Pressespiegel, Schweiz:
"Wassermann-Zeitalter", Ausgabe Feb./März 1997

"Bruno Grönings Vermächtnis der geistigen Heilung: 'Gott ist der grösste Arzt'"

Von Eberhard Poellath, 5. Folge

"Es gab im Jahre 1949 in Deutschland kaum ein Geschehen, das so sehr die gespannte Aufmerksamkeit und tiefe innere Anteilnahme der Menschen gefunden hat, wie alle Vorgänge um Bruno Gröning", schreibt der Münchner Journalist Dr. Kurt Trampler über die damalige Situation in seinem Buch "Die grosse Umkehr".

Es hat den Anschein, als ob Bruno Gröning in Bayern günstigere Verhältnisse antreffen würde als in Nordrhein-Westfalen, wo die Behörden ein Heilverbot erlassen hatten. So heisst es im Bayerischen Staatsministerium am 8. September 1949: "Die vorläufige Überprüfung der Heiltätigkeit des Herrn Gröning hat ergeben, dass sein bisheriges Wirken in Bayern als freie Liebestätigkeit betrachtet werden kann und in diesem Rahmen keiner Erlaubnis nach dem Heilpraktiker-Gesetz bedarf."

Der Kampf um die Heilgenehmigung

Doch die in Rosenheim unkontrolliert herandrängenden Menschenmengen übertreffen alle Vorstellungen und überfordern Helfer, Sanitäter und Ordnungshüter. So schlägt das offizielle Wohlwollen auch hier bald in Argwohn um, weshalb sich Bruno Gröning selbst um eine Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde, wie es das von den Nationalsozialisten geschaffene und immer noch gültige Heilpraktiker-Gesetz fordert, bemüht. Ja, er beruft sich sogar ausdrücklich auf dieses Gesetz, das in seiner damaligen Fassung eine Ausnahmeregelung "für besondere ursprüngliche Heilbegabungen" vorsieht.

Über das Gesuch wird lange Zeit nicht entschieden. Bruno Gröning soll Nachweise für seine Heilerfolge vorlegen! Aus diesem Grunde entschliesst er sich zur Zusammenarbeit mit einem Münchner Heilpraktiker, der allerdings die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt. Anstatt die vielen Heilungssuchenden, die sich von da an bei ihm einfinden, sorgfältigen Vor- und Nachuntersuchungen zu unterziehen, zeigt sich der Praxisinhaber hauptsächlich an den guten Einkünften interessiert, die ihm die grosse Nachfrage nach dem Wunderheiler plötzlich beschert.

Ein verhängnisvoller Freispruch

Da verhängen im September 1959 auch die bayerischen Behörden ein Heilverbot. Und so dauert es nicht lange, bis sich Bruno Gröning am 18. März 1951 vor den Schranken des Gerichts sieht, wo er sich gegen den Vorwurf der unerlaubten Heiltätigkeit zur Wehr setzen muss. Zwar endet dieses Verfahren, wie auch die Berufungsverhandlung, mit einem Freispruch, aber für Bruno Gröning hat das Urteil fatale Konsequenzen, da ihm lediglich ein "schuldausschliessender Irrtum", in dem er sich befunden haben soll, zugestanden wird. Damit kommt der Freispruch einem richterlichen Heilverbot gleich, denn ein "Irrtum" gibt es von nun an nicht mehr.

Eine unrühmliche Rolle spielen in diesem Prozess auch die Gutachter. Die Juristenzeitschrift "Neue Gerichtswoche" schreibt dazu: "Aus den Ausführungen des medizinischen Sachverständigen konnte man entnehmen, dass man sich in kundigen Kreisen nicht darüber klar war, ob Grönings Tätigkeit überhaupt als "Heilpraxis" bezeichnet werden könne oder nicht vielmehr in das Gebiet der Psychotherapie gehöre. Und das war der wesentliche Punkt."

Denn die Psychotherapie fällt zu jener Zeit noch nicht unter das Heilpraktiker-Gesetz und so wäre seinem Handeln eigentlich frei, würde man sein Wirken der Seelenheilkunde zurechnen. Das aber bleibt umstritten. Hatte zwei Jahre zuvor der Marburger Psychologe und Arzt Prof. Dr. H.G. Fischer Gröning noch bescheinigt, "ein begabter, nicht-ärztlicher Psychotherapeut" zu sein, so führt ein vom Gericht bestellter Gutachter nunmehr das Gegenteil aus und qualifiziert ihn als Heilpraktiker. Diese Auffassung macht sich auch das Gericht zu eigen.

Bruno Gröning gibt jedoch nicht auf und unternimmt mutig immer neue Versuche, den bürokratischen Forderungen gerecht zu werden, die er im Grunde genommen aber gar nicht erfüllen kann, weil sein charismatischer Heilungsdienst weder mit medizinischen noch juristischen Kategorien zu fassen ist.

Vergebliche Bemühungen daher auch in Stuttgart eine Erlaubnis zu erwirken. Das Gesundheitsamt lehnt den Antrag schon im Vorfeld ab, indem es Bruno Gröning vorhält, in Rosenheim eine "Massenpsychose" unter der Bevölkerung verursacht zu haben. Nun eine Massenpsychose ist am Traberhof gewiss nicht ausgelöst worden, viel eher ist zu vermuten, dass die ausserordentliche heilerische Kraft, die dort so viele Menschen in ihren Bann gezogen hat, auch ihre Widersacher provozieren musste. Diesen fällt freilich nichts Besseres ein, als die Heilungsphänomene bloss an ihren spektakulären Begleiterscheinungen zu messen - und zu verurteilen.

Wahre und falsche Freunde

Nicht nur die Behörden beschränken Bruno Gröning in seinem öffentlichen Wirken. Ein kaum geringeres Hindernis stellen die Menschen dar, die sich als Helfer oder Wegbereiter anbieten und dabei meist nur ihre persönlichen Interessen verfolgen. Ihnen mag Bruno Gröning wohl wie eine Naturkraft vorgekommen sein, die man, wie etwa eine heilsame Mineralquelle, nur anzuzapfen und auszuschöpfen braucht. Es ist ein tragisches Moment im Leben dieses Mannes, dass sein brüderliches und selbstloses anliegen so oft missverstanden und zu kommerziellen Absichten ausgenützt wurde. Er selbst schreibt darüber: "Alle drängten sich vor mit dem Versprechen, mir die Heilgenehmigung zu verschaffen, verschwanden aber als mehr oder weniger entlarvte Gauner wieder, nachdem ihre Geschäfte abgewickelt waren und sie mir ein zweifelhaftes Renommee hinterlassen hatten, was von der Presse gierig aufgefangen wurde."

Nur wenige Mitarbeiter widerstehen der Versuchung aus den Kontakten mit Heilungssuchenden Kapital zu schlagen und sich hinter dem Rücken Bruno Grönings zu bereichern. Die Situation ist oft brisant: In vielen Fällen sind es die Leidenden selbst, die sich mit verlockenden Geldangeboten oder dem Versprechen, kostbare Wertgegenstände herzugeben, einen bevorzugten Zugang zu Gröning verschaffen wollen.

Ein geschickter Geschäftsmann versteht es sogar, Bruno Gröning für die Mitarbeit in einer eigens von ihm gegründeten Vereinigung zu gewinnen, die sein heilerisches Wirken fördern soll. Gröning vertraut sich diesem Vorhaben an und muss Monate später erfahren, dass der dubiose Manager alles daran gesetzt hatte, um sich an den Hilfesuchenden nach Kräften zu bereichern.

Der Gröning-Bund

Schon zu Beginn der fünfziger Jahre bilden sich vereinzelt örtliche Gemeinschaften, vor denen Bruno Gröning über das Wirken der Heilkraft spricht. Immer geschehen durch diese Vorträge Heilungen. Um mit dem Heilpraktiker-Gesetz möglichst nicht in Konflikt zu kommen, wird am 22. November 1953 in Murnau der "Gröning-Bund" ins Leben gerufen. Die Eintragung in das Vereinsregister soll Bruno Gröning der zum "Präsident auf Lebenszeit" bestimmt wird, bei seinem öffentlichen Auftreten schützen.

Doch obgleich angesehene Persönlichkeiten - unter ihnen Graf Zeppelin, Anny Freiin Ebner von Eschenbach, Graf Matuschka - den Bund unterstützen, gelingt auch damit nicht der Durchbruch in ein geordnetes Wirken. Zu gross ist die Distanz zwischen dem schlichten Arbeiter aus Danzig und seinen prominenten Gönnern.

Als Bruno Gröning sich einige Jahre später von neuem vor Gericht verteidigen muss, versagt der Bund vollends. Anstatt dem Namensgeber in seiner Bedrängnis Rückhalt zu geben, nötigen massgebliche Mitglieder des Bundes diesen zu völlig unnötigen internen Auseinandersetzungen. Tief enttäuscht wendet sich Gröning ab. Bei seiner grossen Aufgabe, "den Menschen die Kraft des Lebens zu übermitteln und sie zum Glauben zu führen", sieht er sich im Stich gelassen:

"Dass ich dazu die Ruhe brauche und nicht immer und immer wieder durch weltliche, äussere Einflüsse gehindert werden darf, dass ich einen wirklichen Schutzwall brauche, um ungestört das wirken zu lassen, was mir gegeben, daran hat niemand gedacht, niemand von meinen Freunden, von denen, die meine Freunde sein wollen."

Der Geist braucht die Stille, darin er sich für seine Aufgaben in der Welt rüsten kann. Dies weiss Bruno Gröning, der ja schon als Kind den wohltuenden Frieden der heimatlichen Wälder in sich aufnahm.

Dafür hat man in seiner Umgebung allerdings nur wenig Verständnis. Alles drängt zu ihm und wo ihm einmal der Rückzug in ein scheinbar sicheres Refugium gelingt, spricht sich seine Anwesenheit in Windeseile herum. Dann bedrängen sie ihn sogleich unerbittlich, die Kranken und Elenden ebenso wie die Sensationslüsternen, die Profiteure, die Polizei. Bruno Gröning lässt es zu, schirmt sich nicht ab - seine Hingabe an die Menschen, ob sie ihn nun verehren oder verfolgen, ist ein Opfergang. Es sind wenige, die den wahren Charakter Bruno Grönings so deutlich erkennen wie Anny Ebner von Eschenbach, die über ihre erste Begegnung schreibt: "Durch die vielen vorherigen Zeitungsberichte konnte ich nicht klar feststellen, zu welcher Richtung Bruno Gröning gehörte, denn einmal schrieben die Journalisten, als wäre er ein Heiliger, und dann erschienen plötzlich fast täglich Extrablätter, als wäre er ein Teufel. So stand ich zum ersten Mal Bruno Gröning beobachtend gegenüber. Doch in Sekundenschnelle erfühlte ich es: diese in sich ruhende Sicherheit, Güte, Bescheidenheit und Geduld ist nur einem möglich, der in vollster Verbindung mit Gott steht. Ich fasste tiefstes Vertrauen und wusste beglückend, einen wahren Menschen erlebt zu haben, der all das, was ich theoretisch wusste, praktisch verkörperte."

Interview mit dem Arzt Matthias Kamp

"Bruno Gröning - Revolution in der Medizin"

Matthias Kamp ist Arzt und leitet die Medizinisch-Wissenschaftliche Fachgruppe MWF im Bruno Gröning-Freundeskreis, dem Forum für Ärzte und Heilberufler. Eine Ärtzegruppe in der MWF prüft und dokumentiert die auftretenden Heilungen nach streng medizinisch-klinischen Massstäben. Eberhard Poellath hat sich mit Matthias Kamp unterhalten, der heute aus dem Archiv der MWF über die ärztlich dokumentierte Heilung von angeborener Innenohrschwerhörigkeit berichtet.

Eberhard Poellath: Herr Kamp, man unterscheidet in der Medizin zwischen einer Schwerhörigkeit im Bereich der Schalleitung und andererseits der Schallempfindung. Können Sie uns das vorab kurz erklären?

Matthias Kamp: Die Ursache der Schalleitungsschwerhörigkeit ist in einer Störung des Gehörgangs oder des Mittelohres zu suchen. Im Unterschied dazu liegt bei einer Schallempfindungsschwerhörigkeit eine Störung des Innenohres oder des Hörnervs vor.

E.P.: Worum geht es demnach bei unserem heutigen Heilungsbericht?

M.K.: Bei der heute 34 Jahre alten Frau G. lag eine Schwerhörigkeit im Bereich der Schallempfindung vor, die wahrscheinlich durch eine Zangengeburt ausgelöst wurde. Dabei muss das Innenohr beziehungsweise der Hörnerv auf beiden Seiten geschädigt worden sein.

E.P.: Wie wurde das festgestellt?

M.K.: Die Diagnose wurde durch eine vom Facharzt durchgeführte Tonschwellenaudiometrie gesichert. Das Audiogramm, das in unserem Archiv vorliegt, datiert vom April 1993.

E.P.: Also hat die ärztliche Untersuchung erst sehr spät stattgefunden?

M.K.: So ist es. Frau G. befand sich seit ihrer Kindheit in einem Zustand stark eingeschränkter Hörfähigkeit, der ihr selbst gar nicht bewusst wurde. Sie galt als scheues introvertiertes Kind und niemand vermutete eine krankhafte Störung des Hörsinnes, bis es schliesslich zu der Untersuchung kam.

E.P.: Was erfuhr Frau G. bei diesem Arztbesuch?

M.K.: In dem Tonschwellenaudiogramm vom 15.4.1993 findet sich rechts ein Hörverlust von 60 dB bei 3 000 Hz, der konstant bis 8 000 Hz bestehen bleibt und bei 12"000 Hz noch 30 dB beträgt. Links zeigt sich bei 3 000 Hz bei Hörverlust von 40 dB und bei 12"000 Hz von 30 dB.

E.P.: Nun ist Frau G. aber offensichtlich doch geheilt worden. Wie kam es dazu?

M.K.: Sie ist seit 1989 mit der Lehre Bruno Grönings vertraut und hat sich immer regelmässig auf den Empfang des Heilstroms eingestellt. Einige Jahre geschah nichts. Dann, Anfang 1994 bemerkte sie eines Tages starke Veränderungen im linken Ohr, die sie beunruhigten und noch am selben Tag in die ärztliche Praxis führten. Bei der nun durchgeführten Tonschwellenaudiometrie fand sich links die Hörschwellenkurve einer 30-40jährigen Frau, also ein ganz normaler altersentsprechender Befund.

E.P.: Und was geschah mit dem rechten Ohr?

M.K.: Etwa zehn Tage später, nämlich am 1.Februar 1994, hatte Frau G. die gleichen auffälligen Symptome am rechten Ohr.

E.P.: Symptome welcher Art?

M.K.: Sie berichtet, dass sie kaum noch Geräusche wahrnehmen konnte und das Gefühl hatte, mit dem Kopf unter Wasser getaucht zu sein. Wieder liess sie sich sofort untersuchen und nun konnte auch am rechten Ohr der vormals bestehende Hörverlust von 60 dB nicht mehr nachgewiesen werden. Es findet sich sogar die Hörschwellenkurve einer gesunden 10-20jährigen Frau. Seit dem hört Frau G. auf beiden Ohren völlig normal.

E.P.: Das ist ein erneutes Beispiel, das zeigt, dass selbst zerstörtes Nervengewebe oder ausgefallene neurologische Funktionen durch den Geist regeneriert werden können. Die Tonschwellenaudiogramme sind unumstössliche Beweismittel!

M.K.: Ja. Auf der Ebene des Geistes kann sogar das geschehen. Hier gibt es, wie Bruno Gröning es ausgedrückt hat, tatsächlich "kein Unmöglich".