesrepublik und dem Ausland, um bei Herrn Gröning Hilfe zu finden. Als der Oberstadtdirektor von Herford Herrn Gröning untersagen wollte, bestand die Gefahr, dass von der erregten mehrtausendköpfigen Menge das Rathaus gestürmt wurde."

Tatsächlich hatte sich schon bald bürokratischer Widerstand gegen das öffentliche Wirken Bruno Grönings formiert. Allen voran das Gesundheitsamt und die Vertreter der Ärzteschaft lassen nichts unversucht, um das Phänomen Gröning, das ihnen im höchsten Masse suspekt sein muss, zum Verschwinden zu bringen. Eine Untersuchungskommission wird eingesetzt, die eine Zeitlang von Superintendent Kunst geleitet wird. Sein weiterer Bericht gibt genau Auskunft:

"Die Prüfungskommission nahm ihre Arbeit so wahr, dass sie Verhandlungen mit Herrn Gröning führte und sich Geheilte vorstellen liess. Die Verhandlungen mit Herrn Gröning waren deshalb so gut wie vollständig unergiebig, weil die Mediziner Herrn Gröning unter den Kategorien und im Vokabular der Schulmedizin ansprachen. Es stellte sich heraus, dass Herr Gröning keinen, der zu ihm kam untersuchte. Mir ist kein Fall bekannt geworden, in dem Herr Gröning einen Patienten körperlich berührt hat. Nie ist mir bekannt geworden, dass er einen Kranken zu bewegen suchte, auf die Hilfe der Fachmediziner zu verzichten. Er verordnete auch keine Medikamente."

Für Bruno Gröning treten sogar Ärzte ein, die selbst oder deren Patienten am Wilhelmplatz 7 geheilt worden waren. Vergebens. Die Behördenvertreter setzen sich mit ihrer Auffassung durch, dass Bruno Gröning unerlaubte Heilkunde betreibe und untersagen ihm jedes weitere Wirken. Am 18. Juni, genau drei Monate nachdem der junge Dieter Hülsmann zum erstenmal wieder allein aufstehen konnte, verlässt Bruno Gröning Herford.

Das Heilverbot

Es entbehrt nicht einer bitteren Tragik, dass dem Werk der Nächstenliebe Bruno Grönings ausgerechnet mit einem Gesetz Einhalt geboten wird, das aus der finsteren Zeit des Dritten Reiches stammte. Seinerzeit war die bis dahin in Deutschland gültige Kurierfreiheit abgeschafft und damit jede unerlaubte Ausübung von Heilkunde unter Strafe gestellt worden.

Dieses sogenannte Heilpraktikergesetz gilt seitdem weiter und bietet den Widersachern Bruno Grönings von nun an immer wieder die geeignete Handhabe, um ihm sein Auftreten vor Heilungssuchenden zu verbieten.

Dass Bruno Gröning, wie von Superintendent Kunst und vielen anderen Zeitgenossen glaubhaft bezeugt, überhaupt keine Heilkunde im Sinne des Gesetzes betreibt, ist den Vertretern von Wissenschaft und Obrigkeit indes nicht begreiflich zu machen. Sie vermögen aus der offenkundigen Tatsache, dass Menschen nach einer Ansprache durch Bruno Gröning geheilt sind, nur den einzigen Schluss zu ziehen, dass hier eben doch eine profane Heilbehandlung stattgefunden haben muss. Das Einwirken einer höheren Macht ziehen sie erst gar nicht in Betracht.

Bruno Gröning hat die unbekannte Kraft stets offen benannt: "Nicht ich heile, sondern Es heilt durch mich."

Ein grenzenloses Elend

Das erste Verbot sprechen die Behörden bereits Anfang Mai aus. Doch zeigt sich rasch, dass es mit Polizeigewalt nicht gegen die Menschen durchzusetzen ist, die Tag für Tag in grosser Zahl auf dem Wilhelmsplatz lagern. Der Reporter Dr. Kaul hat sie erlebt:

"Zu Tausenden kommen die Kranken und Siechen in das kleine westfälische Städtchen. Mit Autobussen, Lastwagen, Personenwagen, mit der Bahn und zu Fuss, mit Pferdefuhrwerken und Fahrrädern, auf Leiterwägelchen, in Fahrstühlen und in Krankenwagen. Das menschliche Elend, das sich hier offenbart, ist erschütternd und grenzenlos. In den umliegenden Gärten und in den Anlagen sitzen die Kranken, stehen die Liegestühle, die Tragen, tage- und nächtelang warten die Angekommenen auf Heilung.... Lahme, Blinde, Taube, eine Gemeinschaft des Elends und der Not. Arme Menschen, ob sie nun in Luxuswagen sitzen oder sich mühsam auf ihren Krücken fortbewegen.... hundert- und tausendfältig ist nur der eine Wunsch: Heilung zu finden!"

Und viele finden Heilung. Die grosse Zahl der von E.A. Schmidt und Dr. Kaul beschriebenen Heilungsfälle belegt dies unzweifelhaft. Hinzu kommen alle die Dankesbriefe von Geheilten, darunter auch Ärzten, die nach ihrer Heimkehr an Bruno Gröning geschrieben haben. Einige dieser Zeitzeugen leben noch heute und bestätigen, was sie damals erlebten.

"Aufzuhalten ist es nicht"

Am 2. Juni ergeht ein endgültiges und umfassendes Heilverbot. Weil es danach aber, wie schon erwähnt, zu Tumulten in Herford kommt, duldet die Stadtverwaltung noch eine kurze Zeit die Anwesenheit der Hilfesuchenden. Dann kommt der letzte Abend.

"Drei- bis viertausend Menschen haben sich in den Abendstunden des 17. Juni auf dem Wilhelmsplatz angesammelt", schreibt Dr. Kaul. Kurz vor 22 Uhr tritt Bruno Gröning auf den Balkon des Hauses Hülsmann und spricht ein letztes Mal zu den Wartenden. Seine Ansprache endet mit den Worten:

"Aufzuhalten ist es nicht. In der ganzen Welt soll sich die Heilung vollziehen. Alle Menschen, gleich welcher Nation, Rasse oder Religion sind es wert, dass ihnen geholfen wird. Wir sind alle Kinder Gottes und haben nur einen Vater, und das ist Gott... Eines will ich nicht haben: Dank! Dankt eurem Herrgott. Er allein ist es, wenn es gelingen soll... Das Gute im Menschen muss das Schlechte verdrängen. Nach seinem Tun wird er gewogen, und wenn er nicht zu leicht befunden wird, dann verbleibt ihm die Hoffnung auf das Heil. Werfen sie ihr Leid von sich!"

Zuvor hatte er die Anwesenden gebeten, in Ruhe nach Hause zu gehen und nicht mehr zu protestieren. Die riesige Menschenmenge löste sich nur langsam auf. Was sich dann in den frühen Morgenstunden des 18. Juni zuträgt, ist mehrfach beschrieben worden. Hier eine Reportage aus dem "Münchner Merkur":

"Bruno Gröning wandte sich nun im Licht des frühen Tages erneut den wartenden Autos mit Schwerkranken zu. Für uns, die wir bei ihm waren, und die vielen, die es mit ansehen konnten, war es ein Zug des Wunders, der Siegeszug einer nicht kriegerischen,Geheilter in Herford sondern versöhnlichen und helfenden Macht. Der Gewalt dieses Bildes konnte sich keiner entziehen... Bei Kindern wurden gelähmte Glieder, die unter ständigem Kältedruck standen, wieder warm. Bruno Gröning stieg von einem LKW auf den andern hinauf, ging von Mensch zu Mensch, die auf Stroh und Matratzen gebettet waren. Sie richteten sich auf und fühlten neue Kräfte. In einem der LKWs, für alle Umstehenden sichtbar, sass eine siebzigjährige Frau, vollkommen gelähmt; sie war auf dem Sessel in den Wagen getragen worden, wie mir der Fahrer berichtete. Nach wenigen Worten Grönings bewegte sie die Arme, erhob sich, und als der Wagen sich in Bewegung setzte, winkte sie mit freudestrahlendem Gesicht der umstehenden Menschenmenge mit den bisher völlig bewegungslosen Armen und Händen zu.

So ging es Wagen für Wagen, bis der Platz lichter und lichter wurde... Dies war die letzte und wohl auch erfolgreichste Tat des öffentlichen Wirkens Bruno Grönings in Herford. Von diesem Augenblick an trat das Tätigkeitsverbot mit voller Wirkung in Kraft."

Interview mit dem Arzt Matthias Kamp

Matthias Kamp ist Arzt und leitet die Medizinisch-Wissenschaftliche Fachgruppe MWF im Bruno Gröning-Freundeskreis. Von ihm stammt das viel beachtete Buch "Bruno Gröning - Revolution in der Medizin". Die MWF ist ein Forum für Ärzte und Heilberufler, das sich zweimal im Jahr zu Fachtagungen über die geistige Heilweise nach der Lehre Bruno Grönings in Wien und Köln trifft. Eine Ärztegruppe in der MWF prüft und dokumentiert die auftretenden Heilungen nach streng medizinisch-klinischen Massstäben. Eberhard Poellath hat sich mit Kamp unterhalten, der heute aus dem Archiv der MWF über die ärztlich dokumentierte Heilung von einem angeborenen Darmleiden berichtet.

E:P.: Herr Kamp, was zeichnet diesen Heilungsbericht aus?

M.K.: Die Geschichte des kleinen Raimund S. ist vor allem deshalb so beeindruckend, weil die Heilung sich hier unter ganz klar nachvollziehbaren Bedingungen vollzog.

E.P.: Was heisst das?

M.K.: Raimund kam mit einem angeborenen organischen Leiden auf die Welt, das nach medizinischer Auffassung einer Heilbehandlung nicht zugänglich ist.

E.P.: Auch nicht durch operative oder chemotherapeutische Massnahmen?

M.K.: Nein. Es handelt sich hier um eine angeborene Missbildung des Lymphgefässystems im Darm, eine sogenannte "Intestinale Lymphangioektasie". Die Betroffenen sind nur durch strenge Einhaltung einer besonderen Diät überhaupt lebensfähig.

E.P.: Würden Sie das bitte näher erklären?

M.K.: Dieses Krankheitsbild ist durch ausgeprägten Eiweissverlust durch den Darm eine Verringerung des Eiweissblutspiegels mit Wassereinlagerungen im Gewebe und eine Erniedrigung der Lymphozyten und der Immunglobuline...

E.P.: ... also von Eiweissstoffen, die für die Infektabwehr zuständig sind...

M.K.: ... ganz genau - charakterisiert. Man vermutet, dass zu klein angelegte Darmlymphgefässe den Durchfluss der Lymphe erschweren und zu einer Drucksteigerung in diesem Bereich des Lymphsystems führen. Infolge der Drucksteigerung kommt es leicht zum Platzen der Lymphgefässe und damit zum Austritt der sehr eiweissreichen Lymphflüssigkeit in den Darm.

E.P.: Und diese Symptomatik trat auch bei dem kleinen Raimund auf?

M.K.: Ja, etwa fünf Monate nach der Geburt und nachdem sie das Kind nicht mehr stillte, beobachtete die Mutter, dass seine Augenlieder und der Bauch von Wasser angeschwollen waren und das Kind einen hellen übelriechenden Stuhl abgab - beides Zeichen für einen zu geringen Eiweissspiegel im Blut. Tatsächlich ergaben Untersuchungen in einer Kinderklinik, dass hier bereits ein bedrohlicher Zustand eingetreten war. Die Laboranalyse ergab einen Gesamteiweisswert, der mit 2,6g/dl weit unter dem Normalwert von 5,6-7,4g/dl lag. Der Immunglobulinwert betrug sogar nur noch 34,1 mg/dl IgG - normal sind 190-860 mg/dl. Raimund wurde daraufhin auch noch in einer Universitätsklinik untersucht, wo im Rahmen des sogenannten Chrom-51-Albumintests nachgewiesen wurde, dass Raimund 52% des Eiweisses Albumin, das ihm zuvor intravenös verabreicht worden war, innerhalb von vier Tagen verlor. Der Normalwert liegt unter 1 Prozent!

E.P.: Das bedeutet, dem Körper fehlen die notwendigen Bausteine für fast alle Lebensvorgänge?

M.K.: Das stimmt. Und dementsprechend negativ fiel die Beurteilung durch die untersuchenden Ärzte aus. Denn die Diagnose war durch eine Gewebeuntersuchung auch histologisch gesichert worden. So musste die Mutter erfahren, dass sie nicht mit einer Genesung ihres Kindes rechnen könnte. Vielmehr müsste Raimund eine lebenslange Diät einhalten, die auf wenige spezielle Nahrungmittel beschränkt ist.

E.P.: Wie ging die Mutter mit dieser Hiobsbotschaft um?

M.K.: Sie war natürlich verzweifelt und sprach ihren Kummer bei einer Bekannten aus. Was sie nicht wusste, war, dass diese Bekannte mit der Lehre Bruno Grönings vertraut war und sich von da an mit einigen andern im Stillen für die Heilung des kleinen Raimund einstellte.

E.P.: Wie hat sich das ausgewirkt?

M.K.: Frau S. selbst mochte sich mit der fatalen Prognose der Ärzte nicht abfinden und gab, ohne mit der Klinik Rücksprache zu nehmen, ganz von sich aus dem Kind Dinge zu essen, die nach dem Diätplan streng verboten waren. Und da Raimund diese Kost wider Erwarten gut vertrug, ernährte sie das Kind zunehmend auf normale Weise. Das allerdings verschwieg sie den Ärzten, die bei den regelmässigen Nachuntersuchungen mit dem Zustand des Kindes sehr zufrieden waren.

E.P.: Das ist aber interessant! Die Mutter wusste nicht, dass andere Menschen bittend die Heilkraft für ihr Kind aufgenommen hatten und dieses selbst konnte mit seinen wenigen Lebensmonaten ja noch gar keinen Anteil an diesen Geschehnissen nehmen. Und die Ärzte wiederum wussten weder von den Fürbitten, noch von der eigenwilligen Handlungsweise der Mutter. Damit scheidet doch jede Art von Suggestion oder psychischer Beeinflussung aus, mit der geistige Heilung gerne erklärt wird?

M.K.: Ja, das ist in diesem Fall ganz offenkundig.

E.P.: Was wäre denn andernfalls zu erwarten gewesen?

M.K.: Eigentlich hätte sich die krankhafte Veränderung des Darmlymphsystems durch die Verabreichung der Normalkost wieder in vollem Umfang auswirken müssen. Also mit der Folge von Eiweissverlusten, Ödemen und Verdauungsstörungen. Doch der Verlauf der Bluteiweisswerte und Immunglobuline, der noch drei Jahre lang regelmässig gemessen wurde, zeigt zweifelsfrei, dass bei dem kleinen Raimund eine grundlegende Heilung stattgefunden hat.

E.P.: Wie lang dauert die Heilung nun schon an?

M.K.: Raimund wurde, als er fünf Monate alt war, in der Zeit vom 12.03 - 27.04 1984 klinisch untersucht. Es folgten sechs ambulante Kontrollen in der Zeit von Oktober 1984 bis Januar 1987. Wer den gesunden Dreizehnjährigen heute sieht, ahnt nicht, dass er einmal mit einem lebesbedrohlichen Darmleiden auf die Welt gekommen war.

E.P.: Vielen Dank für diesen Bericht, Herr Kamp. Worüber werden wir uns das nächste Mal unterhalten?

M.K.: Im nächsten Wassermann möchte ich ein weiteres sehr eindrucksvolles Heilungsgeschehen bei einer jungen Frau berichten, die von früher Kindheit an unter den schweren Folgen eines Gehirnschadens zu leiden hatte und davon ganz geheilt worden ist.