"Bruno Grönings Vermächtnis der geistigen Heilung: 'Gott ist der grösste Arzt'"Von Eberhard Poellath, 6. Folge"Es ist die bittere Krone aus den Dornen des Unverständnisses, des Neids und der Dummheit ihrer Umwelt, die im Laufe der letzten zwei Jahrtausende wie in der gesamten Menschheitsgeschichte immer wieder jene Menschen tragen mussten, die, von einem inneren Auftrag erfüllt, das Denken ihrer Mitmenschen erhellen und sie den ewigen Urwahrheiten näherbringen wollten." So schreibt der Arzt Matthias Kamp und fügt hinzu: "Dabei hatte jede Zeit ihre eigenen Mittel, das Wahre zu kreuzigen." Diesen schweren Weg muss auch Bruno Gröning gehen. Mit dem Heilpraktikergesetz, einem Relikt aus der Nazizeit, soll es ihm unmöglich gemacht werden, seine aussergewöhnliche Gabe des Heilens an den Menschen, die seine Hilfe suchen, wirken zu lassen. So muss er sich, vier Jahre nach dem ersten Prozess, am 4. März 1955 von neuem einem Gerichtsverfahren unterziehen. Auch jetzt lautet der Vorwurf wieder, unerlaubt geheilt zu haben. Ausserdem wirft ihm die Anklage vor, den Tod einer jungen Frau fahrlässig herbeigeführt zu haben. Vorverurteilt durch die PresseAls dies bekannt wird, ist sich ein grosser Teil der Presse über die Schuld Bruno Grönings einig: Dieser habe einer an Lungentuberkulose schwer erkrankten Hilfesuchenden die Heilung versprochen und ihr zugleich verboten, weitere ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Jahr später sei das Opfer deswegen gestorben. Es ist fast immer die gleiche Fabel, die von den Zeitungen landauf, landab verbreitet wird; kaum ein Redakteur macht sich die Mühe, die Vorwürfe gegen Bruno Gröning zu hinterfragen und die vielfältigen Beweise, welche die Anschuldigungen widerlegen, hervorzuheben. So ist Gröning in der öffentlichen Meinung längst schuldig gesprochen, bevor der Prozess nach mehr als zweijähriger Vorbereitungszeit schliesslich beginnt. Was ist wirklich geschehen?Im November 1949 reiste Emil K. mit seiner siebzehnjährigen Tochter Ruth zu einem Vortrag Bruno Grönings nach Bad Wiessee am Tegernsee. Das Mädchen leidet seit Jahren an Lungentuberkulose und ist körperlich wie seelisch am Ende seiner Kräfte. Gröning spürt sofort, dass er hier nicht mehr helfen kann und bringt dies vor anderen Anwesenden, unter ihnen ein Arzt, unmissverständlich zum Ausdruck. Damit ist freilich der Leiter dieser Veranstaltung, ein Geschäftsmann, der zur damaligen Zeit das öffentliche Auftreten Grönings organisiert, überhaupt nicht einverstanden. Er wittert in der möglichen Heilung der todkranken Ruth ein sensationelles Ereignis und überdies ein lukratives Geschäft. Deshalb ist ihm von nun an jedes Mittel recht, um Bruno Gröning in Zugzwang zu setzen. Dieser spricht dem Mädchen Mut zu und fordert den Vater auf - auch das ist glaubhaft bezeugt von neuem eine fachärztliche Untersuchung zu veranlassen. Vater und Tochter reisen daraufhin wieder ab und Gröning hört einige Monate nichts mehr von ihnen. Doch der Vater schreibt inzwischen Bittbriefe an Gröning und ersucht diesen dringend um einen Besuch. Davon erfährt Gröning indes nichts, da der untreue Manager die Post für sich allein auswertet. Er hält den Vater sogar mit allerlei Versprechungen hin, bis es ihm schliesslich gelingt, Bruno Gröning zu einer Besuchsreise zu nötigen. Dort angekommen, findet dieser Ruth in einer unerwartet stabilen Verfassung vor, vergewissert sich, dass sie sich unter ärztlicher Aufsicht befindet und mahnt auch jetzt wieder, die medizinische Behandlung fortzusetzen. Neun Monate später, am 30. Dezember 1950, stirbt Ruth K. an ihrer schweren Krankheit. Der grosse ProzessDie Gerichtsverhandlung beginnt im Juli 1957 in München. Für Bruno Gröning erweist sich als nachteilig, dass es seinem Verteidiger nicht gelingt, alle Entlastungszeugen vor Gericht aufzubieten. Die Zeugen der Anklage dürfen hingegen vollständig auftreten. Unter diesen befindet sich auch der damalige Manager, der nun alles daran setzt, Gröning in ein schlechtes Licht zu rücken und ihm die Schuld am Tod der jungen Ruth K. anzulasten. Doch seine Behauptungen werden durch den von ihm selbst inszenierten Schriftwechsel mit dem Vater von Ruth widerlegt. So kommt es, dass Bruno Gröning vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen wird. Wegen Verstosses gegen das Heilpraktikergesetz wird ihm allerdings eine Geldbusse auferlegt. Matthias Kamp, der alle Vorgänge um diesen Prozess eingehend recherchiert hat, fasst zusammen: "In der Begründung des Gerichts hiess es, dass sich die Krankheit trotz ärztlicher Behandlung anfangs verschlechtert habe, der Vater dann zu Gröning gegangen sei und daraufhin die ärztliche Behandlung eingestellt wurde. Man habe aber nachweisen können, dass von diesem kein Verbot, einen Arzt hinzuziehen, ausgesprochen worden war." Bruno Gröning ist mit dem Urteil, anders als sein Rechtsanwalt, der es positiv bewertet, nicht zufrieden. Da geht die Anklagevertretung in die Berufung und zieht damit das Gesetz des Handelns erneut an sich. In der Revisionsverhandlung, die im Januar 1958 stattfindet, treten die Gegenzeugen noch selbstbewusster auf und betonen das "Arztverbot", das Bruno Gröning angeblich ausgesprochen haben soll. Davon lässt sich auch das Gericht beeindrucken: das Urteil lautet diesmal auf acht Monate Gefängnis, wobei die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird. Dazu Matthias Kamp: "Im Rahmen meiner Recherchen ist es mir in den Gesprächen mit Zeitzeugen oder den mir zur Verfügung stehenden, umfangreichen schriftlichen Dokumenten nie aufgefallen, dass Bruno Gröning die Zuziehung eines Arztes verboten oder von begleitenden ärztlichen Kontrollen abgeraten hätte. Ein derartiges Verbot oder ein Heilsversprechen hätte seinem geistigen Selbstverständnis total widersprochen." Damit ist der Prozess aber nicht zu Ende. Nun ist es Bruno Gröning, der Berufung gegen den Urteilsspruch einlegt. Im Januar 1959 soll das Verfahren fortgesetzt werden. Die Heilungen gehen weiterEs ist aus heutiger Sicht nur schwer vorstellbar, wie es Bruno Gröning angesichts des gesetzlichen Heilverbots, unzuverlässiger Partner, feindseliger Presseberichte und nie ausreichender finanzieller Mittel trotzdem gelingen konnte, sein heilerisches Wirken aufrecht zu erhalten. Ein wesentliches Element dafür bilden die Gemeinschaften, die Bruno Gröning in zahlreichen Orten ins Leben ruft. Hier finden Hilfesuchende und Geheilte zusammen, hier hat er selbst sein Forum, vor dem er sprechen und seine Lehre darlegen kann. Die Gemeinschaften nehmen ihn auf und unterstützen ihn. So kann der Journalist Dr. Horst Mann in einer Artikelserie im "Neuen Blatt" von vielen Heilungen berichten, die sich in den Gemeinschaften ereignen - oft sogar, wenn Bruno Gröning gar nicht anwesend ist. Dr. Mann, der Gröning von Wien bis an die Nordseeküste gefolgt ist, erlebt immer wieder das Gleiche: "Menschen standen auf und berichteten mir von ihren Krankheiten. Sie nannten mir ihre Ärzte, die sie behandelt hatten. Sie erzählten von ihrer Gesundung, die sie Gröning verdankten. Und immer waren sie bereit, die Hand zu erheben und diese Aussage unter Eid zu erhärten. ( ... ) Es waren Menschen jeden Alters, die mir berichteten. Männer, Frauen und Kinder. Viele Krankheiten wurden aufgezählt, vom Kopfschmerz angefangen, über Nervenentzündungen, Ischias, Nieren- und Gallenleiden, bis zu Herzstörungen und Lähmungserscheinungen." Aber der Journalist beobachtet noch etwas anderes, was ihn tief berührt: "Freimütig erzählten viele hier vor allen Zuhörern, dass sie durch Gröning eine innere Wandlung erfahren hätten. Das Jagen nach Erfolg und die egoistische Einstellung sei einer inneren Ruhe und Gelassenheit und gemeinschaftlichem Denken gewichen." Der Gang nach ParisIm Spätherbst 1958 lässt sich Bruno Gröning in Paris, wohin er mit seiner zweiten Frau Josette gereist war, von einem befreundeten Röntgenarzt untersuchen. Der Befund ist alarmierend: Magenkrebs im fortgeschrittenen Stadium! Eine sofort angeratene Operation lehnt Bruno Gröning ab. Er kehrt nach Deutschland zurück, um für seine Gemeinschaften die Weihnachtsfeiern auszurichten. Am 8. Dezember, wieder in Paris, wird er in der Klinik des ihm bekannten Spezialisten für Krebschirurgie, Dr. Bellanger, operiert. Da zeigt sich, dass der Zustand in seinem Körper noch weit schlimmer ist, als es die Röntgenbilder vermuten liessen. Die Krebsgeschwulst erweist sich als nicht operabel und so wird die Operation unverrichteter Dinge beendet. Von Josette Gröning erfahren wir: "Sie (die Ärzte) konnten aber nicht begreifen, dass Brunos äussere Erscheinung so wenig von seinem furchtbaren inneren Leiden verriet, dass er noch normal atmen konnte, dass sein Stoffwechsel in den letzten Wochen noch tadellos funktioniert hatte, dass sein Blutbild ausgezeichnet war. Es findet in diesem fortgeschrittenen Stadium ein sich ständig wiederholendes Erbrechen bei der geringsten Nahrungsaufnahme statt, und der schwer geprüfte Patient muss langsam verhungern. Bei Bruno war dies alles nicht." Auch nach diesem schweren Eingriff fährt Bruno Gröning noch einmal zurück in die Heimat. Er trifft Hilfesuchende, bespricht sich mit Gemeinschaftsleitern, sucht Freunde auf. Es sind die letzten Begegnungen. Keiner bemerkt seinen Zustand, nur wenigen fällt die Blässe und Abmagerung des sonst so kraftvollen Mannes auf. Am 21. Januar 1959 fährt er abermals nach Paris, da ein Darmverschluss unverzügliches Eingreifen der Ärzte erfordert. Das OpferEin sonderbarer Zufall will es, dass die Operation am darauffolgenden Tag, dem 22. Januar um 9 Uhr morgens genau zum gleichen Zeitpunkt stattfindet, da vor dem Landgericht in München die Berufungsverhandlung des Prozesses eröffnet wird. Grönings Verteidiger kann dem Gericht schwere Verfahrensfehler der Vorinstanz, die den Schuldspruch gefällt hatte, nachweisen. Insbesondere hatten gewichtige Entlastungszeugen für Bruno Gröning ohne triftigen Grund kein Gehör erhalten. Dieser Umstand sowie die offensichtlichen Widersprüche, in die die Zeugen der Anklage verstrickt sind, lassen berechtigte Hoffnungen an einer Rehabilitierung Bruno Grönings zu. Obwohl die Operation gut verläuft und Bruno Gröning sich sogar noch einige Male von seinem Lager erhebt, ist das Ende nicht mehr aufzuhalten. Er stirbt am 26. Januar 1959. Im Totenschein ist Krebs als Todesursache genannt. Der Chirurg Dr. Bellanger äussert jedoch gegenüber Grönings Frau: "Die Zerstörung in Brunos Körper ist furchtbar, es ist eine innere totale Verbrennung. Wie er so lange und ohne die entsetzlichen Schmerzen zu erleiden, leben konnte, ist mir ein Rätsel." Freunde wissen zu berichten, dass Bruno Gröning schon Jahre zuvor einmal sagte: "Wenn man mir das Wirken verbieten wird, verbrenne ich innerlich." Mit grossem Respekt weist Dr. Bellanger auf die Mission hin, die er in der Person seines Patienten erkannt hatte: "Diese gottbegnadeten Menschen haben auf der Erde einen schweren Weg. Ihre Tragödie ist es, sich selbst nicht helfen zu dürfen, nachdem sie Tausenden geholfen haben." Der Leichnam wird in Paris eingeäschert und die Urne auf dem Friedhof im nordhessischen Dillenburg beigesetzt. Das Gerichtsverfahren stellt man ein, ohne dass ein rechtskräftiges Urteil zustande kommt. Damit ist Bruno Gröning auch im Rechtssinne als unschuldig zu betrachten. "Ich helfe weiter"Bruno Gröning hat immer wieder erklärt, dass sein Heilungsauftrag nicht an sein irdisches Dasein gebunden sei und seine Zuhörer damit auf die überzeitlich-geistige Dimension seines Wirkens aufmerksam gemacht. Eine Zeitzeugin, Gisela K., die öfter mit Gröning zusammengetroffen war, erinnert sich: 1958, als Bruno Gröning zum letzten Mal hier bei uns in Esch war, sagte er unter anderem auch: "Ich werde nicht mehr lange bei euch sein. Aber auch wenn ich nicht mehr hier bin, werde ich trotzdem bei euch sein. Ich kann euch noch helfen. Denkt daran." Und an Grete Häusler, die heute den Bruno Gröning-Freundeskreis leitet, richtet er schon im Jahre 1952 die denkwürdigen Worte: "Alle Menschen müssen sterben, ich auch. Den Körper wird man in die Erde legen, aber ich werde nicht tot sein. Wer mich rufen wird, für den werde ich dasein, und ich helfe weiter. Aber dann wird jeder aus sich die Hilfe und Heilung erleben." Heute, vier Jahrzehnte später, finden wir diese vorausschauenden Sätze in vollem Umfang bestätigt: Die Ärztegruppe um Matthias Kamp hat hunderte von Heilungsfällen untersucht, die bei Hilfesuchenden eingetreten sind, die sich, oft genug in letzter Hoffnung, auf die geistige Hilfe durch Bruno Gröning eingestellt hatten. "Welche geistige Verwirklichung trug dieser unscheinbare Mensch in sich, dass er durch die scheinbar undurchdringliche Mauer des Todes hindurch sah und sogar sein Wirken jenseits seines Scheidens voraussagte?" fragt Matthias Kamp und gibt zu bedenken: "Es liegt um Bruno Gröning und seine Mission ein Geheimnis, das erst denen erfahrbar wird, die über das Äussere dieses Menschen hinaus zu seinem Wesen vordringen, um die Grösse des Geistes erfühlen zu können, der in diesem so sehr verkannten Menschen lebte." |