Ausführlicher Buchauszug:

Bruno Gröning - Revolution in der Medizin

Rehabilitation eines Verkannten

Eine ärztliche Dokumentation der Heilung auf Geistigem Wege. Autor: Matthias Kamp.


 

2. Kapitel

Die Person Bruno Grönings

Ein ungewöhnliches Kind

Bruno Gröning wurde als viertes Kind von sieben Geschwistern am 30.05.1906 in Danzig-Oliva geboren. Er schrieb in einem Lebenslauf über seine Kindheit:

"Während meiner Kindheit und Jugendzeit machte ich immer mehr die Feststellung von sonderbaren Fähigkeiten, die - von mir ausgehend - dazu angetan waren, beruhigenden oder heilenden Einfluss auf Menschen und Tiere auszuüben. Bereits als Kleinkind wurden in meinem Beisein kranke Menschen von ihren Beschwerden frei, und Kinder wie auch Erwachsene wurden bei Aufregung und Streit durch einige Worte von mir völlig ruhig. Ich habe auch als Kind die Feststellung machen können, dass Tiere, die für gewöhnlich scheu waren oder auch als bösartig galten, sich mir gegenüber gutmütig und zahm zeigten. Mein Verhältnis zum Elternhaus war daher sonderbar und gespannt. Ich strebte bald nach völliger Selbständigkeit, um aus der Umgebung des ,Missverstandenseins‘ meiner Familie herauszukommen."1

 
Die Mutter:
Margarete Gröning
Der Vater:
August Gröning

Schon im Augenblick der Geburt begann das Ungewöhnliche um das Kind Bruno. Seine Mutter hatte immer schwere Geburten gehabt, aber Bruno kam merkwürdig leicht zur Welt. Bereits kurze Zeit nach der Geburt begab sie sich in den Wald, um dem sich dort aufhaltenden erstaunten Vater die Geburt seines Sohnes mitzuteilen.2, 3

Seine Eltern waren strenggläubig katholisch. Es wurde kein Kirchgang versäumt, und wenn Mutter oder Vater auch noch so müde vom Tagwerk waren, das Abendgebet mit den Kindern kniend vor dem Bett wurde nie vergessen. Bruno Grönings Vater war, wie E. A. Schmidt schreibt, ein rauher, schlichter Mann. Er arbeitete als Maurer, war geachtet und als guter Arbeiter gesucht.4

Bruno Gröning als Kind (2. v. l.)
Bruno Gröning als Kind (2. v. l.)

Sein Bruder Kurt konnte aus seinen Erinnerungen von einer aussergewöhnlichen Begebenheit mit dem kleinen Bruno erzählen. Er sollte an einem Morgen den Kaffeetisch für die Familie decken, zog aber das Spielen der elterlichen Aufforderung vor. Sein Bruder Bruno erfüllte an seiner Stelle, ohne dazu aufgefordert zu sein, die erbetene Aufgabe und wurde dementsprechend von den Eltern gelobt.

Kurt Gröning berichtete:

"Da packte mich die Wut so sehr, weil Bruno immer als der Gute herausgestrichen wurde, dass ich mir nicht mehr zu helfen wusste und die Kaffeekanne mit dem kochend heissen Inhalt erwischte und den Kaffee auf Brunos Kopf goss. Er blieb ganz ruhig, alle waren über meine Untat entsetzt. Und wieder geschah etwas Ungewöhnliches. Bruno trug weder im Gesicht, noch am Körper irgendwelche Brandwunden davon."5

Die Zeitschrift "Revue" schrieb am 04.09.1949 über Bruno Grönings Kindheit:

"Er lernte schon als Kind, das kaum sprechen konnte, die Einsamkeit. Er lief von zu Hause fort und spielte in der Nachbarschaft mit den Haustieren, die ihm näherzustehen schienen als seine eigenen Geschwister. Als er besser laufen konnte, entdeckte er den grossen Wald, der in der Nähe der Mietskaserne lag. Er tauchte in ihm unter wie in einer riesigen geheimnisvollen Welt. Eines hatte er von seiner Mutter gelernt: beten! Und den einfachen kindlichen Glauben (...) an die Schöpfung nahm er mit in den Wald, der zu seiner Welt wurde. Der Kleine wurde ein Sonderling, wie man ihn unter den Arbeiterjungen der Ludolfingerstrasse noch nie gesehen hatte. Er blieb tagelang verschwunden. Wovon er lebte, wusste niemand. In seinem Elternhaus herrschte die Regel, dass derjenige, der zu spät zum Essen kam, entweder nichts mehr erhielt oder nur das, was übrigblieb. Bruno hungerte also tagelang. Manchmal sahen ihn Bekannte unter einem Strauch liegen und sorgfältig Gräser und Blätter beobachten. Gelegentlich sahen sie auch, dass er ein merkwürdig enges Verhältnis zu Eichhörnchen und anderen Tieren gewonnen hatte. Man fand ihn zuweilen auf dem Friedhof, völlig allein. Manchmal sah man ihn dort beten. [...] Einmal beobachtete ihn ein Mann, wie er versonnen hinter einem lahmenden Hunde herging. Er spielte mit dem Tier. Er streichelte es. [...] Das geschah an mehreren Tagen, und schliesslich lahmte der Hund nicht mehr. [...] Viele Tiere folgten ihm. Wenn sie krank dagelegen waren, standen sie auf und liefen mit ihm in den Wald."6

Oft wurde er von Menschen im Wald aufgegriffen und zu den Eltern gebracht. Er erhielt dann meistens viele Schläge, und man sperrte ihn in ein Zimmer ein.

Er schrieb dazu einmal:

"Der Schläge wegen habe ich niemals weinen können, da ich die Schläge nicht als Schmerz empfand, obwohl der Körper manchmal blau und grün geschlagen wurde. Jedenfalls dauerte die Gefangenschaft im Elternhause nicht lange, da ich sehr schnell und oft mich aus dieser befreite. Der Wald und meine Freunde, die Tiere, waren so stark, dass sie mich immer wieder zu sich anzogen."7

Die Voraussage über den Beginn des Ersten Weltkrieges brachte dem jungen Bruno von seinem Vater eine schallende Ohrfeige ein, und doch stimmte sie haargenau.

Sein Vater äusserte sich dazu in einer eidesstattlichen Erklärung am 26.06.1949 in Löhne in Westfalen:

"Als Vater meines Sohnes Bruno Gröning erkläre ich hiermit an Eides Statt, dass bei der Geburt dieses Kindes sich herausstellte, ein Kind mit besonderen Eigenschaften zu werden. Dieses hat sich in den späteren Jahren auch erwiesen. Viele Angehörige und Bekannte bestätigten diesen Sonderfall. Schon als Kind ereigneten sich Vorgänge, wenn er seine besonderen Eigenschaften an Tieren ausprobierte. Unter anderem nahm er eine Uhr, die der Uhrmacher nicht mehr in Ordnung bringen konnte, zwischen seine Hände, und die Uhr ging sofort wieder. Sogar besondere Ereignisse konnte er voraussagen: Anfang und Ende des Krieges 1914-18. Auch den Tod seiner Mutter sah er im voraus, ebenso den Anfang des Zweiten Weltkrieges 1939-45. Auch dass sein Vater und seine Geschwister nach der Kapitulation Haus und Heimat verlassen mussten und wo sie sich alle nach langem Umherirren niederlassen würden. Alles hat er gesehen und vorausgesagt. Hinzu kommt noch eine Eigenschaft, die es ihm ermöglichte, Menschen von Krankheiten und Leiden zu heilen."8

Ernst Kohn, ein ehemaliger Nachbar Bruno Grönings in Danzig, berichtete an Eides Statt, dass

"Herr Bruno Gröning [...] am Beginn des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1939 in meiner Wohnung in Danzig-Langfuhr, Magdeburger Strasse 77  folgendes erklärte: ,Ernst, der Krieg wird sich über eine lange Zeit erstrecken, Polen wird unterliegen, ebensoschnell Frankreich. Deutschland wird durch seine Eroberung aber nicht grösser, sondern kleiner werden. Man teilt Deutschland auf.‘ Dann zeigte er mir die Zonengrenzen, wie sie heute tatsächlich verlaufen. [...] Bruno Grönings Heilkraft habe ich schon in ihrer Wirkung in den Jahren unserer Nachbarschaft in Danzig-Langfuhr verspürt. Ich bin oft von Schmerzen befreit worden. Auch meine Ehefrau, Frieda Kohn, geb. Pettke, kann das bezeugen, die nach unserer Heirat im Jahre 1940 Bruno Gröning kennenlernte."9

Charakteristisch für den jungen Bruno blieb, dass er sich von frühester Jugend an immer wieder zu kranken Menschen hingezogen fühlte. Bereits mit zweieinhalb Jahren konnte man diese Eigenart an ihm beobachten.

Er schrieb später in Erinnerungen an seine Kindheit einmal dazu:

"Aus dem Körper einiger Tiere ist doch die Krankheit verschwunden, als ich leise vor mir sagte: ,Liebes Tierlein, du wirst bald wieder einen gesunden Körper haben.‘ Und so geschah es dann auch. Beim Menschen ist es doch nicht anders. [...] So wurde ich laufend von Kranken direkt angezogen [...], zu denen ich immer wieder nur sagte: ,Du bist doch nicht mehr krank.‘ Oder aber, wenn einige von diesen sagten: ,Er wird sterben.‘ Da sagte ich kurz: ,Nein, der stirbt noch lange nicht, gesund wird er werden!‘"10

Später bemerkte er, dass er in der Lage war, zur gleichen Zeit nicht nur einzelnen, sondern auch mehreren Kranken zu helfen. Dies war erstaunlicherweise gar nicht so schwierig für ihn, und meistens hatte er auch Erfolg. Sein Wirken blieb aber durch die Kriegswirren immer nur auf einen kleinen Kreis von Menschen beschränkt.11

Seinen Spielkameraden fiel er dadurch auf, dass er, sooft er auch angegriffen wurde, merkwürdigerweise nie zurückschlug. Manchmal konnten seine älteren Geschwister mit seinem ungewöhnlichen Verhalten nicht anders zurechtkommen, als ihn aus Wut darüber, dass er sich nicht wehrte, zu züchtigen. Der eine der beiden älteren Brüder schlug ihm sogar das Nasenbein entzwei. Dieses Verhalten der Geschwister dauerte an, bis etwas Ungewöhnliches geschah.

Der Bruder Kurt berichtete darüber im Jahre 1954:

"Die Jungen rauften draussen, und als sie sahen, dass Bruno wieder einmal daneben stand und nicht mitmachte beim bösen Spiel, da packte einen der Jungen so die Wut, und er ohrfeigte Bruno nur deshalb, weil er sich nie herumschlug und ein solcher Aussenseiter war. Bruno gab wie immer nicht zurück. Er stand ruhig ohne Aufregung da und wartete. Der Junge aber musste, ob er wollte oder nicht, nach Hause gehen. In der Wohnung begann er, sich selbst zu ohrfeigen. Er konnte nicht mehr aufhören. Alle Jungen gingen nach und beobachteten das seltsame Geschehen. Der Junge begann zu schreien: ,Bruno, hilf mir doch!‘ Bruno kam herein, und der Junge beruhigte sich, und das Schlagen hörte auf."12

Seit diesem Erlebnis liessen seine Geschwister und die Jungen der Nachbarschaft von ihm ab und schlugen ihn nicht mehr.

Sein Bruder erinnerte sich noch an eine Begebenheit, die den Charakter des jungen Bruno recht deutlich werden lässt. Er erzählte, dass in der Hungersnot des Ersten Weltkriegs die Lebensmittelvorräte der Familie Gröning aufgebraucht waren und man nicht wusste, wo man etwas Essbares auftreiben sollte. Der kleine Bruno zog mit seinem Fahrrad los und beschaffte der Familie auf wunderbare Weise bei den Bauern ein paar Säcke bester Kartoffeln, die seine Brüder dann nach Hause tragen konnten. Beim gemeinsamen Essen in dieser Zeit ass er immer erst dann, wenn die anderen sich satt gegessen hatten. Obwohl er auf diese Weise oft nur sehr wenig oder gar nichts bekam, zeigte er dennoch eine erstaunliche körperliche Leistungsfähigkeit.13

Er besuchte die Volksschule und war als Schüler nicht schlecht, aber auch nicht besonders gut in Erscheinung getreten. Oft gab er seinen Lehrern Rätsel auf. Es kam z. B. vor, dass er Sätze zu Ende las, die der Lehrer eben erst an der Tafel zu schreiben begonnen hatte. Nach Schulschluss begab er sich häufig wieder in den nahegelegenen Wald, wo er sich oft viele Stunden bis in den Abend hinein aufhielt. Im Wald vermochte er Gott, dem seine ganze Sehnsucht galt, nahe zu sein. Er erlebte dort, wie er selbst berichtete, Gott in jedem Baum, in jedem Tier, ja selbst in den Steinen. Hier konnte er stundenlang sitzen und sinnen, und es war ihm, als weitete sich sein Leben in die Unendlichkeit hinein.

Bruno Gröning erzählte einmal, dass er als Kind häufig von den Menschen fortgelaufen sei, weil er das Leben hier als furchtbar dunkel und lieblos empfand. Er habe in dieser Zeit in seiner Not Gott oft gebeten, ihn wieder von dieser dunklen Erde fortzunehmen. Im Wald wurde ihm dann, wie er sagte, durch innige Gebete offenbar, warum er in diese Welt geschickt worden war und worin seine Lebensaufgabe bestand. Erst als er diese erkannt hatte, konnte er sein Leben annehmen.

Jeder, der einen geistigen Weg geht und der aus ganzem Herzen Gott sucht, kann diesen Jungen verstehen, wie er, einer tiefen Sehnsucht der Seele gehorchend, Gott dort suchte, wo Er am reinsten wohnt: in der Einsamkeit und dem Frieden der Natur.

Eine derart frühe, bewusste Sehnsucht nach einem höheren Geist, nach Gott, zeigt das Wesen einer gereiften Seele. Solche Menschen müssen häufig mit dem Unverständnis und der Missachtung ihrer Umwelt leben, der meistens der Zugang zu diesem höheren Empfinden und Sehnen fehlt. Wie eine besondere Prüfung, eine innere Schule, liegt oft auf dem Leben dieser Menschen eine gewisse Härte als Vorbereitung der Seele für eine spätere Aufgabe.

1915, im Alter von neun Jahren, erkrankte Bruno Gröning lebensgefährlich an Ruhr. Er magerte sehr stark ab und lag wochenlang im Fieber. Er setzte aber hartnäckig durch, nicht im Bett zu liegen, und lagerte schliesslich monatelang nackt auf dem Fussboden. Der Arzt Dr. Klinge, der häufiger zu seinen Eltern kam, hielt ihn für verloren, und er erhielt sogar die letzte Ölung. Niemand glaubte, dass das ausgezehrte fiebernde Kind mit dem Leben davonkommen würde, und doch überwand er die Krankheit und wurde wie durch ein Wunder wieder gesund.14

Ein vielfältiges Arbeitsleben

Nach der Entlassung aus der Volksschule ging Bruno Gröning in die kaufmännische Lehre. Sein Vater, von Beruf Handwerker, hatte dieser Entscheidung seines Sohnes von Anfang an misstrauisch gegenübergestanden und sprach schliesslich ein Machtwort.

Bruno Gröning sagte dazu in seinem Lebenslauf:

"Diese Lehrstelle musste ich aber auf Verlangen meines Vaters deshalb aufgeben, weil es meines Vaters Wunsch war, dass ich ein Bauhandwerk erlernen sollte. Ich folgte dem Wunsche meines Vaters und erlernte den Zimmererberuf. Zu einem Abschluss durch eine Prüfung kam es jedoch nicht, da zur damaligen Zeit in Danzig grosse Arbeitslosigkeit herrschte. Aus diesem Grunde musste ich ein Vierteljahr vor Beendigung meiner Lehrzeit ohne Abschlussprüfung meine Lehrstelle aufgeben, denn die Firma, bei der ich lernte, musste wegen Mangel an Aufträgen schliessen."15

1925 gelang es dann dem 19jährigen, eine Bau- und Möbeltischlerei zu errichten und sich selbständig zu machen. Er konnte den Betrieb zwei Jahre aufrechterhalten, war aber dann aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation in Danzig gezwungen, nacheinander vorübergehend am Bau, bei der Holzverarbeitung, in einer Lack- und in einer Kistenfabrik sowie in anderen Bereichen zu arbeiten. Sicherlich gehört viel Fleiss und Können dazu, sich in der schlechten Zeit zwischen den Weltkriegen in Danzig als junger Mann mit einfachen Mitteln selbständig zu machen, auch wenn er nach zwei Jahren auf andere Verdienstquellen ausweichen musste. Die herrschende Arbeitsnot bedingte kurze Verträge und schnelle Entlassungen bei Absatzschwierigkeiten. So wurde Bruno Gröning in einer Lackfabrik bereits nach einem Jahr bei Einschränkung der Produktion als einer der Letzteingestellten wieder entlassen.

Er berichtet in seinem Lebenslauf, dass es nach 1933 noch schwerer wurde, eine Arbeit zu finden, weil die wirtschaftlichen Verhältnisse in Danzig schlechter als im "Reich" und die Firmen grösstenteils polnisch waren, so dass man als Deutscher schwer angenommen wurde. (Danzig war nach dem Ersten Weltkrieg vom Deutschen Reich isoliert worden. Die Verbindung zum Deutschen Reich war nur durch polnisches Gebiet möglich.) Bruno Gröning fand zeitweise Arbeit in einer Schokoladenfabrik, im Hafen und beim Postamt Danzig. Bis zum Einzug in die Wehrmacht 1943 war er mehrere Jahre bei der Firma Siemens und Halske als Schwachstrommonteur tätig.

Seinen Arbeitskollegen fiel immer wieder auf, dass er auf allen Gebieten ein ungewöhnliches Geschick entfaltete und oft sogar gelernten Arbeitern überlegen war. Viele seiner Arbeitskollegen bezeugten, dass ihm auf unerklärliche Weise einfach alles gelang, was er anfasste, sei es, dass er Uhren oder Radioapparate reparierte, sei es, dass er als Schlosser tätig war. Technische Dinge lagen ihm ganz besonders. Er selbst legte, wie er sagte, besonders grossen Wert darauf, alle Arbeiten mit Interesse und Liebe zu verrichten. Er sah in der grossen Zahl an Tätigkeiten, die er ausgeübt hatte, ein Lebenspraktikum, eine Schulung und Vorbereitung für seine spätere Aufgabe. Es lag ihm daran, wie er betonte, die Menschen in den unterschiedlichsten Tätigkeiten und Lebenslagen kennenzulernen.

Die bittere Ehe

Mit einundzwanzig Jahren heiratete er. Doch die Ehe mit seiner Frau Gertrud konnte ihm nicht das Heim und das Verstandensein geben, nach dem er sich in seinem Elternhaus vergebens gesehnt hatte. Er und seine Frau waren zu wesensverschieden. Mit Beginn des Arbeitslebens war die Zurückgezogenheit der Kindheit immer mehr dem starken Drang gewichen, Menschen helfen zu wollen. Zeitzeugen berichten, dass Bruno Gröning ein freigebiger, hilfreicher Gastgeber war und oft viele Freunde ins Haus einlud, während seine Frau am liebsten niemand in die Wohnung liess. Wenn sich ein Arbeitskollege oder ein anderer Bekannter in seelischer oder körperlicher Not an ihn wandte, vergass er oft seine eigenen Belange. Er sass dann mit diesem Menschen bis früh am Morgen im Gespräch zusammen und bemühte sich, gemeinsam mit ihm Auswege für schwierige Situationen zu finden. An den meist üblichen Formen von Geselligkeit (Kinobesuch, Aufsuchen von Wirtshäusern, Kartenspiel usw.) fand er kein Gefallen.

Ein Zeuge aus dieser Zeit konnte folgendes berichten:

"Ich möchte hiermit etwas schriftlich niederlegen. Es handelt sich um Herrn Bruno Gröning. Herrn Gröning kenne ich seit 1928 aus Danzig, welches meine Heimatstadt ist. Herr Gröning hat sich schon damals für geistige Dinge interessiert und Menschen geholfen und geheilt. Mir sind ungefähr 20 Fälle bekannt, die auch Erfolg hatten. [...] Auch kann ich viele Beweise geben, wo Herr Gröning Kindern geholfen hat, z. B. bei Lähmungen und [bei solchen,] die nicht hören und sehen konnten. In allen Fällen hat es geklappt. Wir selbst und die Leute, denen er geholfen hat, stehen auch heute noch vor einem Rätsel. Wir haben früher uns immer den Kopf zerbrochen, wie so etwas sein kann. Herr Gröning hat sich ausserdem noch mit Dingen beschäftigt, die vielleicht hier gar nicht zur Sache gehören. Aber trotzdem möchte ich sie erwähnen. Z. B. hat er sich mit Radioapparaten und Autos befasst. Er hat das Radio nicht berührt, und es ging auf seinen Wunsch aus. Radioröhren, die wirklich kaputt waren, hat er wieder zum Arbeiten gebracht."16

Aus dem Jahre 1931 liegt, so E. A. Schmidt, eine eidesstattliche Erklärung über eine Heilung vor. Bruno Gröning vermochte in diesem Fall eine schwer an Diphtherie erkrankte Frau, die ärztlicherseits aufgegeben war, zu heilen. Schmidt berichtet darüber: "Wenn er [Bruno Gröning] von diesem Fall spricht, den er in besonders guter Erinnerung hat, so leuchtet eine echte, grosse Freude aus ihm, wenn er sagt: ,Ich habe diese Frau vom Totenbett geholt!‘ Hierbei nimmt er das Bild der jungen Frau aus seiner Brieftasche und zeigt es mit glücklicher Genugtuung."17

Herr Max Bruhn aus Danzig berichtete von einem besonderen Erlebnis, das ihm die Schwester Maria von Bruno Gröning übermittelt hat.

"Ich kannte die Schwester von Herrn Gröning. Sie war zur Operation ins Krankenhaus bestellt. Die Brust müsse abgenommen werden, es sei Krebs. Am letzten Tag vor dem Krankenhausaufenthalt kam Maria zu Bruno. Sie bat ihn, er möge ihr helfen. Er war sehr erstaunt, dass die eigene Schwester Vertrauen und Glauben zu ihm hatte, und schaute sie eine Weile an und sagte dann: ,Geh ruhig ins Krankenhaus, ich finde nichts Böses mehr in dir!‘ Sie ging, und die Ärzte stellten keinen Krebs mehr bei der Untersuchung fest. Die Operation war überflüssig."18

Seine Frau hielt seine Fähigkeiten für "Schrullen". Ihr fehlte der seelische Zugang zu dem Grundmotiv seines Lebens, zu helfen und zu heilen. Sie fürchtete nichts mehr, als Aufsehen zu erregen und lächerlich gemacht zu werden. So war es ihr äusserst unangenehm, dass ihr Mann sich so vielen anderen Menschen widmete. Sie wollte ihn für sich haben. Eine der schwersten Prüfungen seines Lebens war, dass sie die eigenen Kinder, die er innig liebte, seiner Heilkraft entzog. Sie wollte ihre Kinder nicht seiner "Zauberei" ausliefern19, schirmte sie mit allen Mitteln ihm gegenüber ab und gab sie ohne sein Wissen ins Krankenhaus. Der ältere Sohn Harald starb im neunten Lebensjahr 1939 an einem Herzklappenfehler in einem Danziger Krankenhaus. Günther, der jüngere, ebenfalls im neunten Lebensjahr, im Jahre 1949 an einer eitrigen Brustfellentzündung in der Marburger Universitätsklinik.

Grete Häusler, eine Zeitzeugin aus Hennef/Sieg, die Bruno Gröning seit 1950 kannte, berichtete, dass er erst 1955 in der Lage war, über das Schicksal seiner Kinder zu sprechen. Als er engen Freunden davon berichtete, liefen ihm die Tränen über das Gesicht.

Als 1949 das öffentliche Wirken Bruno Grönings begann, musste er seine Frau verlassen, weil sie ihre ablehnende Einstellung seiner Tätigkeit gegenüber nicht änderte und ihm sogar das Heilen verbieten wollte. Die Ehe wurde im Mai 1955 geschieden.

Krieg und Gefangenschaft

1943, im Alter von 37 Jahren, wurde Bruno Gröning zur Wehrmacht eingezogen. Wegen seiner Einstellung, nie zurückzuschlagen und keinen Menschen zu töten, die in seinem tiefen religiösen Empfinden wurzelte, kam es zu Reibungen, und ihm wurde sogar mit dem Kriegsgericht gedroht. Schliesslich kam er dann aber doch an die Front. Es lässt sich nachvollziehen, dass er bezüglich des Zweiten Weltkrieges sein eigenes Schicksal mit ziemlicher Genauigkeit voraussah.20

Er wurde im Mittel- und Nordostabschnitt der Ostfront eingesetzt und im Dezember 1943 erstmals durch einen Granatsplitter mit oberflächlichem Durchschuss des linken Oberschenkels verwundet. Im Februar 1944 kam es zur zweiten Verwundung am rechten Oberschenkel. Nach Ausheilung war er aber Anfang 1945 nochmals zum Einsatz bei der Truppe gekommen und geriet am 5. März 1945 in Hammerstein (Pommern) in russische Kriegsgefangenschaft. Im Mai 1945 wurde er in ein Lager nach Petrozawodsk transportiert. In den russischen Lagern brachte er es auf rätselhafte Weise zustande, viele Mitgefangene, die an Wassersucht litten, zu heilen. Auch hier führte wieder das starke innere Bedürfnis, helfen zu wollen, zu Konflikten. Er hatte gegenüber der Lagerleitung "kein Blatt vor den Mund genommen", um für bessere Lebensbedingungen zu sorgen, und war deswegen bei den Russen als aufsässig bekannt. Wieder kam er nur knapp am Tode vorbei, aber nur deshalb, weil einige wenige russische Offiziere zu ihm gehalten hatten und ihn vor dem Erschiessen bewahrten. Ende 1945 wurde er entlassen.

Der Rücktransport in überfüllten Viehwaggons forderte von den entlassenen Soldaten das Letzte. Ein Heimkehrer berichtete später, dass alle Bande der Menschlichkeit dabei zerbrochen wären und die Kameradschaft unter den Soldaten dem brutalen Kampf ums nackte Leben gewichen wäre. Er hatte bei dem Rücktransport Bruno Gröning kennengelernt und war einige Zeit mit ihm zusammengewesen. Bruno Gröning war ihm sofort unter den anderen Soldaten aufgefallen, weil er sich ganz anders verhalten hatte. Er habe inmitten dieses Zusammenbruchs und Jammers eine unerklärliche Ruhe und Gelassenheit bewahrt und sei trotz allem menschlich geblieben. Darum hatte er ihm das Angebot gemacht, ihn in seine bayrische Heimat zu begleiten. Bruno Gröning wollte aber zuerst im Nordwesten nach seiner Familie suchen. Offensichtlich wusste er schon um seinen Weg an die Öffentlichkeit in den nächsten Jahren, denn er hatte seinen Kameraden 1945 bei der Trennung gebeten, ihn in einigen Jahren, wenn er in den Zeitungen viel über ihn lesen werde, aufzusuchen.

Es folgte die schwere Nachkriegszeit. Bruno Gröning kam mit einem Mitgefangenen nach Haigerselbach im Dillkreis. Dort erhielt er zusammen mit seinem Kameraden durch den Bürgermeister ein kleines Quartier und bemühte sich, mit verschiedensten Arbeiten bei Bauern der umliegenden Dörfer und bei der Gemeinde, das Nötige zusammenzubekommen, um überleben zu können. Durch seine bescheidene Art, nichts zu fordern und sich mit allem zufriedenzugeben, und sein grosses Geschick beim Arbeiten war er bald in der Umgebung beliebt. Seine Tätigkeiten brachten ihn in Kontakt mit vielen Landsleuten. Zur Linderung der Not rief er zusammen mit anderen Flüchtlingen das "Hilfswerk der Vertriebenen" ins Leben. Zielstrebig arbeitete er im Dienst der Sache, und gemeinsam konnten Ortsvertretungen aufgebaut werden. Diese Arbeit führte ihn häufig nach Dillenburg. Dort erhielt er kurze Zeit später noch eine Aufgabe in der Wohnungskommission des Kreises und bemühte sich zu helfen, wo er nur konnte. Einige Zeit später fand er seine Frau wieder und kam mit ihr in das Flüchtlingslager des Dillkreises. Dann bezog er ein Flüchtlingsquartier, einen notdürftig ausgebauten Dachboden in Dillenburg.

Erich K., heute Heilpraktiker in S., hatte Bruno Gröning in dieser Zeit kennengelernt. Aus seinen Erinnerungen berichtete er:

"Der Mann hat mich einfach fasziniert. Man konnte mit ihm Dinge besprechen, die man mit keinem anderen besprechen konnte. Es war immer etwas eigenartig bei ihm. Obwohl es nichts gab, jeder, der zu ihm kam, bekam einen Teller Suppe - das war etwas Typisches. Obwohl sie ganz primitiv aus irgendwelchem Getreide gemacht war, es gab ja nichts, wir hatten kaum genug Brot zu essen, und es ging uns dreckig, aber das war das Typische, jeder, der kam - ein Teller Suppe war da."21

Bruno Gröning traf durch seine Tätigkeit mit vielen Menschen zusammen, und wieder geschahen Heilungen. Es riefen immer neue Kranke nach ihm. Er wurde von Haus zu Haus gebeten, bis er am 14.03.1949 auf Bitten der Familie Hülsmann in Herford eintraf. Der Heilerfolg bei dem an Muskelschwund leidenden bettlägerigen Sohn, Dieter Hülsmann, wurde durch den Vater verbreitet, und bald fanden sich immer mehr Leidende vor dem Hause Hülsmann am Wilhelmsplatz 7 ein. Bruno Gröning sprach zu der Menschenmenge von Gott, und seine Worte bewirkten Wunder: Schmerzen schwanden, Blinde erhielten ihr Augenlicht zurück, Gelähmte erhoben sich aus ihren Rollstühlen oder warfen die Krücken weg und konnten unbeschwert wieder gehen. Bald kamen nicht nur Kranke aus der näheren Umgebung, sondern auch aus anderen Gebieten Deutschlands und aus dem Ausland in der Hoffnung, durch diesen Mann ihre Gesundheit wiederzuerhalten.

"Ich bin nur ein kleiner Diener Gottes"

Bruno Gröning war ein Mensch, der ganz aus seinem Inneren lebte. Er hatte keine Bücher gelesen, sein Wissen wurde ihm aus einer höheren Quelle zuteil. Er vertraute in allem, was er tat, seinem Gefühl. Schon im Krieg erlebte er häufiger, dass er, von seinem Gefühl veranlasst, eine Stelle verliess, in die kurze Zeit später eine Granate einschlug. Diese Geisteshaltung prägte sein gesamtes Leben. Er folgte keinen menschlichen Befehlen, sondern ordnete sich bedingungslos einer höheren Führung unter, die ihm aus einer tiefen unmittelbaren Religiosität im Gefühl oder als Eingebung zugänglich war. Die Heilungen, die durch ihn geschahen, sind untrennbar verbunden mit einer erneuten Hinwendung zum Glauben an Gott und einer inneren Neuorientierung (s. a. Kap. 3) der Geheilten. Er sah sich nicht in erster Linie als Heiler, sondern wollte aufklären über die höheren Gesetze des Lebens und die Leidenden zum Glauben an Gott als den grössten Arzt aller Menschen zurückführen. Der Wille zur Umkehr, der Wille zum Guten und der Wunsch, den Glauben an Gott wiederaufzunehmen, waren für ihn eine Grundbedingung für die Heilung. Er lehnte zugleich jede Beeinträchtigung der menschlichen Willensfreiheit ab:

"Ich darf einem Menschen helfen, den Weg zum Guten zu finden, aber ich darf ihm die Entscheidung darüber weder abnehmen, noch ihn etwa zum Guten zwingen. Es muss jeder seinen Weg selber finden."22

Die Techniken der Suggestion und Hypnose widerstrebten ihm aus diesem Grunde sehr.

Seine Reden waren geprägt von der Einfachheit und Schlichtheit seines Wesens. In eindrucksvoller Weise vermochte er durch wenige Worte seinen Zuhörern die fundamentalen geistigen Zusammenhänge von Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen. Seine Worte bedurften keiner rhetorischen Verzierung. In ihnen lag eine Kraft, die ihre Wirkung bei den Menschen nicht verfehlte. Dies belegt eine grosse Zahl an Heilungsberichten. Man spürt in seinen Vorträgen, dass er all das, worüber er sprach, persönlich erlebt hatte. Als er im 43. Lebensjahr in Herford an die Öffentlichkeit trat, konnte er aus der Erfahrung eines inneren Ringens schöpfen, das bereits in der unstillbaren Sehnsucht nach Gott in der Kindheit seinen Anfang genommen hatte. Er sprach als Nichtakademiker, aber dennoch als Wissender.

In der Presse wurde zur Zeit seines Wirkens ein sehr widersprüchliches Bild von Bruno Gröning gezeichnet. Die einen sahen in ihm einen Gottesmann, für die anderen war er ein Scharlatan. E. A. Schmidt, der sich durch eine persönliche Begegnung ein klares Bild von ihm verschaffen wollte, suchte ihn, kurz nachdem er in der Öffentlichkeit bekannt geworden war, in Herford am Wilhelmsplatz Nr. 7 auf.

Er beschrieb die erste Begegnung so:

"Durch die Menge hindurch erkämpften wir uns den Weg zu einer Hintertür, die unverschlossen war. Wir standen vor der Haustür. Drinnen klappten Türen, Menschen gingen innerhalb der Wohnung eiligst von Raum zu Raum. Erst auf dreifaches Läuten wurde die Haustür geöffnet. Es war Bruno Gröning selbst, der vor mir stand. Ein Mann von kräftiger, etwas gedrungener Gestalt, knapp 1,70 Meter gross, sehr einfach gekleidet, ohne Jackett, im dunkelblauen Hemd und dunkelblauer langer Hose. Ein braungebranntes stark gezeichnetes Antlitz, langes, naturgewelltes Haar. In dieses Gesicht hatte das Schicksal seine Runen gegraben; dieser Mensch musste durch alle Täler gegangen sein. Ganz offen lag es vor mir, kein Bart gab ihm ein fremdartiges oder gar mystisches Aussehen, wovon die Zeitungsmeldungen berichtet hatten. Klar waren seine Augen auf mich gerichtet. Sie strahlten Güte und tiefes menschliches Verständnis aus."23

Dr. phil. Kaul führten ähnliche Motive zum Wilhelmsplatz Nr. 7. Interessiert durch vielfältige Presseberichte wollte er sich an Ort und Stelle überzeugen.

Er schrieb über "den Menschen Bruno Gröning":

"Wer zum ersten Mal mit diesem Manne zusammenkommt, hat keineswegs das Gefühl der Fremdheit. Man findet im Gegenteil sofort eine Verbindung zu diesem merkwürdigen Menschen. [...] Das gebräunte, schmale Gesicht, das trotz der energischen Mundfalten Güte ausstrahlt, trägt einen verhaltenen Zug von Trauer. Ich habe ihn oft mit Kranken sprechen gesehen, und immer hatte ich den Eindruck, er weint innerlich über diese Not und das menschliche Elend, das sich seinen Augen darbietet. Bruno Gröning ist ein Mann aus dem Volke. Eitelkeit ist ihm so fremd wie die Pose. Seine Berühmtheit, die seinen Namen in kurzer Zeit in ganz Deutschland und weit über die Grenzen hinaus bekanntmachen wird, hat es nicht vermocht, ihn in die Rolle eines Stars oder eines Prominenten zu zwängen. Ich hatte die seltene Gelegenheit, mehrere Stunden in seiner Nähe zu verweilen und von dem sonst so schweigsamen Menschen etwas aus seinem Leben zu erfahren. Er liebt es nicht, mit Fragen überfallen zu werden, man muss ihn selbst kommen lassen. Oft scheint es auch so, als ob er die Gedanken seines Gegenübers kennt und mit seiner Rede unvermittelt an das anknüpft, was man selbst eben gedacht hat. Dann spricht er wieder wie zu sich allein und scheint seinen Partner vergessen zu haben. Seine Augen sind dabei in die Ferne gerichtet. Persönliche Bedürfnisse hat Bruno Gröning ausser seiner betonten Liebe zu Zigaretten und starkem Bohnenkaffee kaum. Seine Kleidung ist bescheiden einfach. Er lebt im Hause dankbarer Eltern, deren unheilbar krankes Kind, das jetzt wieder fröhlich im Garten spielt, von ihm geheilt wurde. Sie betreuen ihn auch, und Frau Hülsmann muss eine überzeugende Beredsamkeit entwickeln, wenn sie ihn zum Essen bewegen will. ,Er isst fast nichts und lebt seit mehr als drei Monaten fast gänzlich ohne Schlaf.‘ [...] Das gesamte Haus bestätigt mir diese Tatsache. Ich habe mich davon überzeugen können, dass Bruno Gröning für seine Heilungen weder Geld verlangt noch annimmt. Täglich bringt die Post über 2 000 Briefe, mehrere hundert Einschreibebriefe, über 300 Telegramme und Berge von Paketen und Päckchen. Er hat seine Mitarbeiter streng angewiesen, das Geld aus den Briefen und die ungeöffneten Pakete an die Absender zurückgehen zu lassen."24

Die Beobachtungen der Zeitzeugen lassen deutlich werden, dass Bruno Gröning auch im Licht der Öffentlichkeit er selbst geblieben war. Er wollte sich auf keinen Fall als Wunderdoktor oder in einer anderen Weise herausstellen. Diese oberflächliche Bezeichnung in den Sensationsblättern widerstrebte ihm zutiefst.

"Ich darf mich nicht herausstellen", das betonte er immer wieder, "ich muss aber meiner Bestimmung folgen, wohin sie mich führt."25

Der Drang, anderen zu helfen, liess ihn in der Herforder Zeit Tag und Nacht wirken. Er sah in sich "einen kleinen Diener Gottes" und wollte den Menschen durch seine Worte Zugang zu den heilenden göttlichen Kräften vermitteln. Dabei empfand er sich als Vermittler oder auch als Kanal für diese Kräfte. Immer wieder betonte er, dass nicht er, sondern "Es", die Kraft Gottes, die Heilungen bewirke. Je grösser der Kreis der Heilungssuchenden war, je mehr er von dieser heilenden Kraft weitergeben konnte, um so wohler und glücklicher fühlte er sich. Wenn er ungehindert heilen konnte, erfüllten ihn diese Kräfte, wie er selbst sagte, in einem solchen Ausmasse, dass er sogar keinen Hunger und keine Müdigkeit verspürte. Diese Tatsache fand ich von unterschiedlichsten Seiten immer wieder bestätigt.

Seine religiöse Grundeinstellung verbot es ihm, eine materielle Gegenleistung für Heilungen entgegenzunehmen. Er sagte, dass er seine Kraft verlieren könne, wenn er sie missbrauchen, d. h. zu eigenem Vorteil einsetzen würde. Er sah in der Heilung ein Geschenk Gottes, eine Gnade, die keine Bezahlung, sondern vielmehr die innere Umkehr zum Glauben und zur Liebe voraussetzt. Das wenige, was er brauchte, brachten ihm Freunde, und davon verschenkte er noch die Hälfte. Überall fand Bruno Gröning offene Häuser, man wetteiferte darum, ihn aufzunehmen.

Der Superintendent des Kirchenkreises Herford, Herr Kunst, nahm auf zahlreiche Anfragen aus seiner Gemeinde nach mehrfachem persönlichen Kontakt Stellung zu ihm.

Hier ein Auszug:

"Ich habe keinen Anlass zu glauben, dass Herr Gröning durch seine Gabe persönlichen Geldgewinn erstrebt. Er hat mir mehrfach versichert, dass er ein armer Mann bleiben wolle. Es ist mir glaubwürdig berichtet worden, dass ihm erhebliche Summen angeboten seien, wenn er einem reichen Kranken Genesung verschaffe. Es ist mir bekannt, dass er solche Angebote abgelehnt hat."26

Trotz oder vielleicht gerade wegen der grossen Resonanz, die das Wirken Bruno Grönings in der Öffentlichkeit auslöste, mehrte sich aus bestimmten Kreisen der Widerstand gegen ihn. Sein Auftauchen in Herford setzte Hunderttausende in Bewegung, mehr als eine Million Briefe erreichten ihn insgesamt in den ersten Jahren seines Wirkens27, das Elend der Zeit zeigte sich in seinem ganzen verheerenden Ausmass.

Viele versuchten an seine Seite zu gelangen, um aus der Situation Geld zu machen. Oft wurde sein Name von Personen, die sich in seine engste Umgebung gedrängt hatten, zu persönlichen Zwecken missbraucht. Das tief verwurzelte Unverständnis und die voreingenommene Ablehnung gegenüber der geistigen Heilweise in vielen akademischen, besonders in einflussreichen medizinischen Kreisen tat das ihrige, um das Wirken Bruno Grönings zu behindern. Es entbrannte ein heftiger Kampf, der sich vor allem in tendenziöser Berichterstattung in der Presse und zahlreichen Prozessen zeigte. Man versuchte mit allen Mitteln, diesen Mann und seine Heilungen in der Öffentlichkeit zu diskriminieren. Zu Beginn begnügte man sich damit, sein Wirken als eine Form der Suggestion abzuwerten, obwohl das angesichts der offensichtlichen organischen Heilungen, z. B. Kriegsversehrter, objektiv falsch war. Später kamen immer häufiger persönliche Denunziationen dazu, die von vielen Zeitungen in der Öffentlichkeit breitgetreten wurden, so dass jedes Vertrauen in die Integrität seines Wollens für den Heilungssuchenden, der nicht die Möglichkeit der persönlichen Bekanntschaft hatte, sehr erschwert wurde.

Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Macht die Medien in der Öffentlichkeit über Wohl und Wehe eines einzelnen Menschen entscheiden können. Die Berichterstattung, die vor verächtlichen Äusserungen und höhnischer Distanzlosigkeit keinen Halt machte, erscheint gleichsam wie der Aufschrei des herrschenden Zeitgeistes, der die Gesellschaft mit dem Trugbild des gottfernen und geistlosen Materialismus von der allheilenden Verbindung zur inneren Lebensquelle abgeschnitten hatte. Das überzeugte Wort Bruno Grönings von Gott als dem grössten Arzt aller Menschen, durch die heilende Tat bewiesen, traf den empfindlichsten Punkt dieser falschen Weltvorstellung.

Das Heer der Leidenden

Wer den Weg Bruno Grönings in der Öffentlichkeit genauer betrachtet, dem fällt eine beeindruckende Konsequenz seines Handelns auf. Unbeirrbar steuerte dieser Mann trotz aller Widerstände darauf hin, eine feste Basis für ein geordnetes Wirken aufzubauen. Er sah seine Aufgabe darin, eine tragfähige Grundlage zu schaffen, die über sein irdisches Dasein hinaus Menschen die Möglichkeit geben sollte, auf einfache Art und Weise Zugang zur heilenden Kraft Gottes zu erhalten. Doch erschwerten eine sensationshungrige Presse und ein unflexibler Behördenapparat die Erreichung dieses Ziels in den Jahren seines Wirkens sehr.

Er stand dem Ansturm der Massen ohne entsprechende Hilfe von seiten der Behörden gegenüber. In Herford waren es von März bis Juni 1949 bis zu 5 000 Heilungssuchende, die sich täglich, auf seine Hilfe hoffend, am Wilhelmsplatz Nr. 7 eingefunden hatten. Etwas später, von Ende August bis Mitte September 1949, versechsfachte sich die Menge am Traberhof, einem ehemaligen Gestüt bei Rosenheim, das ihm vom Besitzer zur Verfügung gestellt wurde.

Doch nicht genug: In Herford erreichte ihn so mancher Hilferuf aus dem Rheinland und den umliegenden Orten. Mehrfach sprach er vor einer grösseren Menschenmenge in Viersen. Dazu kamen noch Besuche bei einzelnen Personen, die in ihrer Not um sein helfendes Wort gebeten hatten. Nicht anders war es am Traberhof bei Rosenheim, von wo aus er auf Bitten Hilfesuchender sogar Fahrten nach Norddeutschland unternahm.

Augenzeugen waren immer wieder tief bewegt über den innigen Ausdruck des Glaubens an Gott, der in Tausenden von Heilungssuchenden durch Bruno Gröning wieder entfacht wurde. Viele begannen, nach langer Zeit das erste Mal, wieder zu beten, oft einte dieser neu erwachte Glaube die ganze Menge, und spontan wurden sogar Choräle gesungen.

Im krassen Gegensatz dazu standen die Reaktionen massgeblicher Amtsärzte und vieler Behörden.

Seit Beginn seines Wirkens bemühte sich Bruno Gröning um eine Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden. Doch kam es in Herford trotz einiger Gespräche zu keiner Annäherung, Anfang Mai 1949 verbot man ihm sein Wirken.

Der bereits erwähnte Superintendent Kunst der örtlichen Kirchengemeinde äusserte sich zu den Verhältnissen in Herford zu dieser Zeit:

"Als Herr Bruno Gröning im Jahre 1949 nach Herford kam, war nach kurzer Zeit die ganze Stadt und die Umgebung von Gerüchten über seine Heilerfolge erfüllt. Die Lokalzeitungen [...] brachten ausführliche Artikel. Die Pressevertreter brachten mich - ich war damals Superintendent des Kirchenkreises Herford - mit Herrn Gröning zusammen. Er war auch mehrmals zu Gesprächen in meinem Haus. Die Verhältnisse wurden von Woche zu Woche tumultartiger. Es kamen Tausende von Menschen aus der Bundesrepublik und aus dem Ausland, um bei Herrn Gröning Hilfe zu finden. Als der Oberstadtdirektor von Herford Herrn Gröning seine Tätigkeit untersagen wollte, bestand die Gefahr, dass von der erregten mehrtausendköpfigen Menge das Rathaus gestürmt wurde. Es wurde eine Prüfungskommission eingesetzt, in der der Oberstadtdirektor Meister von Herford, Herr Prof. Schorsch aus Bethel und die zuständigen Medizinalräte der Regierung in Detmold waren. Für einige Zeit habe ich den Vorsitz in diesem Ausschuss geführt. Die Prüfungskommission nahm ihre Arbeit so wahr, dass sie Verhandlungen mit Herrn Gröning führte und sich Geheilte vorstellen liess. Die Verhandlungen mit Herrn Gröning waren deshalb so gut wie vollständig unergiebig, weil die Mediziner Herrn Gröning unter den Kategorien und im Vokabular der Schulmedizin ansprachen. Es stellte sich heraus, dass Herr Gröning keinen, der zu ihm kam, untersuchte. Mir ist kein Fall bekannt geworden, in dem Herr Gröning einen Patienten körperlich berührt hat. Nie ist mir bekannt geworden, dass er einen Kranken zu bewegen suchte, auf die Hilfe der Fachmediziner zu verzichten. Er verordnete auch keine Medikamente."28

Der Kampf Bruno Grönings um die Heilerlaubnis fand bis zu seinem letzten Tage, fast zehn Jahre später, kein Ende.

Er, dessen Wirken dem eines Priesters ähnlicher war als dem eines Arztes oder Heilpraktikers, ging jeden möglichen Weg, um ungehindert durch Polizei und Gericht den Kranken helfen zu können.

Er stellte sich einer ärztlichen Prüfungskommission in Heidelberg zur Verfügung, die bei der Überprüfung der von ihm bewirkten Heilungen zu einem guten Resultat kam, ihm aber dennoch nicht den Weg frei machte. Er bemühte sich über Jahre, Heilstätten zu errichten, um in Zusammenarbeit mit Ärzten eine ordnungsgemässe wissenschaftliche Überprüfung der Heilungen durch Vor- und Nachuntersuchungen zu erreichen. Dies scheiterte jedoch an Geschäftsinteressen der Anbieter und dem Widerstand der Behörden. Obwohl Bruno Gröning der Überzeugung war, dass sein Wirken nichts mit der üblichen Heilpraxis gemein habe, war er bereit, die gesetzlichen Bestimmungen für Heilpraktiker zu erfüllen, und wollte die Heilpraktikerprüfung ablegen, was ihm verwehrt wurde.

Es bedurfte einer seltenen Willenskraft, um auf diesem Weg nicht zu verzweifeln.

Zudem fand er kaum Unterstützung in der Presse. Im Gegenteil, es waren nur wenige Journalisten, die angesichts einer zum grössten Teil ablehnenden Berichterstattung massgeblicher Presseorgane und der negativen Einstellung ärztlicher Standesorganisationen und weiter Kirchenkreise bereit waren, durch persönliche Prüfung ihren Lesern ein objektives Bild von Bruno Gröning zu verschaffen. In den meisten Fällen ging man einfach dazu über, ungeprüft Negativartikel zu übernehmen. Dadurch vermied man Konflikte mit den massgeblichen gesellschaftlichen Kreisen. Es ist aber interessant zu beobachten, dass die Journalisten, die sich durch persönlichen Kontakt mit ihm ein eigenes Bild von seiner Person machten, zu einer grundweg anderen Sicht der Dinge kamen. Ein Beispiel hierfür ist der Bericht in der Zeitschrift "Das offene Wort" (Unabhängiges Blatt für Zeitfragen und Toleranz, PAD-Verlag, München) Anfang der 50er Jahre.

Der Journalist schilderte der Öffentlichkeit seinen Eindruck in einem Artikel mit der Überschrift:

"Gröning [...] wie er wirklich ist!"

Er erkannte das Bemühen und die Schwierigkeiten Bruno Grönings auf seinem Weg zu freiem Wirken und rechnete ihm hoch an, dass er die Standhaftigkeit besessen hatte, zahlreiche lukrative Angebote aus dem Ausland auszuschlagen, um trotz aller Schwierigkeiten in Deutschland zu bleiben, wo die Menschen - geschlagen durch den Krieg - sehr der Hilfe bedurften. Für den Autor war er eine Persönlichkeit, die er achtete in ihrer Geradlinigkeit und Bestimmtheit, einem inneren Auftrag zu folgen, obwohl man "Schundartikel und bewusste Mache in die Presse bringt" und ihn mit "staatlichen Hemmungen und Verboten" zu hindern suchte. Er beschrieb ihn als einen Mann von "einer grossen menschlichen Güte und Aufopferung für seine Berufung, Menschen zu heilen". Nach seiner Auffassung ging Bruno Gröning über den Rand des bisherigen Erfahrungswissens hinaus. Sein Ziel sei es, "den Menschen zu helfen und sie zu führen auf einen Weg der inneren Erneuerung". Sein Resümee war, dass von jeher eine Theorie erst "verlacht wird, dann bekämpft, und danach ist sie selbstverständlich".

"Die Erfahrung lehrt uns", schrieb er abschliessend, "dass dem so ist, und wir Menschen sind immer wieder intolerant und lernen nie daraus."

Bruno Gröning blieb trotz aller Schwierigkeiten dabei, grundsätzlich kein Geld für Heilungen zu nehmen, auf der anderen Seite aber gab er seine ganze Zeit und Kraft für die Heilungssuchenden in ganz Deutschland und Österreich und konnte so keiner üblichen beruflichen Tätigkeit nachgehen. Er war auf die Gastfreundlichkeit und freiwillige Hilfe anderer angewiesen. Die Prozesse brachten ihn aus diesem Grunde in grosse finanzielle Not.

Bruno Gröning im Zug

Sein rein intuitives Handeln war oftmals dem nüchternen, rein nach den Gesetzen der Logik arbeitenden Intellekt nicht erklärbar. Einige Male liess er sogar Menschen, die unter dem Vorwand zu helfen an seine Seite getreten waren, in Wirklichkeit aber offensichtlich nur ihr gutes Geschäft durch ihn machen wollten, ganz nah an sich heran. Zum Teil lieferte er sich ihnen bis zu einem gewissen Grad geradezu aus und liess sie eine Zeitlang gewähren. Wenn sie sich aber nicht dem Guten zuwenden wollten und nicht freiwillig von ihren eigennützigen Plänen Abstand nahmen und angesichts der erschütternden Geschehnisse in seiner Nähe nicht innerlich umkehrten, deckte er ihr Handeln auf, und oft folgten langwierige Prozesse. Ehemalige Mitarbeiter wurden erbitterte Feinde, die dann vielfach durch angebliche "Enthüllungen" seine Person in der Öffentlichkeit in ein schlechtes Licht zu rücken wussten. Wenn ihn auch mancher eigennützige Helfer in grösste Schwierigkeiten gebracht hatte, so konnte man doch nie ein abfälliges Wort von ihm über diese Menschen hören. Im Gegenteil, einigen, die ihm sehr geschadet hatten, gab er auf ihre Bitte hin noch eine zweite Chance an seiner Seite (s. a. Kap. 5).

Dieses für den Verstand recht ungewöhnliche Verhalten wird verständlich, wenn man sich klarmacht, dass die Heilung auf dem geistigen Weg ein hochsensibler Prozess ist, der leicht durch gegensätzliche geistige Ausstrahlungen gestört werden kann. So kann eine sehr negativ eingestellte Person allein durch ihre unausgesprochene Einstellung und um vieles mehr durch störende Zwischenrufe das Wirken der Heilkräfte empfindlich behindern. Fast immer waren Bruno Gröning die anwesenden Personen zum grössten Teil unbekannt, seine Reaktion war allein Folge seiner ungewöhnlich gesteigerten Empfindungsfähigkeit.

Ebenso zeigte er eine kompromisslose Ablehnung, wenn Heilungssuchende sich durch Geldangebote die Heilung zu erkaufen suchten.

E. A. Schmidt berichtet in seinem Buch von einem solchen Fall:

"Auf diese Ebene gehört es auch, wenn, wie es wiederholt geschehen ist, ein wohlhabender Bittsteller an ihn herantritt mit der flehentlichen Bitte, ihm zu helfen, er wäre bereit, ihm 5 000 Mark und noch mehr dafür zu geben. In diesem Augenblick ,schnappt‘ Gröning ein, deutlich fühlbar und sichtbar, nicht nur für seine Umgebung, sondern sogar für den ausserhalb Stehenden. Der Kontakt ist erloschen, und er sagt mit abwehrender Geste: ,Ich verkaufe keine Gesundheit.‘ Er wendet sich ab, und wir Mitarbeiter haben dann die unerfreuliche Aufgabe, solche Heilungssuchende hinauszukomplimentieren. In einem Falle habe ich dazu noch folgendes erlebt: Gröning setzte sich dem Betreffenden gegenüber und sagte etwa folgendes: ,Ich weiss, dass Sie ein reicher Mann sind. Ich weiss aber auch, dass Sie Ihr Vermögen nicht auf eine gute Art erworben haben. Sie haben Ihre Arbeiter und Angestellten ausgenutzt und Geld und Vermögen zusammengerafft. Sie haben keine guten Werke getan, und Ihr Vermögen ist nicht wohl erworben.‘ Der so Angeredete wurde unruhig und rutschte auf seinem Stuhl erregt hin und her. Er errötete, ob es Scham oder Zorn war, liess sich nicht erkennen, und verliess schweigend den Raum."29

Ähnliches konnte Dr. Kurt Trampler beobachten:

"Mehr als einmal sah ich, dass er Heilungssuchende schroff zurückwies, weil sie ihm Geld bieten wollten."30

Trotz all der bereits bezeichneten Widerstände konnte Bruno Gröning sein erstrebtes Ziel erreichen. 1953 gründete er den Gröning-Bund, um unter dem Schutz eines Vereins Vorträge vor den Heilungssuchenden in den verschiedenen Städten halten zu können. Dort entstanden "Gemeinschaften", in denen Geheilte unentgeltlich, aus Dank für erlangte Heilung, die neuen Hilfesuchenden auf dem Weg zur Heilung in seiner Abwesenheit betreuten.

Er selbst hatte schon häufig betont, dass für die Heilungen seine persönliche Anwesenheit nicht erforderlich sei:

"Jeder Geheilte kann die Heilung weitergeben", sagte er, und eine grosse Zahl von Berichten über Heilungen aus den Gemeinschaften, die in seiner Abwesenheit eintraten, beweist dies recht eindrucksvoll.

1955 heiratete er, nachdem trotz aller Bemühungen die Verbindung zu seiner Frau nicht wiederhergestellt werden konnte, erneut. Seine zweite Frau Josette, eine Französin, bemühte sich nach Kräften, ihm beim weiteren Aufbau der Gemeinschaften zu helfen.

Kurz nach Gründung des "Gröning-Bundes" erfolgte aber auch die Einleitung des "grossen Prozesses" gegen ihn. Man wollte seinem Wirken durch diesen Prozess endgültig ein Ende machen. Es folgte die schwerste Zeit seines Lebens. Die Angriffe der Presse erreichten in dieser Zeit ihren Höhepunkt. Viele, die sich in den Gemeinschaften in Deutschland und Österreich angeboten hatten, neue Hilfesuchende zu betreuen, mussten sich polizeilichen Verhören unterziehen, und man versuchte, sie durch die Androhung, dass sie möglicherweise ebenfalls wegen "unerlaubter Ausübung der Heilkunde" vor Gericht gestellt würden, einzuschüchtern. Dazu kam es nie, jedoch gingen diese Androhungen an manchem nicht spurlos vorüber.

Bruno Gröning bemühte sich in diesen Jahren parallel zu den umfangreichen Vorbereitungen für den Prozess unermüdlich, die durch die öffentlichen Angriffe bedrohten jungen Gemeinschaften zu festigen. Seine Arbeit wurde aber durch die finanzielle Not sehr eingeschränkt.

Eine Zeitzeugin berichtete sehr beeindruckt, dass er auch in der Zeit der grössten Anforderungen unverändert eine unerklärliche Ruhe und Gelassenheit und einen für ihn sehr typischen Humor bewahrt habe. Dies konnte sie auch während der Gerichtsverhandlungen für den letzten Prozess, so schwer sie für ihn auch waren, beobachten. In einer Pause war sie auf ihn zugetreten, er habe sie nur vielsagend angelächelt und gemeint, dass ja bekanntlich nichts so heiss gegessen wie gekocht würde.31

Im Januar 1959 starb Bruno Gröning. Der Prozess wurde aus diesem Grunde eingestellt, ohne dass ein endgültiges Urteil gesprochen worden war. Im nachhinein zeigte sich, wie recht er in seinem Bemühen hatte, eine tragfähige Grundlage zu schaffen, die - über sein irdisches Dasein hinaus - Hilfesuchenden die Möglichkeit zur Heilung gibt: Die Heilungen geschehen auch nach seinem Tode weiterhin.

"Er war ein echt Gottliebender"

Bruno Gröning hatte in den Jahrzehnten des inneren Ringens vor seinem Wirken in der Öffentlichkeit eine Eigenschaft in sich gross werden lassen, die den meisten Menschen heutzutage fehlt.

Katharina Dichtl (82), Heilpraktikerin aus M., konnte ihn einige Monate zu Beginn seines Wirkens aus nächster Nähe beobachten und beschrieb diesen Wesenszug mit folgenden kurzen Worten:

"... er war ein echt gottliebender Mensch."32

Aus dieser Gottesliebe wuchs in ihm eine für unsere heutige gefühlskalte Zeit sehr ungewöhnliche Liebe zu den Menschen. Frau Dichtl konnte immer wieder beobachten, wie liebevoll er sich den Heilungssuchenden zuwandte, besonders ausgeprägt war ihr dies bei Kindern aufgefallen. Er mochte sie besonders gern, und Frau Dichtl konnte Spontanheilungen miterleben.

Inge Thiede aus F. berichtete mir persönlich ähnliches über ihn. Sie hatte über Jahre Kontakt zu Bruno Gröning und erzählte, dass von ihm etwas ausging, das sie nie wieder an einem anderen Menschen erlebt habe. Dies könne man sehr schwer beschreiben, es seien sehr viel Liebe und ein tiefes Mitgefühl besonders den Kranken gegenüber bei ihm spürbar gewesen. Diese Liebe, die er ausstrahlte, nahm man unwillkürlich auf, denn man musste ihn einfach liebhaben.

"Es war aber", so schilderte sie, "eine andere Liebe als die zwischen Mann und Frau. Man könnte sie als geistige Liebe bezeichnen." Und gleich darauf fuhr sie fort: "Es ist ein Gefühl, das bis in das Innerste der Seele geht, ein starkes Glücksempfinden und einen tiefen Frieden vermittelt, der nicht mit Worten zu beschreiben ist. Dieses Empfinden von Liebe verspürte nicht nur ich in der Gegenwart Bruno Grönings, sondern auch viele andere Personen, sowohl Männer als auch Frauen."33

Ähnlich äusserten sich Christa und Werner Hasse aus S. über ihn. Sie berichteten auch über ein starkes Gefühl von Liebe, Frieden und Kraft, das sie erfüllte, wenn sie mit Bruno Gröning, der sie häufiger besucht hatte, zusammen waren. Etwas Strahlendes sei von ihm ausgegangen. Sie konnten auch die Beobachtung machen, dass sie, wenn er über mehrere Tage bei ihnen war, nicht müde waren, obwohl wenig Gelegenheit zum Schlafen gegeben war, und sich erstaunlicherweise auch kein Hungergefühl einstellte.34

Auch Christa Pohl (55) aus G. bezeichnete die Liebe, die sie und andere in der Nähe Bruno Grönings empfanden, als geistige Liebe. In den Vorträgen in der Gemeinschaft  Springe, die sie besucht hatte, sprach Bruno Gröning sehr häufig über die Liebe zu Menschen, Pflanzen und Tieren. Die Liebe war, so hatte sie den Eindruck, das Allerwichtigste für ihn. Während der Vorträge verspürte sie Ruhe und Frieden und ein sehr wohliges Gefühl, das sie nicht in Worte fassen konnte.

"Man muss", so Frau Pohl, "diese Empfindungen selbst erlebt haben, um so etwas Unbeschreibbares nachvollziehen zu können."35

Ob in Husum, Hameln oder in Herford, am Bodensee, in München oder an einem anderen Ort in Deutschland oder Österreich, die Menschen, die zu Bruno Grönings Lebzeiten länger mit ihm in Verbindung standen und die Möglichkeit hatten, ihn als Mensch näher kennenzulernen, sprechen, wie ich mich persönlich selbst überzeugen konnte, mit unverhohlener Achtung von ihm. In den Zeugenaussagen wird immer wieder erwähnt, dass etwas ganz Besonderes an ihm war, ohne dass die Aussagenden dieses Gefühl näher begründen können. Neben den oben erwähnten Begriffen wurde von dem Gefühl eines Lichts oder einer starken Kraft gesprochen, die manche von ihm ausgehend verspürten, andere wiederum beschrieben ein unerklärliches Wohlgefühl, erlebten eine aussergewöhnliche Leichtigkeit und Freude, wenn sie mit ihm zusammen waren.

Eine tiefe Verbundenheit
auch zu Tieren ...

"Ich bin weiter nichts als ein ganz natürlich gebliebener Mensch"

Bruno Gröning hatte sich die grosse Naturverbundenheit aus der Kindheit während seines ganzen Lebens bewahrt. Das Meer und die Berge zogen ihn mit aller Macht an, und oft sass er dann dort lange Zeit regungslos, die Eindrücke in sich aufnehmend. Pflanzen und Tieren wandte er sich sehr behutsam zu, und er brachte es nicht über das Herz, eine Blume zu pflücken. In ihm lebte, den Eindruck konnte ich aus vielen Gesprächen mit Zeitzeugen entnehmen, eine ursprüngliche Ehrfurcht vor allem Leben, weil er in allem Gott fühlte. Dabei fehlte ihm aber jeglicher Ritus, sein Verhalten erschien nicht aufgesetzt, man konnte spüren, dass die Art seinem Wesen entsprang.

Er hatte sich als erwachsener Mensch manche Wesenszüge eines Kindes bewahrt, die sich besonders deutlich in seiner unkomplizierten, sehr offenen Art und einer ausgeprägten Veranlagung, vertrauen zu können, zeigte.

Bruno Gröning sagte einmal dazu:

"Ich bin und bleibe ein Kind [...], ich werde mich nicht ändern, nein, und Sie alle und jeder kann glauben, was er will. Ich bin und bleibe ein Kind, bin nur ein Kind Gottes, mehr nicht; bilde mir nichts ein, nein, bin auch nicht feige, es zu sagen, weil ich weiss, ich bin nur ein Kind. Aber viele Menschen sind kein Kind mehr, weil sie erwachsen sind."36

Er konnte sich wie ein Kind auch an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen. Z. B. machte man ihm eine grosse Freude mit einer Kartoffelsuppe, die er ausgesprochen gerne ass. Im Umgang mit ihm hatte man nicht den Eindruck, einen weltentrückten Menschen vor sich zu haben, im Gegenteil, man konnte sich ganz normal mit ihm unterhalten wie mit jedem anderen Menschen auch. Dabei legte er viel Wert auf Humor und konnte herzlich lachen, wenn er auch meistens eher ein ernster, schweigsamer Mensch war.

Oft sass Bruno Gröning mit ihm vertrauten Personen im Anschluss an seine Vorträge noch im privaten Kreis zusammen. Durch seine Worte erfuhren die Anwesenden viel über die Existenz eines jenseitigen Reiches, und manche stille Frage der Anwesenden über Gott und die Geheimnisse des Lebens fand ihre Antwort. Dieses Zusammensein dauerte häufig bis in den Morgen.

Christa Pohl war mehrfach in Springe bis in die frühen Morgenstunden mit dabei und berichtete von einem besonderen Erlebnis im Anschluss an einen solchen Abend:

Das Zusammensein dauerte bis sechs Uhr morgens, und anschliessend musste sie zur Arbeit nach Hannover fahren. Bruno Gröning hatte ihr beim Abschied gesagt, dass sie unbesorgt zur Arbeit fahren könne, sie werde den Tag gut überstehen. Dies war bis 15.00 Uhr auch so. Dann trat plötzlich eine sehr starke Müdigkeit auf. In Gedanken wandte sie sich an Bruno Gröning und erinnerte ihn an sein Versprechen. Im gleichen Augenblick war sie wieder hellwach. Nach Dienstschluss begab sie sich wieder nach Springe. Dort empfing er sie. Bevor sie selbst etwas sagen konnte, sagte er lächelnd: "Na, wie war es heute nachmittag um 15.00 Uhr?" Er wusste offensichtlich, was sie im entfernten Hannover zu diesem Zeitpunkt gedacht hatte.37

Eine andere Zeitzeugin, die über Jahre Kontakt mit Bruno Gröning hatte, erzählte mir ein weiteres persönliches Erlebnis mit ihm:

"Bei einem Zusammensein mit Herrn Gröning bei Herrn Loy in Klagenfurt in Österreich kam im Laufe des Abends noch das Ehepaar S. dazu. Herr Gröning kannte die Frau, aber ihr Ehemann war ihm unbekannt. Ich erlebte dann, dass sich nach einiger Zeit Herr Gröning dem Manne zuwandte und begann, sich mit ihm über Schiffe zu unterhalten. Das Gespräch ging immer mehr ins Detail. Bruno Gröning hat mit diesem Mann gesprochen wie einer, der sich total in der Materie auskennt. Nach einiger Zeit sagte Herr S. fassungslos:

,Herr Gröning, das sind ja Einzelheiten, die können Sie gar nicht wissen!‘ Herr Gröning lächelte nur und meinte humorvoll: ,Ja, ich bin halt ein alter Seebär.‘ Herrn S. war klargeworden, dass dies Wissen aus einer höheren Quelle stammen musste, wie er mir später berichtete. Herr S. war, dies konnte Herr Gröning gar nicht wissen, Spezialist für Schiffbau und hatte im Krieg eine führende Stelle innegehabt. Es hatte ihn erschüttert, dass Bruno Gröning sogar Dinge wusste, die Herrn S. nur aufgrund seiner Position als Geheimwissen aus dem Krieg bekannt waren."38

Ähnliches ereignete sich auch bei Familie Weber in Essen. Bruno Gröning begann plötzlich, mit einem anwesenden Reporter über Flugzeugbau zu sprechen. Nach einiger Zeit fragte der Reporter verwundert, woher er dies alles wisse. Der Reporter war, was keiner wusste, im Krieg in hoher Position bei der Luftwaffe gewesen und kannte sich im Flugzeugbau bestens aus.39

Käthe Tams aus B. berichtete von einem recht ungewöhnlichen Ereignis, das sie von Herrn Loy erfahren hatte. Dieser war mit Bruno Gröning spazierengegangen, und während der gemeinsamen Unterhaltung war Bruno Gröning plötzlich verschwunden. Herr Loy konnte ihn beim besten Willen nicht mehr auffinden. Nach fünf Minuten stand er wieder vor ihm und fragte nur: "Ach, waren Sie bange, ich sei weggelaufen?" Herr Loy hatte nicht viel erwidern können, denn er konnte nicht begreifen, wie ein Mensch einfach unsichtbar werden kann.40

Sie erinnerte sich noch einer anderen Begebenheit. Bruno Gröning war sehr eng mit Herrn Preuel befreundet. Eines Tages hatten sie zusammen einen Ausflug unternommen. Während der Fahrt legte Bruno Gröning seinen Kopf auf das Lenkrad, als ob er schlafen würde. Das ging wohl über fünf Minuten so. Das Auto fuhr weiter, ohne von der Strasse abzukommen. Dann wurde Herr Preuel aber doch unruhig. Als Bruno Gröning dies bemerkte, wandte er sich an ihn und fragte, ob er glaube, dass er irgendwo gegen fahren würde. Herr Preuel gab seine Befürchtung zu. Bruno Gröning antwortete nur: "Nein, ich kann doch fahren."41

Grete Häusler aus Hennef/Sieg, die Bruno Gröning seit ihrer Heilung im Jahre 1950 kannte, schilderte mir folgende Begebenheit: Sie war mit Herrn Petz und dem Ehepaar Bavay aus Rosenheim nach Augsburg zu Bruno Gröning gekommen. Spät in der Nacht wollten sie zurückfahren, aber das Rücklicht am Auto funktonierte nicht. Herr Petz hatte alles geprüft, konnte den Fehler aber nicht finden. Er bat nun Bruno Gröning um Hilfe. Anstatt das Rücklicht zu kontrollieren, stellte sich dieser mit nach hinten verschränkten Armen vor die geöffnete Motorhaube und sah dort hinein. Im gleichen Augenblick brannte das Schlusslicht wieder.42

In dem Buch "Das Heil erfahren, das ist Wahrheit" schreibt Grete Häusler über eine weitere Begebenheit. Am 25. Mai 1952 sprach Bruno Gröning bei ihr im Haus vor einigen Hilfesuchenden. Unter den Heilungssuchenden befand sich die 73jährige Frau Kulle, die schwer herzleidend war und am gleichen Abend die Heilung erhalten hatte. Sie konnte plötzlich wieder Übungen ausführen, die ihr vorher aufgrund des schweren Leidens unmöglich gewesen waren.

Grete Häusler schildert die Begebenheit so:

"Sie musste die Übungen wiederholen und war ausser sich vor Freude, denn sie hatte nicht geglaubt, dass sie diese noch einmal in ihrem Leben schaffen würde. Sie strahlte vor Glück. Herr Gröning sagte liebevoll: ,Da freut sich Ihr Sohn darüber.‘ Sie wehrte ab und sagte: ,Herr Gröning, ich habe keinen Sohn.‘ Ich dachte bei mir: ,Siehst du, alles weiss er doch nicht. Das ist peinlich.‘ Herr Gröning aber war sicher und fragte weiter: ,Haben Sie nicht einen Sohn gehabt?‘ ,Ja‘, sagte Frau Kulle, ,aber vor dreissig Jahren. Er starb als Säugling.‘ ,Also doch ein Sohn!‘ sagte Herr Gröning schmunzelnd. ,Er sieht es jetzt und freut sich mit! Er hat jetzt nur ein anderes Kleid an.‘"43

All dies geschah ohne mystische Geheimnistuerei. Mit den für den Alltagsmenschen unglaublichen Fähigkeiten ging Bruno Gröning völlig natürlich um. Sie waren für ihn, genauso wie die Heilungen und manches andere ungewöhnliche Ereignis, keine Wunder, sondern lediglich Ausdruck eines tiefen natur-, d. h. gottverbundenen Zustands.

Aus dieser Sicht wird verständlich, dass Bruno Gröning über sich selbst sagte: "Ich bin weiter nichts als ein ganz natürlich gebliebener Mensch."44

Das Natürliche, Ungezwungene seines Wesens zeigte sich auch deutlich in seinen Vorträgen. Seine Vorbereitung bestand darin, dass er sich zurückzog und in sich ging, sich sammelte. Ein schriftliches Konzept legte er sich nie zurecht. Die Worte des Vortrags kamen ihm frei. Seine Art zu sprechen war sehr ungewöhnlich. Oft unterbrach er sich und stellte einzelnen Anwesenden Fragen und fing dann auch manchmal ein kurzes Gespräch mit ihnen an. Manchmal fanden sich scheinbar unzusammenhängende Einschübe mitten in seinem Vortrag, durch die er aber manchem Zuhörer eine nur in Gedanken geäusserte Frage beantwortete. Die Zeitzeugin Christa Pohl konnte dies bestätigen. Sie erinnerte sich, wie sie häufiger erlebt hatte, dass sie oder andere nur gedanklich Fragen gestellt hatten und spontan, für einen Aussenstehenden unzusammenhängend, gab Bruno Gröning in seiner Rede die Antwort. Sie selbst hatte während eines Vortrags plötzlich erkannt, wer in Bruno Gröning vor ihr stand, und kaum hatte sie diesen Gedanken gedacht, hielt er in seinem Vortrag inne, wandte sich ihr zu und sagte: "Was Sie eben gedacht haben, behalten Sie bitte für sich."45

Jegliche Dogmatik war ihm fremd. Man konnte auch nicht beobachten, dass er in irgendeiner Weise anderen Menschen etwas verbot. Er sah seine Aufgabe darin, Ratschläge, er nannte sie manchmal seine Lebensweisheiten, weiterzugeben. Nie sagte er, dass man dies oder jenes tun müsse, und es lag ihm fern, etwas zu verbieten. Christa und Werner Hasse konnten das deutlich beobachten, als sie einmal um Weihnachten bei Bruno Gröning eingeladen wurden. Einige Gäste tranken Bowle. Bruno Gröning war ein entschiedener Gegner des Alkohols, hat es aber nie untersagt, selbst nicht bei diesem Anlass.46

Die Urteile sachverständiger Ärzte

Wie beurteilten die Ärzte Bruno Gröning, die über die Begrenztheit einer rein schulmedizinischen Sicht von Heilung und Gesundheit hinaus an das Einwirken einer höheren Macht, die durch diesen Mann wirkte, glauben konnten? Was war er für sie, die frei von den Vorurteilen des materialistischen Zeitalters sein Wirken nüchtern betrachteten?

Hella Emrich, Ärztin und Mitherausgeberin der Zeitschrift "Neues Europa", hatte zusammen mit ihrem Mann Louis Emrich über Jahre Kontakt zu Bruno Gröning.

Er besuchte das Ehepaar häufig in ihrer Wohnung in Baden, und eine herzliche Freundschaft entwickelte sich. Bei einem Gespräch mit mir beschrieb sie ihn als einen einfachen, aber sehr intelligenten Menschen.

"Es ging von seinem Wesen eine grosse Wärme aus", erzählte sie mir. "In seiner Nähe fühlte man sich einfach wohl. Häufig, wenn er uns zusammen mit seiner Frau besucht hatte, sassen wir einfach schweigend zusammen. Man brauchte ihm gegenüber nicht viel zu sprechen, es war allein schon seine Anwesenheit, die einem sehr viel Kraft vermittelte."47

In ihrem Buch "Geheimnisse der Wunderheilungen, Versuch einer objektiven Darstellung umstrittener Probleme der Heilkunst" berichtet sie ihre Ergebnisse langjähriger Recherchen bei vielen Heilern.

In einem Kapitel beschreibt sie das "Phänomen Bruno Gröning":

"Als bekannt wurde, dass Gröning bei Massenkundgebungen in Herford zahlreiche Heilungen mit Erfolg durchgeführt hatte, strömten ihm von allen Ländern der Welt Kranke zu. [...] Das Ergebnis war, dass sich bald die Ärzteschaft eifrig um ihn kümmerte, nicht etwa im wohlwollenden und prüfenden Sinne, sondern mit Befremden und Empörung. Man suchte mit allen Mitteln, den ,Gegner‘ unschädlich zu machen. [...] Gruppen bildeten sich, die leidenschaftlich für oder gegen Gröning kämpften. Es entstand ein Gröning-Rummel, in dessen Gefolge geschäftstüchtige Manager auftraten, von deren Machenschaften Gröning selbst keine Ahnung hatte. [...]

Man würde es nicht für möglich halten - wenn nur die Presseberichte berücksichtigt würden -, dass für Gröning Geld, Rang oder Titel wenig bedeuteten.

‚Ich will die Menschen zum Gottesglauben zurückführen. Er wird sie heilen‘, war der Hauptinhalt seiner Heilungslehre. [...]

Wenn Bruno Gröning von bestimmten Kreisen völlig verkannt und verleumdet wurde, so nicht zuletzt darum, weil er seinen Zeitgenossen zu einseitig als Wunderheiler dargestellt wurde. [...] Dies verschleierte sein eigentliches und sehr differenziertes Wesen: (...) den Künder und Verkünder. Der Kern seines Lebensinhalts und seines Strebens war nur wenigen, allzu wenigen bekannt."48

Dr. Beyer, ein Arzt, der sich seit Jahrzehnten mit dem Phänomen der geistigen Heilung beschäftigt hatte, gab dem Gericht im grossen Prozess 1955-59 ein Sachverständigengutachten über die Befähigung Bruno Grönings zu geistigem Heilen ab. In dem Gutachten, dem ein mehrfacher persönlicher Gedankenaustausch mit Bruno Gröning vorausging, beschrieb er die Aufgabe des geistigen Heilers als Durchgangsstation, als Leitungsrohr, als Vermittler für "die grosse, das All durchflutende Schöpferkraft" und ging dann auf seinen Eindruck von Bruno Gröning ein:

"Ganz so empfindet Gröning sein Wirken, und er bringt das zum Ausdruck, indem er klar und unmissverständlich sagt:

,Nicht ich heile, sondern es heilt durch mich.‘

Dieses Bewusstsein, nicht aus eigener Kraft zu wirken, sondern Werkzeug einer höheren Macht zu sein, ist echte Religiosität. Eine so ausnahmsweise Betonung dieser Begabung, wie sie bei Bruno Gröning überraschend zu Tage getreten ist, erregt begreiflicherweise grosses Aufsehen, wie die Ereignisse zur Genüge gezeigt haben. Der Andrang der Hilfesuchenden war so riesengross, dass die einzelne Persönlichkeit des umdrängten Heilers den gestellten Anforderungen unmöglich gerecht werden konnte. Und auch die um Hilfe gebetenen Behörden waren solchem unerwarteten elementaren Ansturm nicht gewachsen. So kam es zu grosser Unordnung, die nicht nur durch unhaltbare äussere Zustände öffentliches Ärgernis erregen musste, sondern auch unlauteren Menschen der Umgebung Grönings zur Versuchung wurde, eigensüchtige Ziele zu verfolgen und zu verwirklichen, so dass dem gesamten Geschehen hinterher auch noch das Odium der Unlauterkeit anhaftete. Dabei ist der Person Grönings eine schuldhafte Beteiligung an den unliebsamen Vorkommnissen nicht zuzuschreiben. [...]

Seit dreieinhalb Jahrzehnten mit dem Gebiete geistigen Heilwirkens aus eigener Erfahrung vertraut, stehe ich der Persönlichkeit Bruno Grönings weit unbefangener gegenüber als jeder andere, der auf diesem Gebiete noch ohne Erfahrung und daher unwissend oder zum mindesten unsicher ist. Mein Urteil über ihn gründet sich nicht allein auf die vielfach widersprechenden Berichte in der Presse, sondern ich bin ihm auch mehrmals persönlich begegnet. Ich habe ihn kennengelernt als einen Mann von bestem Wollen und durchaus lauteren Absichten. [...] Demnach bestehen von sachverständiger Seite keinerlei Bedenken dagegen, ihn seine Fähigkeiten zum Nutzen vieler kranker Menschen, denen er wirklich helfen kann, betätigen zu lassen."49

Dr. Gemassmer, ein anderer Arzt mit langjähriger Erfahrung mit der geistigen Heilweise, äusserte in seinem Gutachten für das Gericht vom 17.04.1955 über Bruno Gröning u. a.:

"In den ersten Tagen des Januar 1954 lernte ich Bruno Gröning kennen und besuchte ihn in seiner Wohnung in der Nähe von München. Im Laufe der Unterhaltung bat ich ihn um ein Heilungserlebnis. Hierauf sagte er mir: ,Sagen Sie mir, was sich bei Ihnen ereignet.‘ Indessen blieb er in einer Unterhaltung mit einem anderen Herrn in einer Entfernung von etwa vier Metern und beachtete mich anscheinend nicht.

Schon nach wenigen Minuten stellte sich bei mir das Gefühl eines starken Stromes ein, der von beiden Fusssohlen aus die Unterschenkel emporstieg. Dieses Stromgefühl löste in einem der Füsse einen heftigen Schmerz aus, der sich aber nach wenigen Minuten wieder verlor. Immer mehr und mehr überkam mich eine angenehme Ruhe. [...] Ein starkes Wohlgefühl erfüllte mich immer mehr und mehr.[...] Das Ruhegefühl, das mich überkam, wuchs zu einem starken Kraftgefühl, dass ich selbst die Behandlung abbrach und Gröning dankte. [...] Ich fühlte mich ausserordentlich wohl. Infolge meiner Reise war ich bereits am zweiten Tage ohne Nachmittagsschlaf, gegen dessen Ausfall ich sehr empfindlich bin. Da ich Herrn Gröning erst nach Mitternacht verliess, kam ich erst um zwei Uhr nachts ins Bett. Ich war so wunderbar frisch, dass ich glaubte, nicht einschlafen zu können. Dennoch war ich nach wenigen Minuten bereits eingeschlafen und stand am nächsten Tage nach nur vierstündiger Nachtruhe völlig ausgeruht auf. Ich wohnte in Starnberg, 25 Minuten vom Bahnhof entfernt. Unglücklicherweise konnte ich keine Taxe bekommen und musste darum einen Dauerlauf zum Bahnhof machen, um den Zug nicht zu versäumen. Das war eine Leistung, zu der ich sonst nicht fähig gewesen wäre. Mit diesem Erlebnis war für mich eine vom Phänomen Gröning ausgehende Heilkraft eindeutig."50

Dr. Gemassmer unterstrich im folgenden, dass eine solche Kraft, wie sie bei Bruno Gröning deutlich wurde, ihren Träger verpflichte, sie zur Anwendung zu bringen. Er sah es als sittliche Pflicht der öffentlichen Ordnung an, "wenn ein Phänomen einer solchen Kraft erscheint, ihm die Möglichkeit einer gesunden Auswirkung zu geben". Dieses harmonische Wirken sei aber von seiten der gesundheitlichen Gesetzgebung trotz der offensichtlichen Bereitschaft Bruno Grönings verhindert worden.

Dr. Gemassmer schrieb dazu:

"Da auf die Ärzte ein moralischer Druck von der Standesorganisation ausgeübt wird, nicht mit Gröning zusammenzuarbeiten, und da ihm auch die Zulassung als Heilpraktiker versagt wurde, wurde ja durch die gesundheitliche Gesetzgebung selbst ein harmonisches Wirken Grönings verhindert."51

In Bruno Gröning sind, so Dr. Gemassmer, Innenkräfte aufgebrochen, die sich nicht nur in grossen Energien nach aussen auf andere kranke Menschen, sondern auch auf ihn selbst auswirken. Diese Kräfte würden ihn innerlich zerreissen, wenn er dem inneren Auftrag zu heilen, der ihm von einer höheren Macht gestellt worden ist, nicht folge.

Er fährt fort:

"Einem Menschen aber keinen Weg zu ermöglichen, in harmonischer Weise seine Urkraft, deren Heilwert tausendfach unter Beweis gestellt wurde, auszuwirken, ist eine Verantwortung, die das Gesetz des Geistes richten würde."52

Ein Leumundszeugnis über Bruno Gröning

Zum Abschluss möchte ich noch ein Leumundszeugnis weitergeben, das ich in den Akten fand. Erich Pelz, Betriebswirt aus R., fasste dort sein Urteil über die Person Bruno Gröning nach einer achtjährigen Bekanntschaft zusammen. Er verfasste es im Januar 1958, kurz nachdem die Berufungsverhandlung des grossen Prozesses in München beendet worden war, in Form eines persönlichen Schreibens:

"Der Kampf um Ihre Persönlichkeit und Ihr Ringen kommt durch den soeben beendeten Prozess und die sicher zu erwartende Revision in ein gewichtiges Stadium.

Da ich diesen und den vorangegangenen Prozess an Ort und Stelle im Gerichtssaal in allen Einzelheiten verfolgt habe, drängt es mich, Ihnen heute aus freien Stücken und unwiderruflich folgende Erklärungen zu geben:

Ich kam das erste Mal mit Ihnen im Jahre 1949 auf dem Traberhof bei Rosenheim in Berührung [...]. Da ich mich etwa seit 40 Jahren sehr viel mit indischer, chinesischer und tibetanischer Weisheit befasst habe, war mir, nachdem Sie durch die Vorgänge in Herford ins grelle Licht der Öffentlichkeit gerückt und bekannt wurden, klar geworden, dass Sie [...] einer jener im Osten bekannten, im Westen aber unbekannten und ausserordentlich seltenen grossen, erkennenden Geister in Menschengestalt sind, deren Kräfte vom Schöpfer aller Dinge gegeben werden, die mit den heutigen Mitteln der sogenannten exakten Wissenschaft einfach nicht zu erklären sind. Diese göttlichen Kräfte sind aber trotzdem vorhanden und können nicht wegdiskutiert werden. Deswegen werden solche Menschen bei uns seit Jahrtausenden verfolgt und gesteinigt. Mir war klar, dass auch Sie [...] würden den gleichen Weg gehen müssen. Die Entwicklung hat mir bisher leider recht gegeben. Auch Ihnen gegenüber ist die sogenannte Meinung der Menschen geteilt. [...] Überzeugt hat sich indessen kaum einer von Ihnen und Ihrer Tätigkeit. Weil mir das klar war, habe ich Ihren Weg von Anfang an aufmerksam verfolgt und versucht, mit Ihnen in näheren Kontakt zu kommen. Das begann auf dem Traberhof zunächst mit einem Wunder. Ich litt seit 1939 an dem Rest einer rechtsseitigen Lähmung [...]. Trotz intensivster Behandlung in einer Kieler Spezialklinik während acht Monaten war eine Behinderung in der rechten Schulter geblieben, ein Zustand, an den ich mich in den folgenden zehn Jahren gewöhnt hatte. Obwohl ich auf dem Traberhof sehr weit von Ihnen entfernt stand - hinter etwa 20 000 Menschen -, wurde ich in einem Augenblick von dieser Belastung frei! Und ich blieb davon befreit."53

Dann beschrieb Erich Pelz, um sein Urteil zu autorisieren, dass er im Laufe der Jahre zusammen mit Herrn Gröning viele Gemeinschaften in Deutschland und Österreich besuchen konnte und sich wiederholt als Gast bei ihm in Plochingen von dem privaten Leben dieses Mannes ein Bild machen konnte. Er fuhr dann fort:

"Ich kann also sagen, dass ich lange und ausreichend genug Gelegenheit hatte, Sie selbst, Ihre Tätigkeit und die Vorgänge um Sie herum zu beobachten. Aus dieser Situation heraus stehe ich nicht an, folgendes zu erklären:

- Sie sind nach meiner Überzeugung einer der Sendboten, der als einfacher Mensch hier in Deutschland zu leben und seine höhere Aufgabe zu erfüllen hat. [...]

- Sie haben in meiner Gegenwart noch nie eine Unwahrheit gesagt.

- Sie tun nichts, was einer Heilbehandlung durch einen Arzt oder einen Heilpraktiker ähneln könnte. Sie verbitten sich grundsätzlich jede Äusserung der Menschen über ihre Krankheit. Das habe ich von 1949 bis heute immer wieder festgestellt. Ich habe auch immer wieder erlebt, dass die Menschen Sie trotzdem immer wieder mit solchen Erzählungen belästigen. [...]

- Sie berühren keinen Menschen, untersuchen ihn nicht und raten ihm nicht von den Ärzten ab. Sie verweisen die Menschen im Gegenteil immer wieder an ihre Ärzte. [...]

- So wie Sie gegen keinen Arzt etwas sagen, stehen Sie mit Ihren Vorträgen auch gegen keine Glaubenslehre. [...]

- Ich habe das Heil, das von Ihnen ausgeht, am eigenen Körper und bei meiner Frau erfahren. Ich habe unzählige Menschen in Ihrer Nähe und in den Gemeinschaften ohne Ihre Gegenwart gesunden gesehen oder ihre eidesstattlichen Erklärungen gelesen. Ich habe selbst mit einem Herrn aus Südamerika über seine unerhörten Erlebnisse sprechen können und mich dadurch frappant überzeugen dürfen, dass die Kraft, die in Ihnen wirkt, keinerlei räumlicher Begrenzung unterliegt.

- Ich muss ausdrücklich feststellen, dass Ihre Vorträge rein religiöser [...] Natur sind. In keiner Weise erinnern sie an Heilkunde [...]. Dass im Zusammenhang mit einer durch Ihren Vortrag eintretenden rein geistigen Neuorientierung auch eine körperliche Regelung eintritt, ist etwas, was die akademische Medizin erst jetzt aus dem Wissensschutt der Jahrtausende wieder auszugraben beginnt.

Deshalb ist es mir auch erklärlich, dass man Sie so unfair verfolgt, ohne sich überhaupt einmal von Ihrem Wirken tatsächlich zu überzeugen."54

Mein Ziel in diesem Kapitel ist, dem Leser aufgrund von Erlebnisberichten und Urteilen von Augenzeugen aus der Umgebung Bruno Grönings das Wesen und den Charakter dieses ungewöhnlichen Mannes erahnen zu lassen. Die Tatsache, dass von der Kindheit bis zu seinem Tode unterschiedlichste Personen unabhängig voneinander zu ähnlichen Urteilen kommen, ist ein beeindruckendes Zeugnis für die Wahrheit der Aussagen.