Pressespiegel, Schweiz:
"Wassermann-Zeitalter", Ausgabe April/Mai 1998

(Auszug)

"Mein Weg über den Abgrund, Heilung von schwerer Drogensucht"

Von Eberhard Poellath, 1. Folge

Petra war gerade 15 Jahre alt, als man ihr die Schlüssel zu einem eigenen Appartement in die Hand drückte und sie "ins Leben" entliess. Doch der Traum von der grossen Freiheit sollte für Petra bald eine unerwartete und grauenhafte Gestalt annehmen: Erst war es bloss Haschisch, das ihr ein Kumpel augenzwinkernd anbot, dann liess sie sich zu einem LSD-Trip überreden und von da war es nur noch ein Schritt zum Konsum harter Drogen wie Kokain und Heroin. Beim Heroin blieb sie hängen und geriet für verzweifelte zehn Jahre in den Bann von Abhängigkeit, Gewalt und Hoffnungslosigkeit, wenn wieder einmal ein Entzug fehlgeschlagen und sie in die Sucht zurückgefallen war. Der Schrecken fand erst ein Ende, als sie mit der Lehre Bruno Grönings in Berührung kam und, inzwischen 28jährig, die vollständige Heilung erlebte. "Mein Weg über den Abgrund" ist der Bericht einer jungen Frau, die die Hölle auf Erden durchlebt hat.

Die Verführung

"Mein Leben empfand ich als abgrundtief langweilig und deprimierend. Der Alltag als Bürolehrling ödete mich an, und die Arbeit machte mir keinen Spass. Meinen Vorgesetzten fand ich spiessig, und ich zählte die Stunden, bis ich wieder nach Hause gehen konnte. Aber zu Hause war auch niemand, mit dem ich hätte reden können…" lesen wir am Anfang von Petras Biographie.

Doch Petra wollte nicht alleine sein. Sie war sicher, dass das Leben auch aufregende Seiten haben würde, wenn auch gewiss nicht in Amtstuben und Hochhaussiedlungen. So fing sie an, das, was sie für Wohlbefinden, Glück und Liebe hielt, auf anderen Wegen zu suchen. Zuerst in einer Clique Gleichaltriger, in der sie Haschisch rauchten und sich dabei ausgelassen amüsierten.

"Ich fand immer mehr Geschmack an ‘Shit’ (Haschisch), weil alles nicht mehr so ernst und eng war und wir gemeinsam Tränen lachten… Der bittere Ernst des Lebens wich einer einzigen Komödie."

So geriet der Einstieg in die schillernde Welt der Drogen, wie so oft, so auch hier auf eine geradezu unschuldig-verlockende Weise. Halb neugierig, halb mutwillig probierte Petra bald schon stärkere Drogen, obwohl der erste Versuch mit LSD in einem Alptraum endete.

"Die Wirkung war fatal… Mein armes Herz fing an zu schlagen wie verrückt, und langsam aber sicher kroch mir kalt die Angst von unten nach oben. Ich dachte, jeden Moment setzt mein Herz aus, und dann wäre ich tot - mausetot!"

Sie überlebte dieses Experiment, aber die Lust auf Drogen war ihr damit nicht vergangen - allzu verführerisch kam sie mit ihnen wieder in Berührung, meist in Gestalt süchtiger junger Männer, in die sie sich verliebt hatte. Da floss beides ineinander, das Bedürfnis nach Nähe und Zärtlichkeit und das rauschhafte Erleben:

"In diesen Stunden unserer ernsten ‘Sniffs’ erlebten wir den Himmel, und zwar gemeinsam. Es war einfach phantastisch. Ein Glücksgefühl ohnegleichen kam über uns, und wir fühlten uns stark und unwahrscheinlich toll. Wenn wir auf ‘H’ (Heroin) waren, erlebten wir eine strahlende Welt, in der aller Grossstadtstress und jeder graue Alltagsmief versanken… Endlich hatte die Langeweile ein Ende. Jeder wäre für den anderen durchs Feuer gegangen."

Der schlimme Irrtum

Dass das Heroin ihr gefährlich werden könnte, wusste Petra geschickt zu verdrängen, glaubte sie doch, keine Entzugserscheinungen an sich wahrzunehmen. Sie wähnte sich vor der Suchtkrankheit sicher.

Ihren Irrtum bemerkte sie erst, als sie schon tief in die Abhängigkeit geraten war. Es hätte in dieser Situation einer überaus mutigen Entscheidung wass91k.jpg (2669 Byte)bedurft und der radikale Abschied von den Drogen wäre vielleicht noch möglich gewesen. Doch um welchen Preis? Um etwa den "Grossstadtstress" und "grauen Alltagsmief" von nun an ersatzlos auszuhalten? Für zwei lebenshungrige Verliebte wohl keine Frage. Also blieb der Fluchtweg in die schöne Welt der Illusionen und der Ekstase offen.

"Aber von nun an tickte die Opiat-Uhr, nach der wir unser Leben einzurichten hatten! Wir brauchten das Heroin wie das tägliche Brot zwei- bis dreimal am Tag. Allmählich verwandelte sich der Himmel in die Hölle…"

Verzweifelte Versuche, von dem tückischen Gift doch noch loszukommen, schlugen fehl. Hörten sie mit dem Drogenkonsum auf, versanken sie alsbald in einem Chaos aus unerträglichen, nicht endenden Schmerzen in allen Gliedmassen, nicht minder entsetzlichen Bauchkrämpfen, denen ein unkontrollierbares Erbrechen folgte und schliesslich völliger Erschöpfung. Aus diesem Elend "erlöste" sie dann jedes Mal eine Heroinspritze.

Als ihr Freund mit einer grösseren Menge Heroin erwischt wurde, bedeutete das Gefängnishaft und damit Trennung. Auf der "Szene", dem Strassenmilieu der Drogensüchtigen, war Petra nun auf sich selbst angewiesen. Geld hatte sie auch keines mehr, denn die Lehre musste sie vorzeitig abbrechen so sehr waren ihr die Kräfte schon geschwunden.

Der tiefe Fall

Das Geld, das sie für die täglichen Heroinrationen brauchte, bettelte sie sich anfangs auf mühselige Weise zusammen. Der Versuchung, bei einem Einbruch oder Diebstahl mitzumachen, widerstand sie tapfer. Aber mit Bettelgroschen war der teure "Stoff" auf Dauer nicht zu bezahlen und so überwand sie eines Tages, als sie wieder einmal ohne Geld da stand und von peinigenden Schmerzen fast um den Verstand gebracht wurde, ihren grössten Ekel, der sie bisher davon zurückgehalten hatte, den eigenen Körper zu verkaufen. Petra war gerade 17 und nun auch eines von den vielen Mädchen, die am Berliner Bahnhof Zoo auf den Strich gingen:

"Ich war an einem Punkt angekommen, wo ich jeglichen Stolz und jegliche Achtung vor mir selbst verloren hatte… Hauptsache, ich hatte mein Geld und mein Gift, alles andere interessierte mich nicht mehr.

"Ein erneuter Versuch, in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie von der Sucht zu entziehen, misslang. Weil bei ihr aber eine Gelbsucht festgestellt wurde, musste sie erst einmal längere Zeit im Krankenhaus bleiben. Petra bekam ein Buch in die Hand, das Regeln zur Lebenshilfe anbot: "Und bist du tief gefallen, wo du nicht fallen wolltest", las sie dort, "so erhebe dich eilends und vergiss, dass du jemals zu Fall gekommen warst." Aber wie sollte sie das in die Tat umsetzen? Sie spürte immer noch eine unwiderstehliche Lust auf Heroin in ihrem Inneren, und sie konnte es wollen oder nicht wollen, die Macht, die ihre Seele gefangenhielt, bedrängte sie stärker und mächtiger als je zuvor.

"Der Wunsch muss Wille werden" hiess es weiter in dem Buch. Doch das ist ja das Elend aller Süchtigen: Starke Willenskräfte kann nur ein gesunder Mensch hervorbringen - ein von Giften durchdrungener Organismus vermag dies nicht mehr. Vor Petra lag noch ein weiter, qualvoller Weg.

Engel der Hilfsbedürftigsten

Heute ist Petra Rüther eine vitale lebensfrohe Frau Anfang 40. Sie, die selbst so lange wass92.jpg (4751 Byte)vom Rauschgift abhängig war (s. nebenstehender Bericht), hat ein tiefes Mitgefühl mit dem Elend der Drogensüchtigen bewahrt. Zusammen mit ihrem Mann, dem Heilpraktiker Peter Rüther, hat sie im Rahmen des Bruno Gröning-Freundeskreises die "Gemeinschaft der Hilfsbedürftigsten" ins Leben gerufen, die all denen eine Chance anbieten will, die hoffnungslos in den Teufelskreis des Drogenkonsums verstrickt sind. In Bremen, Hamburg, Berlin, Hannover und anderen Hochburgen der Drogensucht geht sie direkt in die "Szene", also mitten unter Junkies und Fixer und lädt sie zu einem ihrer Info-Vorträge ein. wass93.jpg (5238 Byte)Schnell ist sie dort umringt und wird von allen Seiten ausgefragt:

"Was ist denn das? Kann ich da auch hinkommen? Was, Du warst auch drauf? Wie lange denn? So richtig? Wie hoch warst Du denn dosiert? Zeig mir mal Deine Arme! Wie lange bist Du denn schon clean? Was, zehn Jahre, wow, das ist stark! Siehst auch echt gut aus! Meinst Du, ich kann das auch schaffen? Habt ihr was zu essen? Habt ihr auch einen Schlafplatz für mich? Oh, Du hast sogar ein Buch geschrieben? Kann ich das haben? Echt bombastisch…" Zum Vortrag schaffen es dann meist etwa fünf bis zehn dieser wahrhaft Hilfsbedürftigsten.

Hier schildert Petra Rüther in grosser Offenheit ihren eigenen Leidensweg und wird dadurch für die Anwesenden als eine der ihren fassbar. Das macht Mut, wass94.jpg (5626 Byte)schafft Vertrauen Dann spricht sie von ihrer Begegnung mit dem Bruno Gröning-Freundeskreis, in dem sie erstmals in ihrem Leben wahren Halt und durch die Lehre Bruno Grönings schliesslich die völlige Heilung von der jahrelangen Sucht gefunden hatte. Die meisten Zuhörer spüren hier, in dieser Schicksalsgemeinschaft, ein Gefühl der Wärme und Liebe. Sie trauen sich auf einmal, das Leben wieder zu bejahen, spüren an sich selbst den "Heilstrom", jene universelle göttliche Kraft, und manch einer ahnt, dass er auf diesem Wege die Sucht eines Tages besiegen wird.

Dazu der Arzt Matthias Kamp, Leiter der Medizinisch-Wissenschaftlichen Fachgruppe MWF:

"Es ist im Gegensatz zu den üblichen Heilungen nicht ganz einfach, die Heilungen bei den Hilfsbedürftigsten zu erfassen. Oft geschehen spontane Besserungen und sogar Heilungen. Die ehemals Drogenabhängigen fühlen sich von etwas erfasst, Aggressivität weicht und zum Teil auch spontan die Sucht. Doch ein regelmässiges geordnetes Leben aufzubauen ist ein weiterer Schritt. Einige bleiben dabei, finden zu einem geordneten Leben zurück mit geregelter Arbeit und dem Aufbau einer Familie. Wider andere erhalten durch das Erleben in der Gemeinschaft die Kraft und Motivation, eine Entzugstherapie oder Langzeittherapie anzustreben. Dadurch verliert Frau Rüther sie aus dem Blick. Wieder andere bleiben aus, weil sie nach einem mehr oder weniger langen Zeitraum der Drogenfreiheit wieder dem Sog der Szene verfallen und rückfällig werden. Die grossartigen Erfolge, die in den folgenden Kurzberichten beschrieben sind, zeigen mir als Arzt deutlich die besondere Bedeutung der Lehre Bruno Grönings auch im Bereich der Suchtkrankheit."